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02.02.2016

20:10 Uhr

Nordkorea

USA warnen Pjöngjang vor Raketenstart

Während die UN noch nach einer Antwort auf den nordkoreanischen Atomtest suchen, plant Pjöngjang schon die nächste Demonstration seiner Macht. Noch diesen Monat will das Land eine Weltraumrakete starten.

Die USA befürchten, dass Nordkorea seinem Ziel immer näher kommt, Atomwaffen zu bauen, die klein genug sind, um sie auf Langstreckenraketen zu montieren. dpa

Nordkoreas Diktator Kim Jong Un

Die USA befürchten, dass Nordkorea seinem Ziel immer näher kommt, Atomwaffen zu bauen, die klein genug sind, um sie auf Langstreckenraketen zu montieren.

Washington/SeoulNach einem weltweit kritisierten Atomtest im Januar will Nordkorea diesen Monat erneut eine Rakete mit einem Satelliten starten. Das Land habe drei UN-Organisationen über die Startpläne informiert, sagte UN-Sprecher Farhan Haq am Dienstag in New York: die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO), die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) sowie die Internationale Fernmeldeunion (ITU). Der „Erdbeobachtungssatellit“ solle zwischen dem 8. und 25. Februar starten.

Der Start einer neuen nordkoreanischen Weltraumrakete würde die ohnehin gespannte Situation in der Region verschärfen. Der vierte Atomtest Nordkoreas am 6. Januar hatte erneut weltweit Empörung ausgelöst. Im UN-Sicherheitsrat wird derzeit über neue Sanktionen gegen das weithin isolierte Regime von Machthaber Kim Jong Un diskutiert. Das Atom- und Raketenprogramm des Landes wird in der Region und darüber hinaus als Bedrohung gesehen.

Der Satellit werde zwischen dem 8. und 25. Februar zwischen 7.00 Uhr morgens und Mittag (Ortszeit) ins All befördert, zitierte die japanische Nachrichtenagentur Kyodo einen Regierungsbeamten. Der Satellit werde eine vierjährige Betriebsdauer haben.

Nordkorea und seine Rakete

Was deutet auf einen bevorstehenden Test hin?

Das südkoreanische Verteidigungsministerium hat Geheimdienstberichte bestätigt, wonach Nordkorea mindestens eine Mittelstreckenrakete mit dem Zug an die Ostküste des Landes transportiert habe. Die Rakete wurde demnach bereits auf eine mobile Abschussvorrichtung montiert. Südkoreanische Medien berichteten, dass zwei Raketen an die Küste gebracht wurden.

Um was für Raketen handelt es sich?

Dazu äußerte sich das südkoreanische Verteidigungsministerium nicht genau. Es sprach lediglich von einer Mittelstreckenrakete mit "erheblicher Reichweite". Südkoreanische Medien berichteten unter Berufung auf Militär- und Regierungsvertreter, es handele sich um Raketen des Typs Mudusan.

Was ist über die Mudusan-Rakete bekannt?

Dieser Raketentyp wurde erstmals im Oktober 2010 bei einer Militärparade in Pjöngjang präsentiert. Die Sicherheitsberatungsfirma IHS Jane's ist der Ansicht, dass es sich um eine Mittelstreckenrakete mit einem einzelnen Sprengkopf handelt, die auf der Straße transportiert werden kann und mit flüssigem Treibstoff betrieben wird. Sie basiere auf der russischen R-27 und nutze auch Technik von Raketen des Typs Scud.

Welche Reichweite und Tragfähigkeit hat die Rakete?

Den Sicherheitsexperten zufolge kann die Rakete 2500 bis 4000 Kilometer weit fliegen. Damit könnte sie von Nordkorea aus mindestens Südkorea und Japan erreichen, möglicherweise aber auch US-Militärstützpunkte auf der Pazifikinsel Guam.

Kann die Rakete Nuklearsprengköpfe transportieren?

Das ist theoretisch möglich. Die meisten Experten sind allerdings der Ansicht, dass Nordkorea bislang nicht über die nötige Technologie verfügt, um Nuklearsprengköpfe auf Raketen zu montieren.

Gibt es Experten, die diesen Beschreibungen widersprechen?

Ja, und zwar zwei deutsche Experten. Markus Schiller und Robert Schmucker aus München sind der Ansicht, dass es die Mudusan-Rakete gar nicht gibt. Das im Oktober 2012 vorgeführte Modell sei lediglich eine Attrappe gewesen. Zwar sei ein Raketentest durchaus vorstellbar, meinen die beiden Experten. Doch dann würde höchstwahrscheinlich ein ausländisches Modell verwendet und kein in Nordkorea hergestelltes.

China schickte unterdessen laut Kyodo seinen Sonderbeauftragten für die koreanische Halbinsel nach Nordkorea. „Wir beobachten die Entwicklungen genau und stehen in engem Kontakt mit den Beteiligten und internationalen Organisationen“, sagte UN-Sprecher Haq.

Zuletzt hatten Experten des US-Korea-Instituts an der Johns-Hopkins-Universität in den USA berichtet, dass es Hinweise auf erste Vorbereitungen für einen neuen Raketenstart in Nordkorea gebe. Das gehe aus Satellitenbildern von der Raketen-Startanlage in Sohae an der Westküste hervor. Nordkorea hatte dort Ende 2012 eine Weltraumrakete gestartet und behauptet, einen Satelliten ins All gebracht zu haben.

Die USA haben Nordkorea indes davor gewarnt, in diesem Monat wie angekündigt einen Satelliten ins All zu schicken. Dies wäre eine eklatante Verletzung der internationalen Verpflichtungen des asiatischen Landes, sagte der zuständige Außenamts-Staatssekretär Daniel Russel am Dienstag. Die Pläne zeigten einmal mehr, dass die UN-Sanktionen gegen Nordkorea verschärft werden müssten.

Pjöngjangs Weg zur Wasserstoffbombe

2002

Oktober: Washington wirf Pjöngjang vor, insgeheim waffenfähiges Uran zu produzieren und damit gegen das atomare Abrüstungsabkommen von 1994 zu verstoßen.
Dezember: Nordkorea enthüllt seinen Reaktor Yongbyon, in dem Plutonium hergestellt wird, und wirft die Inspekteure der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA aus dem Land.

2003

Januar: Der kommunistische Staat kündigt den Atomwaffensperrvertrag auf.
August: Die sogenannte Sechsergruppe aus Nord- und Südkorea, den USA, China, Russland und Japan trifft sich zu ersten Verhandlungen über den Atomkonflikt.
Oktober: Die UNO verhängt Wirtschafts- und Handelssanktionen gegen Nordkorea.

2005

Februar: Pjöngjang verkündet, Atomwaffen zu Verteidigungszwecken gebaut zu haben.
September: Pjöngjang akzeptiert den Stopp seines Atomprogramms und die Rückkehr zum Atomwaffensperrvertrag, bekommt im Gegenzug Sicherheitsgarantien und die Zusage von Energielieferungen.
November: Eine weitere Verhandlungsrunde scheitert am Widerstand der USA, eingefrorene Konten Nordkoreas in Macau freizugeben.

2006

Oktober: Erster nordkoreanischer Atomwaffentest

2007

Februar: Pjöngjang verspricht ein Mal mehr die Aufgabe seines Atomwaffenprogramms und will wieder IAEA-Inspekteure ins Land lassen - im Gegenzug für eine Million Tonnen Treibstoff und die Streichung von der US-Liste der Terror-Staaten.
Juni und Juli: Die Treibstofflieferungen werden aufgenommen, die IAEA-Kontrolleure bescheinigen Pjöngjang, den Reaktorkomplex in Yongbyon dichtgemacht zu haben.
Oktober: Der kommunistische Staat verspricht, sein komplettes Atomprogramm bis Ende des Jahres zurückzufahren.

2009

April: Nordkorea testet eine Langstreckenrakete. Der UN-Sicherheitsrat verschärft daraufhin die Sanktionen. Pjöngjang verlässt die Sechsergruppe, verkündete die Wiederaufnahme seines Atomprogramms und beendet die Zusammenarbeit mit der IAEA.
Mai: Nordkorea verkündet einen zweiten „erfolgreichen“ unterirdischen Atomwaffentest.

2013

Januar: Nach einem weiteren Raketentest verschärft die UNO ein weiteres Mal die Sanktionen.

Februar: Dritter Atomwaffentest, diesmal mit einem Mini-Sprengsatz.

August: Einem Satellitenfoto zufolge hat Nordkorea nach sechs Jahren seine Atomanlage Yongbyon wieder hochgefahren, die wichtigste Quelle für waffenfähiges Plutonium.

2015

Mai: Pjöngjang verkündet die Fähigkeit, Mini-Atomwaffen zu produzieren, eine entscheidende Etappe auf dem Weg zu Atomsprengköpfen für Raketen.
Dezember: Machthaber Kim Jong Un lässt durchblicken, sein Land habe eine Wasserstoffbombe entwickelt.

2016

Januar: Pjöngjang verkündet einen ersten Test mit einer Wasserstoffbombe.

Die USA warfen dem Land vor, einen verdeckten Test für atomar bestückbare Interkontinentalraketen unternommen zu haben. Die USA befürchten, dass Nordkorea seinem Ziel immer näher kommt, Atomwaffen zu bauen, die klein genug sind, um sie auf Langstreckenraketen zu montieren.

Der chinesische Chefunterhändler im Atomstreit mit Nordkorea, Wu Dawei, sei am Dienstag in Nordkorea eingetroffen, berichtete Kyodo aus Pjöngjang. Zum Zweck seines Besuchs gab es zunächst keine Einzelheiten. In Südkorea wurde spekuliert, dass die Folgen des Atomtests das Hauptthema sein dürften.

Die USA und Südkorea haben China in den vergangenen Wochen aufgerufen, sich härteren internationalen Sanktionen gegen Pjöngjang anzuschließen. China hatte den neuen Atomtest von Nordkorea deutlich kritisiert und seinen traditionellen Verbündeten aufgefordert, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

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