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13.05.2018

10:35 Uhr

Nordkorea-USA-Gipfel

Diplomatische Offenheit macht Singapur zum idealen Gipfel-Ort

Die Zusammenkunft von Donald Trump und Kim Jong-Un dürfte das bedeutendste Treffen des Jahres werden. Singapur ist dafür der perfekte Gastgeber.

Die Skyline des Bankenviertels in Singapur. Die Stadt hat sich zufrieden über die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geäußert, ihren Gipfel in dem südostasiatischen Stadtstaat abzuhalten. dpa

Singapur

Die Skyline des Bankenviertels in Singapur. Die Stadt hat sich zufrieden über die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump und Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un geäußert, ihren Gipfel in dem südostasiatischen Stadtstaat abzuhalten.

SingapurEuropa wäre für die veralteten Flugzeuge Nordkoreas zu weit weg gewesen. Die „demilitarisierte Zone“ hätte als zu großes Entgegenkommen gegenüber dem Diktator ausgelegt werden können. Mit Singapur dagegen können beide Seiten gut leben. Mit internationalen Gipfel-Treffen hat der Stadtstaat bereits jede Menge Erfahrung. Die Sicherheitslage könnte kaum besser sein. Auch größere Proteste der einen oder anderen Art sind nahezu ausgeschlossen.

Die asiatische Metropole sei „ein großartiger Standort“ für den Anlass, sagt Tom Plant, Experte für Sicherheitspolitik am Royal United Services Institute in London. Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un werde sich dort „nicht auf feindlichem Gebiet“ befinden, sondern in einem Land, zu dem sein Regime seit Jahren diplomatische Beziehungen pflege. „Trotzdem wird es für ihn kein Heimspiel.“ Und das wiederum dürfte für Washington eine wichtige Voraussetzung gewesen sein.

Per Twitter gab US-Präsident Donald Trump am Donnerstag bekannt, dass das historische Treffen zwischen ihm und Kim am 12. Juni in Singapur stattfinden werde. Rückblickend erscheint die Wahl geradezu naheliegend. Der Stadtstaat zählt zu den wichtigsten Verbündeten der USA in der Region. Gleichzeitig hat auch Nordkorea inmitten des dortigen Bankenviertels eine Botschaft, die vor Ort in die Vorbereitungen eingebunden werden kann.

Was auch nicht zu unterschätzen ist: Singapur gilt als eines der stabilsten Länder überhaupt. Seit der Unabhängigkeit im Jahr 1965 sorgt ein Einparteiensystem für Ordnung und Sicherheit. Obwohl die Millionenstadt zwischen den beiden muslimischen Staaten Malaysia und Indonesien liegt, in denen auch Sympathisanten der Terrormiliz IS leben, wird die Bedrohungslage als sehr gering eingestuft.

Menschenrechtler und Bürgerrechtsgruppen kritisieren oft die Eingriffe der singapurischen Behörden in grundlegende Freiheiten. So kann die Polizei Verdächtige ohne Anklage oder Haftbefehl praktisch jederzeit in Sicherungsverwahrung nehmen. Private Kommunikation kann ohne richterliche Anordnung überwacht werden. Kritik an der Regierung wird mit scharfen Gesetzen fast unmöglich gemacht; die Versammlungsfreiheit ist stark eingeschränkt. Für die Veranstalter des Gipfels dürfte all dies jedoch kein Nachteil sein.

Zwischen Pjöngjang und Singapur bestehen nicht nur schon seit 1975 diplomatische Kontakte. Lange konnten nordkoreanische Unternehmen über den Stadtstaat auch etliche legale wie illegale Geschäfte abwickeln. Erst nach erheblichem Druck vonseiten der USA erklärte sich die Regierung 2017 bereit, sich den internationalen Sanktionen anzuschließen und die Handelsbeziehungen zu Nordkorea offiziell abzubrechen.

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Die Botschaft Pjöngjangs ist aber noch in Betrieb – und auf die dürfte in den kommenden Wochen einiges an Arbeit zukommen. „Die nordkoreanische Seite wird im Hinblick auf den Rahmen des Gipfels wohl eine ganze Reihe logistischer und protokollarischer Anforderungen haben“, sagt der Südostasien-Experte Malcolm Cook von dem in Singapur ansässigen Institut ISEAS-Yusof Ishak. Daher sei das Vorhandensein einer Botschaft bei der Wahl des Standorts für das Treffen vermutlich eine Voraussetzung gewesen.

Die Entfernung zwischen Singapur und Pjöngjang beträgt knapp 5.000 Kilometer. Die Flugzeuge Nordkoreas können die Stadt damit gut erreichen. „Singapur ist weder so weit weg wie europäische Länder, so dass Kim Jong Un seinen Privatjet nehmen kann, ohne einen Tankstopp einlegen zu müssen, noch so nah, dass Trump es als „Eingeständnis“ hätte empfinden können, selbst weiter reisen zu müssen als Kim“, sagt Nah Liang Tuang vom Institute of Defence and Strategic Studies in der asiatischen Metropole.

David Adelman, der einst als US-Botschafter nach Singapur entsandt war, bezeichnet die Stadt als „aufrichtigen Vermittler zwischen Ost und West“. „Singapur war immer ein großer Freund der USA, aber sie haben sich stets bemüht, mit allen gut zurecht zu kommen, womit sie sich in den Hauptstädten der Welt viel Vertrauten erworben haben“, sagt der Diplomat.

Schon im Jahr 2015 war Singapur Gastgeber eines historischen Gipfels – dem zwischen dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping und dem damaligen Präsidenten Taiwans, Ma Ying-jeou. Es war das erste Treffen von Staatschefs der beiden Länder seit 1949. Seit 2002 findet in Singapur zudem jedes Jahr die wohl wichtigste Sicherheitskonferenz Asiens statt; mehrfach wurden in der Metropole darüber hinaus auch Gipfel-Treffen der Asean-Staaten abgehalten.

Für die örtlichen Sicherheitskräfte sind derartige Veranstaltungen also fast schon Routine. Meist werden ganze Straßenzüge für die Öffentlichkeit komplett gesperrt. Demonstrationen sind nur in einem einzigen winzigen Park erlaubt. Selbst wenn es welche gibt, bekommen die Staatsgäste in aller Regel also nichts davon mit - Störungen des Ablaufs sind kaum zu befürchten.

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