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03.03.2016

09:51 Uhr

Nordkorea

Pjöngjang schießt (wieder) um sich

Nordkorea wird für die Missachtung des Testverbots von Atomwaffen und Langstreckenraketen mit den schärfsten Uno-Sanktionen seit 20 Jahren belegt – und feuert nur Stunden später Kurzstreckengeschosse ab.

Nordkoreas Staatsoberhaupt sind die Uno-Sanktionen offenbar egal. Reuters

Kim Jong Un

Nordkoreas Staatsoberhaupt sind die Uno-Sanktionen offenbar egal.

New York/ SeoulKurz nach Verabschiedung neuer Uno-Sanktionen gegen Nordkorea hat das kommunistische Land nach Angaben Südkoreas Kurzstreckengeschosse abgefeuert. Die Projektile seien ins Meer gefallen, teilte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul am Donnerstag mit. Eine Erklärung Pjöngjangs lag zunächst nicht vor. Das US-Außenministerium teilte mit, es wisse von den Berichten und beobachte die Lage.

Im Januar hatte Pjöngjang die weltweit stark angezweifelte Zündung einer Wasserstoffbombe gemeldet. Auf den vierten Atomtest folge gut einen Monat später der Start einer Langstreckenrakete.

Mit einer am Mittwoch einstimmig verabschiedeten Resolution reagierte der Uno-Sicherheitsrat auf die fortgesetzte Missachtung des Verbots solcher Tests. Umfassende Import- und Exportverbote sollen nun Entwicklung und Finanzierung des nordkoreanischen Atomprogramms erschweren. Die Führung in Pjöngjang lässt zwar routinemäßig zum Test Raketen abfeuern, verstärkt derartige Aktionen aus Wut über internationale Gegenmaßnahmen.

Wo der Kommunismus noch lebt

Kommunistische Regime der Gegenwart

Vor dem Fall der Sowjetunion gab es zahlreiche Länder mit kommunistischen Regierungen. 2016 verbleiben noch vier, oder - je nach Lesart des nordkoreanischen Regimes - fünf.

Quelle: dpa

China

Mit 1,3 Milliarden Menschen bevölkerungsreichstes Land der Welt. Es hat den Aufstieg zur zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt seiner Abkehr vom kommunistischen Wirtschaftsmodell zu verdanken. Seit den 1980er Jahren verfolgt China eine Politik der Reformen und der Öffnung. Die sozialistische Marktwirtschaft funktioniert nach kapitalistischen Methoden. Die kommunistische Ideologie wird gepflegt, dient aber nur dem Erhalt der Diktatur der Kommunistischen Partei.

Vietnam

Nachbarland Chinas, etwa so groß wie Deutschland ohne Hessen, mit mehr als 3000 Kilometern Küste am Südchinesischen Meer. Rund 94 Millionen Einwohner. Ho Chi Minh gründete die Kommunistische Partei in den 1930er Jahren im Kampf gegen die Kolonialmacht Frankreich. Nach der Niederlage Frankreichs besiegten die Kommunisten auch das US-gestützte Regime in Südvietnam. Seit 1975 regieren sie das vereinigte Land. Seit 1986 gibt es marktwirtschaftliche Reformen.

Kuba

Gut elf Millionen Einwohner, etwa so groß wie einst die DDR. Nach der Revolution von 1959 wandte es sich Anfang der 1960er Jahre zum Kommunismus und suchte bei der Sowjetunion Schutz vor dem kapitalistischen Nachbarn USA, der zuvor großen Einfluss auf der Insel hatte. Bis 2006 regierte Revolutionsführer Fidel Castro (89). Unter Fidels jüngerem Bruder Raúl (84) versucht Kuba seit einigen Jahren mit zaghaften markwirtschaftlichen Reformen, die marode Wirtschaft des Landes anzukurbeln.

Laos

Armes Nachbarland Vietnams ohne Küstenzugang, etwas kleiner als die Bundesrepublik ohne die neuen Bundesländer. Knapp sieben Millionen Einwohner. Laos war Teil des französischen Kolonialgebiets Indochina. Im Vietnamkrieg wurde es zum meist bombardierten Land der Welt. US-Bomber legten weite Teile in Schutt und Asche, weil vietnamesische Kommunisten sich im Grenzgebiet versteckten. Bis heute sind die Böden verseucht. Nach dem Ende des Vietnamkriegs marschierte Vietnam ein und installierte 1975 die kommunistische Regierung.

Nordkorea

Nachbarland Chinas, etwa ein Drittel so groß wie Deutschland, 24 Millionen Einwohner. Die UN werfen der Diktatur gröbste Menschenrechtsverletzungen vor. Nordkorea hat zwar 2009 alle Bezüge zum Kommunismus aus seiner Verfassung gestrichen. Aber die Arbeiterpartei wurde 1945 als Zweig der ehemaligen Kommunistischen Partei gegründet. An der Spitze von Staat, Partei und Armee steht der Machthaber Kim Jong Un; er „erbte“ die Machtposition von seinem Vater. Bereits sein Großvater Kim Il Sung war mit Hilfe Moskaus an die Spitze der Partei gelangt und wird als Staatsgründer verehrt.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul, Moon Sang Gyun, sagte, die Geschosse seien am Donnerstag an der Ostküste Nordkoreas abgefeuert worden. Nun werde geprüft, um welche Projektile es sich handele. Spekuliert werde über Raketen oder Granaten. Ein Militärvertreter sprach von insgesamt sechs abgefeuerten Geschossen, die zwischen 100 und 150 Kilometer weit geflogen seien, ehe sie im Meer gelandet seien.

Der Experte Yang Moo Jin von der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul wertete die Aktion Pjöngjangs als eine „niederschwellige“ Reaktion auf die UN-Sanktionen. Es sei jedoch unwahrscheinlich, dass Nordkorea bis zum wegweisenden Parteitag der regierenden Kommunisten im Mai eine umfangreiche Provokation plane.

Nach verschärften UN-Sanktionen: Nordkorea schießt Kurzstreckenraketen ins Meer

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Nordkorea schießt Kurzstreckenraketen ins Meer

Nordkorea hat laut südkoreanischem Verteidigungsministerium mehrere Kurzstreckenraketen ins Meer vor seine Küste abgefeuert. Erst kurz zuvor verschärfte der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen das kommunistische Land.

Die am Mittwoch verabschiedeten Uno-Maßnahmen gegen Pjöngjang sehen laut Resolution eine zwingende Inspektion aller Fracht vor, die nach und von Nordkorea auf dem See- und Luftweg versandt wird. Nordkorea wurde der Export von Kohle, Eisen und Eisenerz verboten, mit dem das Land seine Atom- und Raketenprogramme finanziert. Das Gleiche gilt für Gold, Titanium, Vanadium und Seltene Erden. Die Ausfuhr von Kraftstoffen für Flugzeuge und Luftverkehr einschließlich Raketentreibstoff nach Nordkorea wird ebenso untersagt.

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