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21.05.2017

22:02 Uhr

Nordkorea

Neuer Raketentest dämpft Friedenshoffnungen

Nach dem zweiten nordkoreanischen Raketentest innerhalb einer Woche hat sich die neue Regierung im Süden skeptisch über die Aussichten auf Frieden geäußert.

Nach Angaben des südkoreanischen Militärs flog das Geschoss etwa 500 Kilometer nach Osten und stürzte ins Meer. dpa

Nordkorea testet erneut Rakete

Nach Angaben des südkoreanischen Militärs flog das Geschoss etwa 500 Kilometer nach Osten und stürzte ins Meer.

Seoul/ Tokio Die neue Regierung im Süden hat sich nach dem zweiten nordkoreanischen Raketentest innerhalb einer Woche skeptisch über die Aussichten auf Frieden geäußert. Derartige leichtsinnige und verantwortungslose Aktionen seien „eine kalte Dusche für die Hoffnungen und Wünsche dieser neuen Regierung und der Staatengemeinschaft“, erklärte das Außenministerium am Sonntag in Seoul. Nach Angaben des südkoreanischen Militärs flog das Geschoss etwa 500 Kilometer nach Osten und stürzte ins Meer. Dem japanischen Kabinettsminister Yoshihide Suga zufolge landete es außerhalb der Wirtschaftszone des Landes. Das US-Präsidialamt erklärte, die Rakete habe offenbar eine geringere Reichweite gehabt habe als die bei den vorherigen drei Tests. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen setzte nach Angaben von Diplomaten auf Antrag der USA, Japans und Südkoreas für Dienstag eine Sitzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit an.

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (2016)

6. Januar 2016

Nordkorea führt seinen vierten Nukleartest aus. Nach eigenen Angaben wurde eine „miniaturisierte“ Wasserstoffbombe getestet. Experten ziehen die Angaben in Zweifel. (Quelle: AP)

7. Februar 2016

Nordkorea schießt nach eigenen Angaben eine Langstreckenrakete ins All.

9. März 2016

Machthaber Kim Jong Un erklärt, sein Land habe verkleinerte Atombomben entwickelt, die auf Raketen platziert werden können.

18. März 2016

Zum ersten Mal seit 2014 feuert Nordkorea eine Mittelstreckenrakete vom Typ Rodong ab. Das Geschoss fliegt rund 800 Kilometer weit, ehe es östlich des Landes ins Wasser fällt.

23. April 2016

Nordkorea schießt eine Rakete von einem U-Boot ab. Aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium heißt es daraufhin, das Geschoss habe eine Strecke von knapp 30 Kilometern zurückgelegt. Pjöngjang erklärt, der Start ziele darauf ab, die Atomsprengkopftechnologien voranzubringen.

22. Juni 2016

Washington und Seoul melden, dass Nordkorea zwei mutmaßliche Mittelstreckenraketen vom Typ Musudan abgefeuert hat. Diese Raketen könnten eines Tages in der Lage sein, weit entfernte Militärbasen der USA in Asien zu treffen. Pjöngjang gibt später bekannt, erfolgreich eine Mittelstreckenrakete getestet zu haben. Diese habe eine Höhe von 1400 Kilometern erreicht, bevor sie wie geplant in 400 Kilometer entfernten Gewässern gelandet sei.

19. Juli 2016

Nordkorea schießt drei Raketengeschossen ab. Zwei davon fliegen 500 bis 600 Kilometer weit. Die Tests sind nach Angaben der Führung in Pjöngjang Teil eines simulierten Präventivschlags auf südkoreanische Häfen und Flugplätze.

3. August 2016

Regierungsbeamten aus Südkorea und Japan zufolge legt eine nordkoreanische Mittelstreckenrakete einen Weg von rund 1000 Kilometern zurück und landet in der Nähe von japanischen Hoheitsgewässern. Es handelt sich vermutlich um eine Rodong-Rakete.

24. August 2016

Eine erneut von einem U-Boot abgefeuerte Rakete ist 500 Kilometer unterwegs, ehe sie nahe Japan ins Wasser stürzt. Kim erklärt, sein Land habe die Fähigkeit erlangt, einen vollausgerüsteten Atomangriff auszuführen. Auch das US-Festland befinde sich in Schlagdistanz.

5. September 2016

Wieder fliegen drei mutmaßliche Mittelstreckenraketen Nordkoreas fast 1000 Kilometer weit, ehe sie in Gewässern nahe Japan landen.

9. September 2016

Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen nuklearen Sprengkopf erfolgreich zur Explosion gebracht.

Nordkorea hatte zuletzt am Sonntag vor einer Woche eine Rakete abgefeuert. Die zwei Tests in kurzer Folge erschweren den Versuch des neuen südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In, wie angekündigt einen gemäßigteren Ansatz im Umgang mit dem abgeschotteten nördlichen Nachbarn zu verfolgen. Auch Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sagte, der Test sei ein Rückschlag für die internationalen Bemühungen um eine friedliche Lösung des Korea-Konflikts. Das Thema solle auf die Tagesordnung des G7-Gipfels im kommenden Monat gesetzt werden. US-Außenminister Rex Tillerson sagte dem Sender Fox News, die immer neuen Tests seien „enttäuschend und verstörend“. Nordkoreas Verbündeter China nahm zunächst nicht Stellung.

Experten hatten nach dem vorherigen Test von Hinweisen auf technische Fortschritte gesprochen. Kim Dong Yub von der Universität Kyungnam erklärte am Sonntag, offenbar stünden inzwischen zwei Forschergruppen in Nordkorea im Wettstreit miteinander. Eine baue Raketen mit Feststoffantrieb, die andere mit einem flüssigen Treibstoff. „Das ist der Grund, warum die Geschwindigkeit der Raketenentwicklung in Nordkorea jenseits der Vorstellungskraft liegt.“

Das isolierte Land treibt sein Atom- und Raketenprogramm trotz internationaler Kritik, neuen Sanktionsdrohungen und bereits verhängter Strafmaßnahmen voran. Der UN-Sicherheitsrat verurteilt die Tests regelmäßig. US-Präsident Donald Trump hat einen Militärschlag nicht ausgeschlossen. Am Freitag warnte dagegen US-Verteidigungsminister James Mattis, eine militärische Lösung in Nordkorea wäre „in einem unglaublichen Ausmaß tragisch“. Die USA arbeiteten daher zusammen mit den Vereinten Nationen, China, Japan und Südkorea daran, eine politische Lösung zu finden.

Reaktionen auf neuen Raketentest

Hinweise auf technische Fortschritte – so besorgt sind die G7-Nationen

Reaktionen auf neuen Raketentest: Hinweise auf technische Fortschritte – so besorgt sind die G7-Nationen

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