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31.03.2013

12:23 Uhr

Notoperation

ARD-Korrespondent in Syrien angeschossen

Der ARD-Korrespondent Jörg Armbruster ist in Syrien angeschossen worden. Der 65-Jährige ist schwer verletzt und wird nach einer OP in der Türkei behandelt. Armbruster drehte eine Reportage über die syrischen Rebellen.

Der ARD-Auslandskorrespondent Jörg Armbruster ist im nordsyrischen Aleppo angeschossen worden. dpa

Der ARD-Auslandskorrespondent Jörg Armbruster ist im nordsyrischen Aleppo angeschossen worden.

Hamburg/StuttgartDer langjährige ARD-Fernsehkorrespondent für die Arabische Welt, Jörg Armbruster, ist bei Dreharbeiten in der Stadt Aleppo im Norden von Syrien angeschossen worden. Der erfahrene Reporter sei am Freitag in einen Schusswechsel geraten und dabei schwer verletzt worden, hieß es am Samstagabend in der "Tagesschau". Demnach gelang es am Samstag, Armbruster in die Türkei zu bringen.

Nach Angaben des Südwestrundfunks wurde Armbruster nach dem Vorfall zunächst in einem syrischen Krankenhaus notoperiert. In der Türkei wird er nun weiter behandelt. Er sei schwer verletzt, sein Zustand sei jedoch stabil, sagte SWR-Sprecher Wolfgang Utz am Sonntag. Gemeinsam mit dem SWR-Hörfunkreporter Martin Durm könne Armbruster voraussichtlich am Montag nach Deutschland ausgeflogen werden.

Zwei Jahre blutiger Kampf um die Macht

15. März 2011:

Erste Protestdemonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

18. März:

Tausende demonstrieren gegen Assad, es gibt Tote. Am 22. April gehen 100 000 auf die Straße, mindestens 112 sterben.

23. Juni:

Nach Einschlägen syrischer Granaten auf türkischem Gebiet schießt Syrien nahe der Stadt Latakia einen türkischen Militärjet ab. Ankara stationiert daraufhin Raketenabwehrsysteme an der Grenze.

31. Juli:

Das Regime erobert die Widerstandshochburg Hama. Laut Opposition sterben mindestens 100 Menschen.

3. August:

Der UN-Sicherheitsrat einigt sich auf eine „Präsidentielle Erklärung“ zur Verurteilung des Regimes in Damaskus. Eine gewichtigere Resolution scheitert am Veto Russlands und Chinas. Beide Länder blockieren in den folgenden Monaten zwei weitere Resolutionen.

2. Oktober:

Die syrische Opposition bildet einen Nationalrat.

22. Dezember:

Erste Beobachter der Arabischen Liga treffen in Syrien ein. Vier Wochen später wird ihr Einsatz wegen der Gewalt beendet.

23. Dezember:

In Damaskus sterben bei den ersten Selbstmordanschlägen im Bürgerkrieg mindestens 44 Menschen, mehr als 160 werden verletzt.

4. Februar 2012:

Aus der Protesthochburg Homs wird das schlimmste Blutbad seit Beginn der Proteste gemeldet. Hunderte Menschen sterben.

13. Februar:

Das Regime weist den Vorschlag der Arabischen Liga zurück, UN-Friedenstruppen nach Syrien zu schicken. Kurz darauf nennt Assad den 26. Februar als Termin für ein Verfassungsreferendum. Die Verfassung tritt am 28. Februar in Kraft.

25. Februar:

In Tunis gründen mehr als 60 Staaten die „Freundesgruppe“ für ein demokratisches Syrien.

27. März: Syrien akzeptiert den Friedensplan des Sondergesandten Kofi Annan, der eine von den UN beobachtete Waffenruhe vorsieht.

25. Mai:

Bei einem Massaker im Ort Al-Hula kommen mehr als 100 Zivilisten ums Leben.

13. Juli:

Nach Angaben der Opposition sollen bei einem Massaker nahe Hama bis zu 250 Menschen von Regierungstruppen getötet worden sein.

18. Juli:

Bei einem Bombenanschlag der Rebellen auf den nationalen Krisenstab kommen mehrere Mitglieder der syrischen Führung ums Leben - darunter der Verteidigungsminister und Assads Schwager.

2. August:

UN-Vermittler Annan gibt auf. Es werden neue Massaker an syrischen Zivilisten gemeldet.

16. August:

Wegen der ausufernden Gewalt wird die UN-Beobachtermission beendet.

24. Oktober:

Der algerische Diplomat Lakhdar Brahimi als neuer UN-Vermittler erklärt, beide Seiten seien zu einer Feuerpause bereit. Die auf vier Tage angelegte Waffenruhe hält keine drei Stunden.

11. November:

Regimegegner bilden die „Nationale Koalition“ und wählen den Prediger Ahmed Muas Al-Chatib zum Vorsitzenden. Zuvor gab der Syrische Nationalrat Ansprüche auf eine Vormachtstellung auf.

6. Januar 2013:

Assad will mit einer nationalen Mobilmachung seinen Sturz verhindern. Er verspricht in seiner ersten öffentlichen Rede seit sieben Monaten Reformen, eine neue Verfassung und Regierung. Eine politische Lösung mit bewaffneten Rebellen schließt er aus.

28. Januar:

Die Nato schützt die Türkei mit „Patriot“- Raketenabwehrstaffeln vor Angriffen aus Syrien. Zur Durchsetzung einer Flugverbotszone über Syrien dürfen sie nicht eingesetzt werden.

21. Februar:

In Damaskus kommen bei einem Bombenanschlag nahe der Zentrale von Assads Baath-Partei mindestens 53 Menschen ums Leben. Das Hauptquartier des Militärs wird mit Granaten beschossen.

28. Februar:

Die Staaten der „Freundesgruppe“ wollen Syriens Opposition politisch und finanziell helfen, aber keine Waffen liefern.

3. März:

Assad lehnt einen Gang ins Exil weiterhin ab. Im Interview mit der britischen Zeitung „Sunday Times“ zeigt er Bereitschaft zu Gesprächen mit der Opposition. Voraussetzung sei aber, dass Militante ihre Waffen niederlegten.

5. März:

Syrische Rebellen melden die Einnahme der Stadt Al-Rakka. Für die von den Rebellen kontrollierten Gebiete in der Provinz Aleppo lassen Oppositionsparteien erstmals lokale Vertretungen wählen.

9. März:

Nach drei Tagen in der Hand syrischer Rebellen sind 21 Blauhelm-Soldaten wieder auf freiem Fuß.

Armbruster war seit Anfang dieser Woche gemeinsam mit Durm im Gebiet der Freien Syrischen Armee, um eine Reportage über die syrischen Aufständischen zu drehen. Die vor allem aus Deserteuren gebildete Armee führt seit rund zwei Jahren einen bewaffneten Kampf gegen die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad. Im Zuge des Bürgerkrieges wurden nach UN-Schätzungen bereits mehr als 70.000 Menschen getötet.

Der aus Tübingen stammende Armbruster hatte erst im Januar 2013 die Leitung des Auslandsstudios in Kairo abgegeben, von wo aus er mehrere Jahre lang für die ARD und den SWR über die arabische Welt berichtet hatte. Dabei erlebte er die Umwälzungen im Zuge des Arabischen Frühlings mit und berichtete aus Kairo etwa live über den Rücktritt des ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak am 11. Januar 2011.

Von

afp

Kommentare (11)

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salpeter

31.03.2013, 10:19 Uhr

Der Herr selbst hat sich in die Gefahr begeben; es ist die Konsequenz seiner Entscheidung. Nun wird er ARD-weit behimmelt...was eigentlich ist mit den vielen anderen Menschen, denen gleiches widerfährt - täglich, stündlich? Besonders in Syrien?? Beste Genesung sei dem Herrn gewünscht, doch interessant wäre zu wissen, wie die Synapsen bei diesen risikoaversen Herrschaften schalten, die dieses Limitgefühl täglich brauchen. Mit 65 ist dann auch genug, das soll das Warnsignal sein, Herr Armbruster.

Account gelöscht!

31.03.2013, 12:13 Uhr

Bei den meisten Sendern nimmt man für die Krisenberichterstattung eigtl. freie Journalisten, auf Rechnung, keine Angestellten, um Regressansprüche von vornherein auszuschließen.

Aber mit 65 Jahren in Syrien im Kugelhagel herumturnen - man kann es auch übertreiben.

KFR001

31.03.2013, 12:17 Uhr

auch als "embedded journalist" der CIA MI6 SS-France ( siehe Irak Iran Afghanistan ) empfiehlt es sich eindeutige Kennzeichnung als "PRESS " "German TV " zu tragen;
die Verteilung von Backschisch an " Insurgenten " könnte ebenfalls diverse strafrechtliche Tatbestände des StGB erfüllen ...

offenbar haben die Verantwortlichen der ARD Medien den Schuss nicht gehört und glauben einen PrivatKrieg führen zu dürfen

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