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10.05.2017

16:30 Uhr

Nordkorea

Sicherheitsrisiko Backpacker

VonMichael Verfürden

Die Bundesregierung will ein Hostel in Berlin schließen – weil die Einnahmen in Nordkoreas Atomprogramm fließen. Die Sache ist nur: Am eigentlichen Problem wird Berlin so kaum etwas ändern. Das weiß auch Südkorea.

Angeblich zahlt allein der Hostel-Betreiber jeden Monat 38.000 Euro Miete. Reuters

City Hostel in Berlin

Angeblich zahlt allein der Hostel-Betreiber jeden Monat 38.000 Euro Miete.

Keine andere Metropole ist bei jungen Menschen derzeit so angesagt wie Berlin. Tag für Tag pilgern sie in Scharen in die deutsche Hauptstadt. Und weil sie ihr Geld lieber in den Klubs lassen, wird bei der Unterkunft gespart. Dass man mit günstigen Unterkünften für Rucksacktouren in Berlin viel Geld verdienen kann, weiß auch Nordkorea. Der Staat vermietet seit Jahren ein Hostel auf dem Gelände der nordkoreanischen Botschaft in Berlin-Mitte unter. Für 17 Euro pro Nacht können Jugendliche sich dort in Vier- bis Achtbettzimmern einmieten. Hauptsache billig und zentral.

Was die Gäste nicht ahnen: Mit jeder Buchung unterstützen sie das Regime in Nordkorea. Denn Pjöngjang unterläuft so nicht nur die internationalen Finanzsanktionen, um Deviseneinnahmen zu erwirtschaften. Das Geld fließt auch noch in die Finanzierung des umstrittenen Raketen- und Atomprogramms. Angeblich zahlt allein der Hostel-Betreiber jeden Monat 38.000 Euro Miete. Der Bundesregierung passt das gar nicht. Sie will den Betrieb nun untersagen und zudem ein Kongresszentrum schließen, das sich ebenfalls auf dem Gelände der Botschaft befindet. Nach Informationen von NDR, WDR und „Süddeutscher Zeitung“ drohen den Pächtern Bußgelder, wenn sie ihre Verträge mit Nordkorea nicht beenden. Der Staatssekretär im Auswärtigen Amt, Markus Ederer, hofft, dass die Bundesregierung Nordkorea so zurück zu den Verhandlungen über sein Atomprogramm bringen kann.

Die Sache ist nur: Nordkorea wird sein Atomprogramm um keinen Preis aufgeben. Weder die verhängten Wirtschaftssanktionen noch die militärischen Drohgebärden der USA brachten Pjöngjang dazu, von seinem Kurs abzuweichen. Und ein geschlossenes Hostel wird daran auch nichts ändern. Südkoreas neuer Präsident Moon Jae sieht das offenbar genauso. Er will künftig den Dialog mit Pjöngjang suchen und den Amerikanern häufiger widersprechen. Die internationale Gemeinschaft könnte sich daran ein Beispiel nehmen – und endlich lernen, mit dem Unvermeidbaren umzugehen.

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