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08.02.2016

10:47 Uhr

Nordkorea

USA fordern Abwehrsystem gegen Kims Raketen

Wie regieren die Großmächte auf Nordkoreas Raketenstart? Die USA wollen „noch nie da gewesene Sanktionen“ gegen das Regime durchsetzen – und den schnellen Aufbau eines Raketenabwehrsystems.

Machthaber Kim Jong Un lässt sich über den erfolgreichen Raketenstart feiern. ap

Kim Jong Un

Machthaber Kim Jong Un lässt sich über den erfolgreichen Raketenstart feiern.

WashingtonDer Start einer Langstreckenrakete in Nordkorea könnte nach Einschätzung von Militärexperten den Aufbau eines US-Raketenabwehrsystems in Asien beschleunigen. Die USA und Südkorea erklärten, sie würden so schnell wie möglich formelle Gespräche über die Stationierung des Abwehrsystems THAAD (Terminal High Altitude Area Defense) auf der koreanischen Halbinsel beginnen.

Das nordkoreanische Staatsfernsehen hatte berichtet, mit der Rakete sei ein Satellit ins All gebracht worden. Die USA und ihre Verbündeten betrachten den Start jedoch als Teil der Entwicklung ballistischer Raketen, die Atomwaffen über große Entfernungen transportieren können.

Daher forderten die USA auch „noch nie da gewesene Sanktionen“ gegen Pjöngjang an. Die amerikanische Uno-Botschafterin Samantha Power sagte am Sonntag, dies sollte sehr schnell geschehen und Maßnahmen enthalten, mit denen der nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un nicht rechne.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Chinas Uno-Botschafter Liu Jieyi sagte allerdings, die angekündigte Resolution sollte Spannungen reduzieren und Nordkorea mit diplomatischen Mitteln dazu bringen, auf sein Atomwaffenprogramm zu verzichten. Die USA und China arbeiten seit dem jüngsten nordkoreanischen Atomwaffentest vom 6. Januar an einer weiteren Nordkorearesolution.

Das höchste Uno-Gremium hat dem kommunistischen Land bereits seit Jahren Atomwaffentests und die Entwicklung ballistischer Raketentechnologie untersagt. Mit ballistischen Raketen könnten nordkoreanische Atomwaffen beispielsweise auch die USA erreichen.

Ein Abwehrsystem gegen nordkoreanische Raketen ist daher schon länger im Gespräch. Bislang hat Südkorea aber eine breite Debatte darüber vermieden, um seinen wichtigsten Handelspartner China nicht zu verärgern. Die Regierung in China reagierte auch prompt auf die neue Diskussion. Sie sei besorgt darüber, dass ein System aufgebaut werden könnte, dessen Radar in chinesisches Hoheitsgebiet eindringe.

Kim Jong Un: Sicherheitsrat verurteilt Nordkoreas Raketenstart

Kim Jong Un

Sicherheitsrat verurteilt Nordkoreas Raketenstart

Der Uno-Sicherheitsrat hat den neuen Raketenstart Nordkoreas scharf verurteilt. Das Gremium bereitet eine weitere Resolution gegen das kommunistische Land vor. Einen Termin für die neue Resolution gibt es noch nicht.

Wenn ein Land sich um seine eigene Sicherheit kümmere, sollte es nicht die Sicherheitsinteressen anderer Länder beeinträchtigen, erklärte das Außenministerium am Montag. In der englischsprachigen chinesischen Zeitung „Global Times“ hieß es, wenn THAAD erst einmal installiert worden sei, würden auch chinesische Raketen zum Ziel werden. Das würde die Sicherheitsinteressen Chinas verletzen.

Unterdessen kam es zu einem weiteren Zwischenfall im Grenzgebiet von Nord- und Südkorea. Ein Schiff der südkoreanischen Marine vertrieb mit Warnschüssen ein nordkoreanisches Patrouillenboot. Dieses hatte eine Grenzlinie nahe der Socheongdo-Insel verletzt, die nach dem Koreakrieg 1953 festgelegt, von Nordkorea aber nie akzeptiert wurde.

Nordkoreas Raketenstart alarmiert die Staatengemeinschaft

Video: Nordkoreas Raketenstart alarmiert die Staatengemeinschaft

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