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16.02.2015

09:49 Uhr

Nordkorea und sein Ex-Staatschef

Nordkorea feiert Geburtstag von Kim Jong Il

Zum 74. Geburtstag des verstorbenen Machthabers gab's Feuerwerke und Beförderungen für hohe Militärs: Nordkorea feiert seinen Ex-Staatschef Kim Jong Il. Ein wirtschaftliches Geschenk will sich der Staat selbst machen.

Offiziell geladene Gäste feiern in der nordkoreanischen Hauptstadt den 74. Geburtstag des verstorbenen Staatschefs Kim Jong Il. dpa

Große Feier in Pjöngjang

Offiziell geladene Gäste feiern in der nordkoreanischen Hauptstadt den 74. Geburtstag des verstorbenen Staatschefs Kim Jong Il.

SeoulMit ausgedehnten Feuerwerken ist in Nordkorea der Geburtstag des verstorbenen Staatschefs Kim Jong Il gefeiert worden. Wie die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Montag meldete, besuchte der derzeitige Machthaber Kim Jong Un um Mitternacht das Mausoleum, in dem der einbalsamierte Leichnam seines Vaters aufgebahrt ist.

Bereits am Sonntag versammelten sich tausende ranghohe Militärs und Parteikader in einer Festhalle in Pjöngjang, um Kim Jong Il zu ehren und seinem Sohn die Treue zu schwören. Dutzende ranghohe Offiziere wurden aus Anlass des Jubiläums befördert.

Nordkoreas Verbündete

China

Die Volksrepublik ist mit Abstand Nordkoreas größter Exportpartner. Nicht in den Statistiken tauchen umfangreiche Nahrungsmittel- und Energiehilfen auf. Peking hat mehr Einfluss auf Pjöngjang als jeder andere Staat. Allerdings hat auch China Nordkoreas dritten Atomtest verurteilt und den jüngsten Sanktionen des UN-Sicherheitsrats zugestimmt - das zeigt die Verärgerung über den jungen Machthaber Kim Jong Un.

Als Gastgeber organisierte Peking mehrere Runden der Sechs-Parteien-Gespräche zwischen Nordkorea, China, den USA, Südkorea, Japan und Russland. Für ein Ende des Atomwaffenprogramms standen diplomatische Zugeständnisse und Wirtschaftshilfen in Aussicht. Doch Nordkorea ließ die Verhandlungen 2009 platzen und setzt bis heute allein auf Konfrontation.

Iran

Nordkorea ist seit Jahren ein wichtiger Waffenlieferant für Teheran. Nach Angaben der Vereinten Nationen exportierte Pjöngjang auch für Atom-Sprengköpfe geeignete Raketen in den Iran. 2012 vereinbarten das Mullah-Regime und die kommunistische Diktatur eine noch engere Zusammenarbeit. Zu diesem Zweck unterzeichneten Vertreter beider Länder mehrere Kooperationsabkommen im Technologiebereich. Konkret geht es um Energie, Umwelt, Landwirtschaft und Lebensmittel, eine engere Zusammenarbeit bei der Forschung sowie um Austauschprogramme für Studenten.

Russland

Pjöngjang steht in Moskau noch aus sowjetischer Zeit mit rund elf Milliarden US-Dollar in der Kreide. Das Verhältnis der einst engen Verbündeten hat sich in den vergangenen Jahren deutlich abgekühlt. Noch im Sommer 2011 wollten der damalige Kremlchef Dmitri Medwedew und der bereits von Krankheit geschwächte nordkoreanische Machthaber Kim Jong Il neuen Schwung in die Beziehungen bringen. Sie kündeten zahlreiche gemeinsame Projekte an, doch blieb es meist bei Absichtserklärungen. So scheiterte auch der Bau einer Pipeline, die russisches Erdgas über nordkoreanisches Gebiet nach Südkorea transportieren sollte.

Kuba

Nordkorea und Kuba kooperieren unter anderem in den Bereichen Energie, Landwirtschaft und Biotechnologie. Seit 1960 gibt es diplomatische Beziehungen zwischen Havanna und Pjöngjang. Auf den Tod des „Genossen Kim Jong Il“ im Dezember 2011 reagierte Kubas Regierung mit einer dreitägigen Staatstrauer.

Die Geburtstagsfeiern für Kim Jong Il stehen in Nordkorea unter dem Motto „Der Tag des strahlenden Sterns". Kim Jong Il hatte 17 Jahre lang in dem streng abgeschotteten, stalinistischen Land regiert. Er starb im Dezember 2011 im Alter von 69 Jahren. Auch der Geburtstag von Kim Jong Ils Vater Kim Il Song wird in dem Land alljährlich mit großem Aufwand gefeiert. Die Kim-Dynastie regiert in Nordkorea seit fast sieben Jahrzehnten.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch nutzte das Jubiläum für scharfe Kritik an Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen in Nordkorea. In die Zeit von Kim Jong Ils Herrschaft falle eine der schlimmsten Hungersnöte in der Geschichte des Landes, erklärte die Organisation. Kim sei auch verantwortlich für systematische Menschenrechtsverstöße gegen sein eigenes Volk.

Das abgeschottete und verarmte Nordkorea versucht seit einiger Zeit, den Tourismus als alternative Einnahmequelle zu seiner maroden Industrie zu erschließen. Viele Projekte zielen in erster Linie auf Chinesen ab, für die Nordkorea ein günstiges Reiseziel ist. China ist Nordkoreas wichtigster diplomatischer und wirtschaftlicher Partner. Drei nordkoreanische Atomtests sowie Säbelgerassel haben die Beziehungen in den vergangenen Jahren jedoch auf eine Belastungsprobe gestellt.

Nun plant, wie vergangene Woche bekannt wurde, China eine internationale Tourismuszone im Grenzgebiet zu Nordkorea und Russland. Besucher sollen ohne Visum Zugang zu dem Dreiländereck erhalten und dort auch zollfrei einkaufen können, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag unter Berufung auf Regierungsvertreter.

Der Gouverneur der nordöstlichen Provinz Jilin werde noch in diesem Jahr einen Entwurf für das Reisegebiet am Fluss Tumen entwerfen. Langfristig soll die Tourismuszone auch von Südkorea, Japan und der Mongolei per Auto, Bahn oder Flugzeug erreichbar sein.

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