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22.03.2014

03:11 Uhr

NSA-Affäre

Obama trifft Internet-Konzernchefs

Die Überwachung durch die landeseigenen Geheimdienste stand erneut im Mittelpunkt bei einem Treffen von Obama mit den Konzernchefs von Facebook, Google, und Yahoo. Seit der NSA-Affäre ist die Stimmung angeschlagen.

Großer IT-Auflauf vor dem Weißen Haus: US-Präsident Obama empfing mehrere Chefs von US-Internetkonzernen, darunter Facebook-Gründer Zuckerberg und Google-Erfinder Schmidt. ap

Großer IT-Auflauf vor dem Weißen Haus: US-Präsident Obama empfing mehrere Chefs von US-Internetkonzernen, darunter Facebook-Gründer Zuckerberg und Google-Erfinder Schmidt.

WashingtonUS-Präsident Barack Obama hat erneut mehrere Chefs großer US-Internetkonzerne im Weißen Haus empfangen, darunter Facebook-Gründer Mark Zuckerberg und Google-Erfinder Eric Schmidt.

Es ging dabei vor allem um die von Obama angeordnete Reform der Geheimdienstüberwachung, teilte die Regierung nach dem Treffen am Freitag mit. Der Präsident habe den Konzernchefs über den Stand der Ermittlungen informiert, teilte das Weiße Haus mit. Diese haben zum Ziel, das komplexe Verhältnis zwischen Regierung, ihren Bürgern und deren Recht auf private Informationen zu beleuchten.

Neben der sogenannten „Big Data Review“ wies Obama im Januar das Justizministerium an, bis zum 28. März Alternativkonzepte für die Lagerung von Millionen von Telefondaten von Amerikanern vorzulegen, die der Geheimdienst NSA derzeit speichert.

Vor dem Treffen im Weißen Haus äußerte Zuckerberg auf seiner eigenen Facebook-Seite jedoch harsche Kritik an den Überwachungsprogrammen der Regierung. Das habe er Obama dann auch direkt mitgeteilt, teilte das soziale Netzwerk später mit. Daraus habe sich ein „ehrliches“ Gespräch über staatliche Eingriffe und deren Folgen für das Vertrauen der Menschen in das Internet entwickelt.

Obama war wegen der massiven Überwachung des Geheimdienstes NSA unter massive Kritik der Internetkonzerne geraten. Zuckerberg hatte kürzlich Obama angerufen und sich beschwert. Die Regierung solle „ein Verteidiger des Internets sein und keine Bedrohung“.

„Zwar hat die Regierung inzwischen hilfreiche Schritte zur Reform ihrer Überwachungspraktiken unternommen, doch das ist einfach nicht genug“, erklärte Facebook-Sprecherin Jodi Seth weiter.

Wie die NSA das Internet überwacht

Immer neue Enthüllungen

Seit Sommer 2013 kommen immer neue Details über Spionageaktivitäten von Geheimdiensten im Internet ans Licht. Sie basieren auf Dokumenten, die der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an Journalisten übergab. Ein Überblick über die zentralen Erkenntnisse.

Prism

Prism: Der Name stand zunächst für die gesamte Affäre, umfasst aber nur einen Teil des Repertoires der NSA. Über Prism hat der Überwachungsdienst Zugriff auf Nutzerdaten großer US-Internetfirmen, darunter Google, Yahoo, Microsoft und Facebook. Ein Geheimgericht ordnet die Herausgabe der Informationen an. Das seien etwa Inhalte von Mails, Suchanfragen oder Chats, berichtete die britische Zeitung „Guardian“. Die Firmen sind zum Stillschweigen verpflichtet. Die Internetriesen streiten vor Gericht dafür, mehr Details veröffentlichen zu dürfen.

Tempora

Tempora hießt ein Programm des britischen Dienstes GCHQ. Der GCHQ arbeitet eng mit der NSA zusammen. Gemeinsam mit Australien, Neuseeland und Kanada bilden die Länder die Allianz der «Five Eyes», («Fünf Augen»), in der Informationen ausgetauscht werden. Unter dem Codenamen Tempora soll der GCHQ mehr als 200 Glasfaserkabel anzapfen, über die Daten um die Welt rasen. So habe der GCHQ Zugriff auf den Internetverkehr, der über die angezapften Kabel läuft.

Xkeyscore

Die gewaltigen Datenmengen, die die NSA sammelt, müssen irgendwie ausgewertet werden. Dazu dient die Software XKeyscore. Damit können NSA-Analysten wie Snowden die Datenberge nach Verdächtigen durchsuchen. Der deutsche Bundesnachrichtendienst setze ebenfalls eine Version von XKeyscore ein, berichtete „Der Spiegel“.

Verschlüsselung aushebeln

Wenn Daten verschlüsselt durchs Netz geschickt werden, können Geheimdienste nicht einfach so mitlesen. Doch NSA und GCHQ können Medienberichten zufolge mehrere gängige Verschlüsselungstechniken knacken oder aushebeln, darunter die oft eingesetzt SSL-Technologie. Es ist allerdings unklar, welche Techniken genau in welchem Maße für die Dienste zugänglich sind.

Anonymität aufheben

Auch das Anonymisierungsnetzwerk Tor, mit dem Nutzer ihre Spuren im Netz verwischen können, war Spionageziel der NSA. Der Geheimdienst schaffte es allerdings wohl nicht, das Netzwerk direkt zu knacken.

Überwachung ausländischer Staatschefs

Nicht nur Angela Merkels Handy geriet offenbar ins Visier der NSA. Der „Guardian“ berichtete, der Nachrichtendienst habe Telefone von 35 Spitzenpolitikern überwacht. Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihr mexikanischer Kollege Enrique Peña Nieto seien ausgespäht worden.

Angriff auf Google und Yahoo

Die NSA konnte laut der „Washington Post“ den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren der beiden Internet-Riesen abgreifen. In den Rechenzentren werden Informationen aus E-Mail-Diensten, Suchanfragen oder Dokumente der Nutzer gespeichert. Inzwischen sollen die Daten auch zwischen den Rechenzentren verschlüsselt unterwegs sein.

An dem Treffen am Freitag nahmen den Angaben zufolge unter anderem Netflix-Chef Reed Hastings und Dropbox-Chef Drew Houston teil. Auch die Chefs von Google und Yahoo, Larry Page und Marissa Mayer, seien eingeladen, hieß es zuvor in Medienberichten. Für Mayer sei der Termin aber zu kurzfristig gekommen.

Page hatte sich erst diese Woche enttäuscht über das Vorgehen der US-Regierung gezeigt und eine öffentliche Debatte über die Überwachungsprogramme gefordert.

Der NSA-Skandal hat spürbar einen Keil zwischen die Internet-Industrie und die US-Regierung getrieben. Bereits vergangenes Jahr hatte sich Obama nach Beginn der NSA-Enthüllungen mit den Tech-Konzernchefs zusammengesetzt.

Dabei schlug Mark Pincus, Gründer der für Online-Spiele wie „Farmville“ bekannten Spielefirma Zynga, nach CNN-Informationen vor, den Informanten Edward Snowden nicht zu bestrafen. Obama habe abgelehnt.

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