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16.07.2017

16:26 Uhr

Nordkoreas Atomwaffen

Pjöngjang hat womöglich noch mehr Plutonium

Wärmebilder deuten daraufhin, dass Nordkorea mehr atomwaffenfähiges Plutonium besitzt als bislang angenommen. Ein Forschungsinstitut verweist auf verdächtige Aktivitäten in dem abgeschotteten Land.

Nach zunehmenden Spannungen

Südkorea schlägt Treffen mit Norden vor

Nach zunehmenden Spannungen : Südkorea schlägt Treffen mit Norden vor

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WashingtonNordkorea hat nach Einschätzung eines Forschungsinstituts möglicherweise mehr Plutonium für Atomwaffen hergestellt als bislang bekannt. Darauf deuteten Wärmebild-Aufnahmen hin, die Satelliten von September 2016 bis Juni 2017 vom nuklearchemischen Labor der Atomanlage Yongbyon aufgenommen hätten, teilte das auf Nordkorea-Beobachtung spezialisierte Institut 38 North am Freitag in Washington mit.

Demnach gab es mindestens zwei bislang nicht bekannte Wiederaufarbeitungszyklen zur Vergrößerung des Plutonium-Arsenals. Zudem deuteten Aufnahmen von der Uran-Anreicherungsanlage in Yongbyon darauf hin, dass Zentrifugen in Betrieb gewesen seien. Allerdings sei unklar, ob die festgestellte Wärmeentwicklung in der Anlage auf einen Produktionsbetrieb oder die Wartung der Zentrifugen zurückzuführen sei. Anlass zur Sorge könnte auch eine kurzzeitige Aktivität im Leichtwasser-Forschungsreaktor sein.

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (1998 bis 2015)

Nordkoreas fünfter Atomtest

Nordkorea hat am Freitag seinen fünften Atomtest gemeldet. Der neue Nukleartest zeigt die Entschlossenheit der Führung in Pjöngjang, das international geächtete und von der UN verbotene Atomprogramm weiter zu verfolgen. Das ultimative Ziel: kleine und leichte Atomwaffen herzustellen, die auf Raketen passen, die das Festland des großen Feindes USA erreichen könnten. Das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm seit 1998 im Überblick. (Quelle: AP)

31. August 1998

Nordkorea startet eine mehrstufige Rakete über Japan, die im Pazifik niedergeht. Internationale Experten schätzen die Reichweite auf etwa 2500 Kilometer – die Entfernung zwischen Nordkorea und den USA beträgt gut 10.000 Kilometer.

Juli bis Oktober 2006

5. Juli: Nordkorea feuert eine dreistufige Rakete mit einer potenziellen Reichweite von 6700 Kilometer ab. Doch diese versagt nach dem Start, wie Regierungsbeamte aus den USA und Südkorea berichten. Nordkorea hat diesen Test niemals bestätigt.
9. Oktober: Nordkorea sieht „extreme“ Bedrohungen durch einen Nuklearangriff der USA und unternimmt daraufhin seinen ersten Atomwaffentest.
15. Oktober 2006: Der UN-Sicherheitsrat verurteilt diesen Test in einer Resolution. Zugleich verhängt er Sanktionen über Nordkorea und verbietet dem Land Aktivitäten, die mit seinem Nuklearwaffenprogramm in Verbindung stehen.

Februar bis Juli 2007

13. Februar: Nordkorea stimmt zu, seine größten Nukleareinrichtungen zu deaktivieren. Im Gegenzug kann das wirtschaftlich angeschlagene Land mit Energielieferungen und anderen Vergünstigungen rechnen.
14. Juli: Nordkorea fährt seinen Kernreaktor Nyongbyon herunter und baut ihn später ab.

11. Oktober 2008

Die USA nehmen Nordkorea von der Liste der Terror-Unterstützerstaaten. Zuvor stimmt Pjöngjang zu, die Demontage seiner Plutoniumanlage wieder aufzunehmen und US-Inspektoren Zutritt zu gewähren.

Februar bis Juni 2009

15. Februar: Nordkorea erklärt, das Recht zur Entwicklung eines Weltraumprogramms zu haben.
5. April: Nordkorea schickt eine Langstreckenrakete mit einem Satelliten ins All. Pjöngjang spricht von einem Erfolg, doch das US-Luft- und Wertraumverteidigungskommando (NORAD) sagt, der Satellit habe den Orbit nicht erreicht.
14. April: Nordkorea verlässt die Abrüstungsgespräche, an denen sechs Länder beteiligt sind und kündigt an, seine Nuklearanlagen wieder hochzufahren. Das Land reagiert damit auf die internationalen Proteste gegen seinen Raketenstart.
25. Mai: Nordkorea unternimmt seinen zweiten Atomwaffentest.
13. Juni: Nordkorea sagt, es werde zusätzlich zu seinem Plutonium-Programm mit der Anreicherung von Uran beginnen.

11. Mai 2010

Nordkorea erklärt, erfolgreich eine Kernschmelze herbeigeführt zu haben. Das führt zu Spekulationen, das Land könne an einer größeren Waffe bauen. Internationale Experten bezweifeln aber die Behauptungen aus Pjöngjang.

Februar bis Dezember 2012

29. Februar: Nordkorea kündigt ein Moratorium für Nuklear- und Raketentests an. Hintergrund ist ein Pakt mit den USA über Lebensmittelhilfe.
13. April: Nordkorea startet eine Langstreckenrakete, die allerdings kurz nach dem Start versagt. Die USA kündigen daraufhin an, dass ein geplanter Lebensmitteldeal nicht stattfinden werde.
12. Dezember: Nordkorea schickt eine Langstreckenrakete mit einem Satelliten ins All. Das US-Kommando NORAD sagt, es scheine, dass diesmal ein Objekt den Orbit erreicht habe.

13. Februar 2013

Nordkorea unternimmt seinen dritten Atomtest.

Nordkorea hat bislang fünf Atomwaffen getestet. Ein sechster Test könnte nach Einschätzung von Experten jederzeit vorgenommen werden. Die Forscher von 38 North hatten im April das Atomwaffen-Arsenal auf bis zu 20 Bomben geschätzt und erklärt, das Land sei in der Lage, eine weitere Atombombe in einem Monat herzustellen.

Das isolierte kommunistische Land treibt trotz internationaler Proteste und Sanktionen seine Raketen- und Atomprogramme voran. Entgegen UN-Auflagen hat Nordkorea Raketen getestet, die möglicherweise auch das Territorium der USA erreichen und Atomsprengköpfe tragen können.

Nordkoreas Atom- und Raketenprogramm (2016)

6. Januar 2016

Nordkorea führt seinen vierten Nukleartest aus. Nach eigenen Angaben wurde eine „miniaturisierte“ Wasserstoffbombe getestet. Experten ziehen die Angaben in Zweifel. (Quelle: AP)

7. Februar 2016

Nordkorea schießt nach eigenen Angaben eine Langstreckenrakete ins All.

9. März 2016

Machthaber Kim Jong Un erklärt, sein Land habe verkleinerte Atombomben entwickelt, die auf Raketen platziert werden können.

18. März 2016

Zum ersten Mal seit 2014 feuert Nordkorea eine Mittelstreckenrakete vom Typ Rodong ab. Das Geschoss fliegt rund 800 Kilometer weit, ehe es östlich des Landes ins Wasser fällt.

23. April 2016

Nordkorea schießt eine Rakete von einem U-Boot ab. Aus dem südkoreanischen Verteidigungsministerium heißt es daraufhin, das Geschoss habe eine Strecke von knapp 30 Kilometern zurückgelegt. Pjöngjang erklärt, der Start ziele darauf ab, die Atomsprengkopftechnologien voranzubringen.

22. Juni 2016

Washington und Seoul melden, dass Nordkorea zwei mutmaßliche Mittelstreckenraketen vom Typ Musudan abgefeuert hat. Diese Raketen könnten eines Tages in der Lage sein, weit entfernte Militärbasen der USA in Asien zu treffen. Pjöngjang gibt später bekannt, erfolgreich eine Mittelstreckenrakete getestet zu haben. Diese habe eine Höhe von 1400 Kilometern erreicht, bevor sie wie geplant in 400 Kilometer entfernten Gewässern gelandet sei.

19. Juli 2016

Nordkorea schießt drei Raketengeschossen ab. Zwei davon fliegen 500 bis 600 Kilometer weit. Die Tests sind nach Angaben der Führung in Pjöngjang Teil eines simulierten Präventivschlags auf südkoreanische Häfen und Flugplätze.

3. August 2016

Regierungsbeamten aus Südkorea und Japan zufolge legt eine nordkoreanische Mittelstreckenrakete einen Weg von rund 1000 Kilometern zurück und landet in der Nähe von japanischen Hoheitsgewässern. Es handelt sich vermutlich um eine Rodong-Rakete.

24. August 2016

Eine erneut von einem U-Boot abgefeuerte Rakete ist 500 Kilometer unterwegs, ehe sie nahe Japan ins Wasser stürzt. Kim erklärt, sein Land habe die Fähigkeit erlangt, einen vollausgerüsteten Atomangriff auszuführen. Auch das US-Festland befinde sich in Schlagdistanz.

5. September 2016

Wieder fliegen drei mutmaßliche Mittelstreckenraketen Nordkoreas fast 1000 Kilometer weit, ehe sie in Gewässern nahe Japan landen.

9. September 2016

Nordkorea hat nach eigenen Angaben einen nuklearen Sprengkopf erfolgreich zur Explosion gebracht.

Die USA fordern vor allem von China, dem einzigen wichtigen Verbündeten Nordkoreas, mehr Druck auf die Führung in Pjöngjang auszuüben, die Programme zu beenden. Aus Unzufriedenheit mit dem Einwirken der Regierung in Peking bereiten die USA Regierungskreisen zufolge neue Sanktionen gegen China vor.

Von

rtr

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