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15.11.2013

14:51 Uhr

NSA-Affäre

Das löcherige Netz der Datensicherheit

VonPatrick Schultz

Die Bundesregierung und der Branchenverband Bitkom wollen die Internet-Daten der Europäer auf dem Kontinent halten, um Surfer vor Spionen zu schützen. Das scheint Sinn zu machen – bis man mit einem Hacker spricht.

Anytime, anywhere communication: So warb Toshiba-Mitarbeiter vor Beginn der Computermesse CeBIT in Hannover für sich. Der Slogan ließe sich auch auf die weltweite Abhör- und Ausspähpraxis anwenden. dpa

Anytime, anywhere communication: So warb Toshiba-Mitarbeiter vor Beginn der Computermesse CeBIT in Hannover für sich. Der Slogan ließe sich auch auf die weltweite Abhör- und Ausspähpraxis anwenden.

DüsseldorfDeutschland, arglos Vaterland: In der NSA-Affäre präsentiert sich die Bundesrepublik als hilfloses Opfer. Die Spionagedienste aus Amerika und Großbritannien schöpfen fleißig und offenbar problemlos Daten ab, weder die alltägliche E-Mail noch das Kanzlerinnen-Telefonat sind vor ihnen sicher. Die deutsche Politik reagiert mit wortreicher Empörung und dem Hinweis, dass so etwas „gar nicht geht“. Konkrete Vorschläge, wie in Zukunft sichere Kommunikation möglich sein soll – bislang Fehlanzeige.

Nun hat Innenminister Hans-Peter Friedrich (CDU) das Konzept des „europäischen Routing“ entdeckt, sprich den Verzicht auf die Umleitung von E-Mails und anderen Daten über amerikanische Leitungen. Er will Internet-Anbieter verpflichten, den Datenverkehr innerhalb des Kontinents ausschließlich über europäische Netze zu leiten.

Die Überwachungspraktiken der NSA

Kritik

Die Überwachungspraktiken des US-Auslandsgeheimdiensts NSA stehen seit der Enthüllung durch den Informanten und IT-Experten Edward Snowden in der Kritik. Einige Beispiele, über die Medien berichtet haben.

Beispiel 1: Internet

Nach Snowdens Enthüllungen zapfen die USA die Rechner von Internet-Firmen an, um sich Zugang zu Videos, Fotos, E-Mails und Kontaktdaten zu verschaffen. Der Datenhunger betrifft auch die Kommunikation in Europa, darunter Deutschland und Frankreich. Die Möglichkeit dazu bietet unter anderem das Spionageprogramm „Prism“.

Beispiel 2: Internet

Der Geheimdienst NSA und sein britischer Gegenpart GCHQ sollen in der Lage sein, einen Teil der Verschlüsselung und der Datentunnel im Internet zu knacken. Das soll nicht nur Online-Banking und Internet-Shops betreffen, sondern auch Internet-Dienstleister wie Microsoft, Yahoo, Google, Facebook, AOL, YouTube, Skype, AOL und Apple.

Beispiel 3: Telefon

Telefon- und Videoverbindungen gelten ebenfalls als nicht sicher. So soll die NSA die Vereinten in New York abgehört und deren Videokonferenzanlage angezapft haben. Betroffen sei auch die EU-Vertretung bei den Uno.

Beispiel 4: Telefon

Der Geheimdienst soll auch Millionen chinesischer Mobilfunknachrichten sowie wichtige Datenübertragungsleitungen der Tsinghua-Universität in Peking ausspioniert haben. In Frankreich sollen Wirtschaft, Politik und Verwaltung betroffen sein - allein Ende 2012 und Anfang 2013 rund 70,3 Millionen Datensätze von Telefonverbindungen. In Mexiko sollen Regierungsmitglieder bespitzelt worden sein.

Umwege über amerikanische Leitungen, etwa aus Kostengründen, sollen vermieden werden. Die Daten der Europäer blieben dann in europäischen Datenkabeln und auf europäischen Servern; das soll ausländischen Geheimdiensten und Wirtschaftsspionen den Zugriff erschweren.

Auch der IT-Branchenverband Bitkom zeigt sich offen für die Idee und will das Modell „prüfen“: „Wenn ich ein Internet-Telefongespräch von München nach Nürnberg führe, gibt es kaum einen sachlichen Grund, warum das nicht national geroutet werden sollte“, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf bei der Präsentation eines Daten-Sicherheitsplans in Berlin.

Der größte Netzbetreiber, die Deutsche Telekom, steht nach eigenen Angaben bereit für ein solches Routing innerhalb Deutschlands. Es wäre ein erster Schritt in Richtung des europäischen Modells. „Ein nationales Routing wäre für uns ohne großen Aufwand machbar“, sagt Telekom-Sprecher Philipp Blank. „Wir müssten uns noch mit drei anderen deutschen Netzbetreibern auf direkte Netzzusammenschlüsse einigen.“

Die politische Initiative ist da, der größte Netz-Betreiber an Bord. Doch funktionieren wird das Deutschland-Routing trotzdem nicht.

Kommentare (3)

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JoMei

15.11.2013, 16:02 Uhr

Also wenn man schon BITKOM liest, weiss man als ITler, dass das nicht unbedingt um die Sache geht. Einerseits vielleicht schön für einige Arbeitsplätze und Unternehmen, aber mehr Sicherheit bringt das nicht.
Einer der größten Netzknoten der Welt, De-Cix sitzt in Frankfurt. Die NSA unterhält in Frankfurt Stützpunkte. Unsere Minitster behaupten zwar, daß NSA absolut keinen Zugriff hat. Mir scheint dies nach all den Verhaltensweisen der letzten Monate nicht vertrauenswürdig zu sein - meine Meinung.
Somit sind doch Telekom, unsere Politiker und die BITKOM Mitglieder in keiner besseren Position, als Microsoft, Apple oder Google, geschweige den CISCO.
Im Glashaus sitzend sollte man keine Bombe zünden.

Bagheera

15.11.2013, 17:03 Uhr

Ein europäisches oder ein deutsches 'Intranet' ist so unrealistisch wie der grenzfreie Verkehr ohne seine kriminellen Nebenwirkungen. Wie sollte auch ein Netz, daß zu 100% auf Technologie und Software aus USA und Fernost aufbaut 'national' gesichert werden, zumal nur ca 30% des Datenverkehrs innerhalb Deutschlands ablaufen? Länder wie Nordkorea, die z.T. Auf proprietäre Technologie und radikale Methoden zur Kontrolle des Datenverkehrs setzen sind mit Sicherheit kein Beispiel für 'nationale Sicherheit im Netz'. Also werden wir uns wohl oder übel mit dem Gedanken der Überwachung im Netz weiterhin auseinandersetzen müssen und verantwortungsbewußt mit Daten im Netz umgehen, wissentlich der Tatsache daß 'Freund und Feind' mithören und lesen können und werden! Denn Auch im Internet
gilt das alte arabische Sprichwort: 'ist ein Geheimnis erst einmal aus dem Mund, holt es das schnellste Pferd nicht mehr ein'.

Pessimist

21.11.2013, 10:19 Uhr

Es ist - glaube ich - zum Thema "Spionage der Amerikaner" alles gesagt.

Wir sollten aber nicht so Naiv sein, zu glauben nur die Amerikaner und Briten würden uns und andere ausspionieren. Alle Staaten mit den entsprechenden techn. Möglichkeiten machen das ganz sicher.
Heute dürfen wir lesen, das die britische Regierung der NSA, sogar per Vertrag, erlaubt die eigenen Bürger auszuspionieren.
Es wird einfach Langweilig, weiter darüber zu diskutieren, obwohl man es immer und immer wieder publik machen müsste.

Es ist traurig, das die eigene Regierung dem Ausspionieren wohl eher zustimmt (siehe England / NSA) und nur zur Beruhigung des Volkes angeblich dagegen ist.

Es ist weiter traurig, das sich der einzelne in keiner Weise dagegen wehren kann.

Wer glaubt, mit verschlüsselten E-Mails und ähnlichem dem "entwischen" zu können, dürfte einem großen Irrtum unterliegen.
Diese Spionagebehörden und -abteilungen können fast alles.
Es wird nur das zugegeben, was auch wirklich bewiesen ist. Selbst dann wird es noch abgestritten.
Für den Normalbürger absolut unvorstellbar.
Verschlüsselung von Daten, Verschleierung der IP sind nur hübsche Spielereien für den Internetnutzer um ihn in scheinbarer Sicherheit zu wiegen.
LG greift sogar das Nutzungsverhalten Ihrer Fernsehkunden ab.

Wie es dann in 20 Jahren ausschaut, daran will ich gar nicht denken.
Livemitschnitte von Telefongesprächen.
Komplette Aufzeichnung des Internetverhaltens der Bürger.
Bewegungsprofile der letzten Monate werden bei dem kleinsten Vergehen, wie z.B. falsch Parken erstellt.
Volle Kontrolle des Bankverkehrs jedes einzelnen Bürgers.
Verdachtsunabhängige Hausdurchsuchungen bei - für die Behörden - unliebsamem E-Mailverkehr.
Sicher kommt auch irgendwann der Identchip, ab Geburt unter die Haut gespritzt, wie man es bei den Tieren heute schon macht.
Einfach die totale Kontrolle!
Usw. usw.

Es wird so kommen!!!

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