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09.12.2013

19:27 Uhr

NSA-Affäre

Geheimdienste spähen auch Online-Spiele aus

NSA und britischer Geheimdienst haben mehrere Online-Rollenspiele und das Xbox-Netzwerk überwacht. Das geht aus Berichten von Edward Snowden hervor. Die NSA scannte Online-Chats und Überweisungen der Spieler.

Das Logo der NSA. Laut den Berichten von Whistleblower Edward Snowden tummeln sich Geheimdienstmitarbeiter – getarnt als Gnome oder Elfen – auch in Online-Rollenspielen wie „World of Warcraft“. ap

Das Logo der NSA. Laut den Berichten von Whistleblower Edward Snowden tummeln sich Geheimdienstmitarbeiter – getarnt als Gnome oder Elfen – auch in Online-Rollenspielen wie „World of Warcraft“.

WashingtonDer US-Geheimdienst NSA und sein britisches Pendant GCHQ durchkämmen Presseberichten zufolge bei ihrer Suche nach Terrorverdächtigen auch Online-Rollenspiele wie „World of Warcraft“ und „Second Life“. Wie die „New York Times“ und der „Guardian“ am Montag unter Berufung auf Dokumente des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden berichteten, sind die Geheimdienste mit verdeckten Ermittlern in den virtuellen Welten präsent und sammeln Daten über andere Nutzer. Dutzende Millionen Menschen weltweit sind bei Online-Rollenspielen aktiv.

Den Berichten zufolge befürchtet die NSA, dass Terroristen die Computerspiele dazu nutzen, Nachrichten und Geld auszutauschen. Geheimdienstmitarbeiter hätten daher selbst Rollenspielcharaktere wie Elfen oder Gnome erstellt, um verdächtige Figuren auszuspähen und Informanten zu rekrutieren. Die Dienste sollen außerdem massenweise Daten zu Chat-Kommunikationen und Finanztransaktionen abgesaugt haben. Unklar war, wie genau die NSA auf die Computerspiel-Daten zugreifen konnte.

Ein kleines Lexikon der Spähaffäre

Prism

Das ist der Name des US-Geheimdienstprogramms, das gleich zu Beginn enthüllt wurde und deshalb zum Inbegriff der gesamten Spähaffäre wurde. Die Abkürzung steht für „Planning Tool for Resource Integration, Synchronization and Management“ (etwa Planungswerkzeug für Quellenintegration, -synchronisierung und -management). Es ist bislang nicht ganz klar, wie das Programm funktioniert. Nach den von Snowden der Presse übergebenen Dokumenten erlaubt oder organisiert „Prism“ den Zugriff auf Daten der Nutzer großer Internetfirmen wie Microsoft, Google und Facebook. Experten glauben, dass US-Dienste damit verdachtsunabhängig große Mengen Nutzerdaten abgreifen. Die gespeicherten Daten werden dann mit Filterbegriffen genauer durchsucht.

Tempora

So lautet der Deckname eines Überwachungsprogramms des britischen Geheimdienstes und NSA-Partners GCHQ, das es auf Daten aus Seekabeln abgesehen hat. Durch diese Glasfaserverbindungen fließt der überwiegende Teil der globalen Telefon- und Internetkommunikation. „Tempora“ erlaubt es demnach, den Datenverkehr in Pufferspeichern zu sammeln und Emails, Telefonate und Videochats zu rekonstruieren. Die Daten können einige Tage, einzelne Informationsteile wie Absender und Empfänger sogar wochenlang gespeichert werden. Mit der entsprechenden Software können so nachträglich Nachrichten von Verdächtigen gefunden oder die Stimmen von Gesuchten identifiziert werden.

Muscular

Hierbei geht es den bislang vorliegenden Berichten zufolge um das wahllose Abfangen der Datenströme aus Glasfaserkabeln zwischen den Rechenzentren der Internetkonzerne Google und Yahoo durch die NSA und ihren britischen Partnerdienst GCHQ. Google betreibt weltweit 13 dieser Anlagen, auf denen die Daten von Nutzern und deren Informationsströme verwaltet werden. Die Zentren tauschen ständig gigantische Datenmengen untereinander aus. NSA und GCHQ haben sich angeblich heimlich Zugang zu den Verbindungskabeln verschafft und kopieren Massen unverschlüsselter Daten.

XKeyscore

Der Begriff bezeichnet ein weiteres internes IT-Programm der NSA. Nach bisher vorliegenden Informationen handelt es sich dabei anscheinend um eine Art Analyse-Software, mit der die von der NSA betriebenen Datenbanken durchsucht werden, um Berichte über das Kommunikationsverhalten einer Person zu erstellen. Demnach kann „XKeyscore“ etwa auf Telefonnummern und Emailadressen zugreifen, aber auch Begriffe auflisten, die jemand in die Google-Suche eingegeben hat. Über „XKeyscore“ wurde hierzulande zuletzt viel diskutiert. Der Verfassungsschutz räumte ein, das Programm „testweise“ einzusetzen - wobei der Dienst aber ausdrücklich betont, es lediglich zur Analyse von bereits im eigenen Haus vorliegenden, nach deutschem Recht erhobenen Daten zu testen und damit weder aktiv Informationen zu sammeln noch international Daten etwa mit der NSA auszutauschen.

DE-CIX

Der große Internetknoten in Frankfurt am Main ist den Berichten zufolge ein bevorzugtes Ziel der NSA-Spionage in Deutschland. DE-CIX ist eine Art große Weiche, an der Internetverkehr aus verschiedenen einzelnen Provider- und Datennetzen zusammenfließt und verteilt wird. Gemessen am Datendurchsatz soll DE-CIX laut Betreiber der größte Internetknoten der Welt sein. Unklar ist aber, wie mutmaßliche Spione Zugriff auf den Knoten erhalten haben sollen. Denn DE-CIX besteht aus 18 gesicherten Einrichtungen, die durch Glasfaser verbunden sind. Der Betreiber und deutsche Behörden dementierten, dass die NSA hier Zugriff habe.

G-10-Gesetz

Dieses Gesetz regelt den Zugriff der deutschen Nachrichtendienste auf Telekommunikationsdaten. Vollständig heißt es „Gesetz zur Beschränkung des Brief-, Post- und Fernmeldegeheimnisses“. Da es in Artikel 10 des Grundgesetzes verfassungsrechtlich fixiert ist, lautet die Kurzform G-10-Gesetz. Es verpflichtet Postanbieter sowie Telekom- und Internetkonzerne, den Verfassungsschutzämtern, dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr auf Verlangen Sendungen zu übergeben und ihnen die Aufzeichnung und Überwachung der Telekommunikation technisch zu ermöglichen. Laut Gesetz dürfen die Dienste derartige Maßnahmen etwa zur Abwehr einer „drohenden Gefahr“ für die demokratische Grundordnung beantragen. Genehmigt werden diese von einer speziellen Kommission aus zehn Bundestagsabgeordneten, der sogenannten G-10-Kommission.

Laut der „New York Times“ sollen sich die Geheimdienste unter anderem Zugang zum Netzwerk der Spielekonsole Xbox des Technologieunternehmens Microsoft verschafft haben. Neben der NSA und dem GCHQ sollen sich auch Agenten des US-Auslandsgeheimdienstes CIA, der US-Bundespolizei FBI und des US-Verteidigungsministeriums in den Fantasiewelten tummeln. Damit sich die verschiedenen Geheimdienste nicht in die Quere kommen, habe sogar eine Koordinierungsstelle eingerichtet werden müssen, schrieb die „New York Times“.

Die Überwachung von Online-Spielen ist aber offenbar nicht von Erfolg gekrönt: Nach Angaben der Zeitungen sind Geheimdienstvertretern und Experten keine konkreten Terrorplanungen bekannt, die auf diese Weise durchkreuzt worden sind.

Von

afp

Kommentare (2)

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Rainer_J

09.12.2013, 19:47 Uhr

So ein Ork oder Zauberer aus World of Warcraft ist jetzt auch schon ein Sicherheitsrisiko für die NSA-Stasi.

Das unmoralische Auftreten der USA, die keine Einsicht und Reue zeigen, ist einfach nur unerträglich.

pro-d

09.12.2013, 19:54 Uhr

Der größte Terrorist der welt dürfte ja wohl noch immer die USA selbst sein.

Jeder, der mal in den USA sich hat mit den „friedliebenden“ TV-Programmen hat berieseln lassen, der kann eigentlich nur noch aufs WC gehen und sorgt dafür, dass sein Magengrummeln aufhört. Was dort an Gewalt gezeigt wird, durchgehend auf allen Programmen und den Tag / Nacht über, das geht echt auf keine Kuhhaut.

Kein Wunder, dass die ganze amerikanische Nation ein schlimmer Kriegstreiber und Terrorist ist, der nur daran denkt, andere Nationen nieder zu machen und sie dann aus zu saugen.

Gibt einem Ami eine neue Erfindung und er denkt daran, wie er daraus ne Waffe machen kann.
Gib dem Deutschen eine neue Erfindung und er denkt daran, wie er sie unternehmerisch nutzen kann (als Arbeitsplätze und Brot für andere).

Darum sind die Tage vom Ami-Land, Israel und den ehemaligen Kolonialmächten gezählt und darum wird Deutschland immer wohlhabender werden. Erst in der EU, später ind er Achse D-RUS-CN.

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