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06.01.2016

16:41 Uhr

Nordkorea und Atomwaffen

Der Süden zweifelt an Kim Jong Uns Wasserstoffbombe

Nordkorea hat gemeldet, erstmals eins Wasserstoffbombe getestet zu haben. Das kommunistische Regime feiert es als Meilenstein, für den Rest der Welt ist es ein Schock. Im Nachbarland kommen allerdings Zweifel auf.

Nordkorea testet Wasserstoffbombe

„Wir werden das Atomprogramm nicht aufgeben“

Nordkorea testet Wasserstoffbombe: „Wir werden das Atomprogramm nicht aufgeben“

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Seoul/Brüssel/BerlinNach der Verkündung des Tests einer Wasserstoffbombe durch Nordkorea planen die Vereinten Nationen nach Angaben Großbritanniens eine Verschärfung der Sanktionen gegen Pjöngjang.„Wir werden mit anderen an einer Resolution über weitere Sanktionen arbeiten“, sagte der britische UN-Botschafter Matthew Rycroft am Mittwoch vor Journalisten in New York. Um 17.00 Uhr MEZ kommt der UN-Sicherheitsrat zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen.

Nordkorea hatte am Mittwoch den "erfolgreichen" Test eine Wasserstoffbombe vermeldet. Damit gehöre Nordkorea ab sofort zum Kreis der Länder mit fortgeschrittener Kernwaffentechnik, verkündete ein Nachrichtensprecher im staatlichen Fernsehen.

Das international weitgehend isolierte Nordkorea hatte bereits in den Jahren 2006, 2009 und 2013 Atomwaffentests vorgenommen und damit jedes Mal internationale Empörung ausgelöst. Der UN-Sicherheitsrat verschärfte nach jedem Test die Sanktionen gegen das kommunistische Land.

Das Militär und der Geheimdienst in Südkorea zweifeln allerdings stark an den Angaben Nordkoreas. Militärexperten halten es für unwahrscheinlich, dass Nordkorea eine voll entwickelte Wasserstoffbombe (H-Bombe) gezündet habe, wie ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Seoul am Mittwoch mitteilte. Die Stärke der Explosion in Nordkorea sei dafür zu schwach gewesen.

Südkoreanische Militärs sprachen zwar von einem Atomtest. Doch sei die Explosion im Nordosten von Nordkorea wohl kleiner gewesen als beim Test einer herkömmlichen Atombombe vor drei Jahren, zitierte der Fernsehsender Arirang einen Vertreter der Streitkräfte. Die Explosionskraft einer Wasserstoffbombe sei um das Hundert- oder Tausendfache größer.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Beim jüngsten Atomtest in Nordkorea sei vermutlich eine Sprengkraft von sechs Kilotonnen erreicht worden, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap ebenfalls einen Militärvertreter. Die Sprengkraft von bisher getesteten Wasserstoffbomben habe dagegen 20 bis 50 Megatonnen erreicht.

Zuvor hatte schon Südkoreas Geheimdienst vor Abgeordneten Zweifel an Nordkoreas Angaben geäußert. Es sei möglich, dass das künstliche erzeugte Erdbeben nicht von einer H-Bombe ausgelöst worden sei, sagte Yonhap zufolge ein Abgeordneter der Regierungspartei Saenuri. Nach Einschätzung des Geheimdienstes handelte es sich eher um eine Atombombe. Wasserstoffbomben sind zerstörerischer als Atombomben, jedoch viel schwieriger herzustellen. Die Anrainerländer wie China, Japan und Südkorea reagierten empört. Sollte sich ein neuer Atomtest bestätigen, dürften weitere, schärfere internationale Sanktionen gegen Pjöngjang folgen.

Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hat den von Nordkorea bekannt gegebenen Test auf das Schärfste verurteilt. Nordkorea habe damit erneut Resolutionen des UN-Sicherheitsrats verletzt und sich gegen „die Grundsätze der Völkergemeinschaft“ gestellt, erklärte Steinmeier am Mittwoch in Berlin. Die Regierung in Pjöngjang gefährde mit ihrem Verhalten zudem die regionale und internationale Sicherheit.

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„Das nordkoreanische Atomprogramm und die wiederholten Atomtests sind ernste Bedrohungen für Frieden und Stabilität auf der koreanischen Halbinsel und ein Angriff auf das weltweite Regime der Nichtverbreitung“, erklärte Steinmeier. Die Bundesregierung forderte Nordkorea daher nachdrücklich auf, sich entsprechend der UN-Resolutionen zu verhalten und zum Verhandlungstisch zurückzukehren. Die internationale Gemeinschaft müsse „entschlossen und deutlich“ auf das Verhalten Nordkoreas reagieren.

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin kündigte an, dass eine Einbestellung des nordkoreanischen Botschafters geplant sei. Dies werde voraussichtlich noch am Mittwochnachmittag erfolgen. „Das bisherige Verhalten Nordkoreas zeigt, dass es null Bereitschaft von Seiten Pjöngjangs gibt, sich der klaren Haltung der Völkergemeinschaft unterzuordnen“, sagte der Sprecher.

Zugleich lobte er die Reaktion Chinas, des traditionellen Verbündeten Nordkoreas. Es sei „ganz bemerkenswert, dass auch offizielle Vertreter Chinas sich sehr früh in aller Deutlichkeit zur Verletzung von Resolutionen des Sicherheitsrats geäußert haben“, sagte der Sprecher. Dies wecke „Hoffnungen, dass doch sehr zügig eine geeignete Reaktion der Staatengemeinschaft“ möglich sei. Es sei nicht auszuschließen, dass „die Schraube noch weiter angezogen“ werde. Denkbar seien neue Sanktionen des UN-Sicherheitsrates.

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