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26.07.2011

13:31 Uhr

Norwegen

Breiviks krude Botschaft

Der Attentäter von Oslo und Utöya orakelt von Hintermännern. Selbst sein Anwalt hält ihn für „verrückt“. Wie glaubwürdig ist der Massenmörder?

Verteidiger - Attentäter von Oslo sieht sich als Krieger

Video: Verteidiger - Attentäter von Oslo sieht sich als Krieger

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Der mutmaßliche Attentäter von Norwegen hat nach Angaben seines Anwalts von etlichen weiteren Zellen in seiner Bewegung gesprochen. Der Anwalt von Anders Behring Breivik sagte am Dienstag, es gebe Breivik zufolge zwei Zellen in Norwegen und noch etliche weitere im westlichen Ausland. Die Sicherheitsbehörden bezweifeln dies allerdings. Die Ermittler glauben nicht, dass Breivik - wie er selbst behauptet - einem größeren Netz rechtsextremer und moslemfeindlicher „Kreuzritter“ angehört. Ein Beleg dafür ist, dass die am Freitag verhängten Grenzkontrollen am späten Montagabend wieder aufgehoben wurden. Norwegen hat auch nicht andere Länder um Ermittlungen ersucht oder eine Terror-Warnung ausgeben.

Nach Angaben seines Anwalts habe Breivik die Anschläge als „notwendig“ bezeichnet, da er sich im Krieg befinde. Der 32-Jährige habe Drogen genommen, die ihn wach halten sollten.

Dem Verteidiger zufolge deutet alles darauf hin, dass der 32-jährige Anders Behring Breivik "verrückt" ist, weshalb Psychiater seinen Geisteszustand untersuchen sollen. „Die ganze Sache deutet darauf hin, dass er geisteskrank ist,“ sagte der Anwalt Geir Lippestad. Ob eine mögliche Unzurechnungsfähigkeit seines Mandanten Teil seiner Verteidigungsstrategie ist, ließ der Anwalt jedoch offen.

Nach Angaben des Anwalts ging Breivik davon aus, bei dem Anschlag selbst getötet zu werden. «Er hat geglaubt, nach dem Bombenanschlag getötet zu werden, nach der Aktion auf der Insel, und hat auch geglaubt, vor Gericht getötet zu werden», sagte Lippestad. Der 32-Jährige sei selbst überrascht gewesen, dass er sein Ziel erreicht habe.

Sein Mandant zeige «kein Zeichen von Mitleid» mit den Opfern, sagte Lippestad weiter. Er hasse alle, die an Demokratie glaubten. Er sei überzeugt, dass der «Krieg», den er mit Anschlag habe auslösen wollen, jetzt in vollem Gange sei. «Er glaubt daran», sagte der Anwalt. «Er glaubt, dass dieser Krieg 60 Jahren dauern wird und dass dieser Krieg in 60 Jahren gewonnen wird.»

Die Familie des Attentäters habe bislang kein Besuchsrecht beantragt. Breiviks Vater zeigte sich entsetzt über die Tat seines Sohnes. „In meinen dunkelsten Momenten denke ich, er hätte sich besser selbst das Leben nehmen sollen, anstatt all diese Menschen umzubringen.“ Sein Sohn müsse geisteskrank sein, sagte er dem Fernsehsender TV2.

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