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03.02.2016

10:34 Uhr

Nordkorea und der Raketenstart

Die Täuschungsmanöver des Kim Jong Un

Pjöngjang hat einen Raketenstart für Februar angekündigt. Japan und Südkorea sind alarmiert. Zwar verfolgen ausländische Experten die Aktivitäten in Nordkorea genau – doch das Regime schlägt ihnen einige Schnippchen.

Nordkoreas Machthaber hatte die Staatengemeinschaft erst Anfang Januar mit einem Atombombentest provoziert. Reuters

Kim Jong Un

Nordkoreas Machthaber hatte die Staatengemeinschaft erst Anfang Januar mit einem Atombombentest provoziert.

Seoul, TokioHat Nordkorea tatsächlich – wie vom Regime behauptet – Anfang Januar eine Wasserstoffbombe gezündet? Darüber sind sich Experten auch Wochen später nicht einig. Und schon kündigt Nordkorea einen Raketenstart an. Zwischen dem 8. und 25. Februar werde ein Beobachtungssatellit ins All geschickt, ließ Pjöngjang nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) wissen.

Japan und Südkorea forderten prompt Nordkorea auf, seine Raketenpläne aufzugeben. Diese seien ein „ernsthafter Bruch“ von Uno-Resolutionen und eine „direkte Herausforderung“ der internationalen Gemeinschaft, erklärte die südkoreanische Regierung am Mittwoch.

Japans Ministerpräsident Shinzo Abe sprach von einer „ernsthaften Provokation“. Der Verteidigungsminister erteilte den Streitkräften den Befehl, die Rakete zu „zerstören“, sollte sie auf japanischen Boden zu fallen drohen. Japan, das keine diplomatischen Beziehungen zu Pjöngjang unterhält, habe Nordkorea über diplomatische Kanäle seinen Protest übermittelt, sagte der japanische Außenminister Fumio Kishida.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Gerüchte über den Start einer Langstreckenrakete gab es schon länger, aber keine Beweise, denn Nordkorea verschleiert seine Aktivitäten inzwischen besser. Unter anderem der Bau einer neuen, größeren Abschussrampe, der auf Bildern kommerzieller Satelliten zu erkennen ist, deutete darauf hin, dass es sich bei dem Träger um eine überarbeitete Version des Raketentyps Unha-3 handeln könnte. Eine solche Rakete hatte 2012 von Sohae aus den ersten nordkoreanischen Satelliten in eine Umlaufbahn der Erde gebracht.

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