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10.10.2015

08:39 Uhr

Nordkorea

Prunk, Folter und Wirtschaftswachstum

VonStephan Scheuer

Jubelfeier in Nordkorea: Das Regime feiert sich selbst. Die Kommunisten gehen brutal gegen Kritiker vor, lockern aber gleichzeitig ihren Einfluss auf die Wirtschaft. Denn die Macht von Kim Jong Un hängt am Wachstum.

In dem abgeriegelten Land soll sich seit der Machtübernahme Kim Jong Uns (M.) ein zarter Wirtschaftsaufschwung bemerkbar machen. dpa

Nordkorea

In dem abgeriegelten Land soll sich seit der Machtübernahme Kim Jong Uns (M.) ein zarter Wirtschaftsaufschwung bemerkbar machen.

PekingDie Kim-Dynastie ist überall. Kim Il Sung, sein Sohn Kim Jong Il und sein Enkel Kim Jong Un lachen von Plakaten, ihre Statuen zieren Plätze und ihre Bilder hängen in Privathäusern. Der Kim-Clan dominiert das Leben in der abgeschotteten Diktatur Nordkorea und lässt sich mit einer gigantischen und prunkvollen Feier zum 70. Gründungstag der Arbeiterpartei feiern.

Der Menschenrechtsbericht der Bundesregierungen listet willkürliche Verhaftungen, Folter, politische Prozesse und zahlreiche Hinrichtungen in dem Staat auf. Über das Ausmaß der Unterdrückung gibt es nur Schätzungen, verlässliche Daten fehlen.

Ein Geflecht aus kommunistischer Arbeiterpartei, Armee und Geheimdienst herrscht über das Land – gruppiert um den „Obersten Führer“ Kim Jong Un. Aber seit der jüngste Kim seinen gestorbenen Vater im Dezember 2011 abgelöst hat, registrieren Experten immer mehr Hinweise auf einen zaghafte Erholung der Wirtschaft.

Kim verhindert eine politische Öffnung, lockert aber offenbar den Griff auf die Wirtschaft. Seine „Anweisungen vom 28. Juni“ aus dem Jahr 2012 gelten als Grund, warum es in der Landwirtschaft etwas aufwärts ging. Denn Bauern dürfen nun 30 Prozent der Ernte für sich behalten. Der Nordkorea-Experte Andrei Lankov schrieb kürzlich: „Dank des neuen Systems produzieren Nordkoreas Bauern so viele Lebensmittel wie seit 25 Jahren nicht mehr.“

Vergangenes Jahr kündigte Kim die „Maßnahmen vom 30. Mai“ an. Diese Initiative räumt Führungskräften bei Staatsfirmen etwas mehr Spielraum ein. Sie dürfen etwa Produkte zu höheren Preisen verkaufen und müssen nicht mehr auf bürokratische Anweisungen warten.

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In Nordkorea herrscht eine „Jahrhundertdürre“, doch eine Hungersnot wie in den 90ern ist unwahrscheinlich – auch wegen der Reformen von Staatschef Kim Jong-Un. Das Profitstreben der Bauern soll Schlimmeres verhindern.

Der neue Kurs des Regimes zahlt sich aus. Nordkoreas Wirtschaft sei 2014 gewachsen – das vierte Jahr in Folge, schätzt Südkoreas Zentralbank. Das Wachstum habe bei rund einem Prozent gelegen und sich somit leicht verlangsamt. 2013 war das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nach Angaben der Bank of Korea um 1,1 Prozent gestiegen. Das kommunistische Regime in Pjöngjang selbst gibt keine Daten bekannt. Das Hyundai-Forschungsinstitut erwartet für dieses Jahr sogar ein Wachstum von 7,5 Prozent.

Nach Schätzungen von Südkoreas Zentralbank betrug 2014 das jährliche Pro-Kopf-Einkommen in dem wirtschaftlich maroden, aber hochgerüsteten Nachbarland 1100 Euro. Die Bank greift bei den BIP-Berechnungen unter anderem auf Daten von Forschungsinstituten zurück, die sich auf Nordkorea spezialisiert haben.

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