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08.05.2016

16:03 Uhr

Nordkorea

Warum Flüchtlinge den gottgleichen Kim vermissen

So schlimm die Lebensverhältnisse in Nordkorea auch sind – viele Flüchtlinge vermissen ihr Vaterland. Im Ausland leben sie oft in der Illegalität, sind selten integriert. Ein Problem macht ihnen besonders zu schaffen.

Viele nordkoreanische Flüchtlinge sprechen laut einer Umfrage der Führung in Pjöngjang auch positive Züge zu. Reuters

Kim Jong Un

Viele nordkoreanische Flüchtlinge sprechen laut einer Umfrage der Führung in Pjöngjang auch positive Züge zu.

IncheonWeiten Teilen der Welt erscheint Nordkorea als stalinistischer Alptraum, als riesiges Gefängnis, in dem die Menschen Hunger leiden. Doch für Zehntausende Menschen in Südkorea und China ist das Bild komplizierter: Sie kämpfen mit ihren Erinnerungen. Für sie ist Nordkorea das Land, das sie zurückließen, ihre Heimat. Und obwohl ihnen vieles dort verhasst ist, verspüren sie zugleich eine tiefe Sehnsucht danach.

Sie vermissen Angehörige, Freunde und die engen nachbarschaftlichen Beziehungen in einer Welt mit nur wenigen Freizeitmöglichkeiten. Sie vermissen den Tanz zu Akkordeonmusik in öffentlichen Parks an freien Tagen oder das typische fettige Essen an Straßenständen. Und manchmal vermissen sie sogar die drei Generationen von Machthabern – Kim Il Sung, Kim Jong Il und aktuell Kim Jong Un –, die das Land seit fast 70 Jahren beherrschen.

„Ich denke die ganze Zeit an die Leute, die ich dort kannte“, sagt ein früherer Bergmann, der täglich mindestens zwölf Stunden lang als Manager eines Lebensmittelladens in Seoul arbeitet. Er verließ Nordkorea vor zehn Jahren mit seiner Familie. „Immer, wenn wir zusammen sind und ein gutes Mahl essen, denken wir an diese Leute.“

Mehr als 27.000 nordkoreanische Flüchtlinge leben in Südkorea. Tausende weitere leben im Untergrund in China. Häufig üben sie niedere Tätigkeiten bei schlechter Bezahlung aus.

Der Ladenmanager vermisst seine Geschwister und die Nichten und Neffen, die er vielleicht niemals kennenlernen wird. Verwandte in Südkorea bezahlten damals Fluchthelfer, doch seine Geschwister wollten nicht gehen. „Sie hatten zu viel Angst. Jetzt bereuen sie es“, sagt er. Aus Furcht vor Repressalien gegen die Zurückgebliebenen will er seinen Namen nicht veröffentlicht sehen. Er lässt kein gutes Haar an der nordkoreanischen Regierung, die fast alle Menschen in Armut leben lasse, während einige Wenige reich würden.

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