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14.03.2017

08:32 Uhr

NSA-Affäre

Snowdens Schutzengel fürchten um ihr Leben

VonSönke Iwersen

Die Flüchtlinge, die Edward Snowden im Sommer 2013 bei seiner Flucht in Hongkong versteckten, wollen die Stadt selbst verlassen. Ihre eigene Lage hat sich dramatisch verschlechtert. Nun ziehen sie Konsequenzen.

Dieses Bild zeigt Snowdens Schutzengel Anfang 2017.  Inzwischen haben sie Asylanträge in Kanada gestellt. Jayne Russell

Snowdens Schutzengel hoffen auf Asyl in Kanada

Dieses Bild zeigt Snowdens Schutzengel Anfang 2017.  Inzwischen haben sie Asylanträge in Kanada gestellt.

Seit die Welt weiß, was sie für Edward Snowden tat, hat sich das Leben von Vanessa Mae Rodel verändert. Freunde der 46-Jährigen schauen die Asylbewerberin mit anderen Augen an. Wildfremde Menschen haben sie beklatscht. Hundertfach ließ Rodel in den vergangenen Monaten die Blitzlichtgewitter der Fotografen über sich ergehen.

Bilder der alleinerziehenden Mutter, die den meistgesuchten Mann der Welt in Hongkong vor den Häschern des US-Geheimdienstes versteckte, erschienen rund um den Globus. Dann strichen ihr die Behörden die Hilfsmittel zusammen. Strom und Wasser wurden abgestellt. „Ich weiß nicht, warum das alles passiert“, sagt Rodel. „Ich wollte doch nur helfen.“

Keine gute Tat bleibt ungestraft, lautet eine sarkastische Weisheit. Für Vanessa Mae Rodel wurde das Sprichwort Realität. Ohne jede Vorwarnung klopfte im Sommer 2013 die Weltgeschichte an ihre Tür. Edward Snowden hatte sich die Stadt als den Ort ausgeguckt, von dem aus er die Überwachungspraxis der USA anprangern wollte. Seine Enthüllung hatte der Amerikaner minutiös geplant, seinen Fluchtplan dagegen vermasselt. In höchster Not schlüpfte Snowden aus dem Luxushotel Mira, in dem er sich einquartiert hatte. Dann fand er Unterschlupf bei Menschen, die selbst kaum genug zum Leben hatten: Asylbewerber in Hongkong.

Für Vanessa Mae Rodel war Hongkong einst ein Hort der Hoffnung. In ihrer Heimat, den nördlichen Philippinen, wurde sie 2001 vergewaltigt und verschleppt. Ihr Peiniger war politisch gut vernetzt, an Hilfe durch die Polizei war nicht zu denken. 2003 gelang Rodel die Flucht nach Hongkong. Sie arbeitete als Haushaltshilfe. Dann verlor sie ihren Job. Zurück konnte sie nicht, von nun an schlug sie sich von einer Freundin zur anderen durch. Als sie eine Polizeikontrolle geriet und keine gültigen Papiere vorzeigen konnte, wurde sie festgenommen.

Doch dann fand sie Kontakt zu Robert Tibbo. Der Menschenrechtsanwalt war auf Fälle wie Rodel spezialisiert. Tibbo erklärte der verängstigen Frau, sie habe als Verfolgte in ihrem Heimatland einen juristischen Anspruch auf Asyl. Gemeinsam füllten sie die Papiere aus. Dann begann das Warten. Endloses Warten.

Kommentare (5)

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Herr Martin Wienand

14.03.2017, 10:12 Uhr

Ich wünsche dieser couragierten Familie das beste.

Hoffen wir nur, dass Kanada vor der rachsüchtigen und skrupellosen NSA nicht klein bei gibt.

Frau Annette Bollmohr

14.03.2017, 10:44 Uhr

Vier Flüchtlinge, die Edward Snowden zwei Wochen lang in Hongkong vor den Geheimdiensten und der Polizei versteckten: Ajith Pushpakumara, Vanessa Mae Rodel mit ihrer Tochter Keana, Nadeeka Dilrukshi Nonis und Supun Thilina Kellapatha mit ihrer Tochter Sethumdi.

Alles angeblich gefährliche Menschen. Die Frage ist nur:

Gefährlich für wen? Und vor allem: Warum?

Herr Leo Löwenstein

14.03.2017, 11:48 Uhr

Frau Annette Bollmohr - 14.03.2017, 10:44 Uhr
"Gefährlich für wen? Und vor allem: Warum?"

Gefährlich deswegen, weil es Nachahmer geben könnte. Und das darf es aus Sicht der betroffenen Geheimdienste nicht geben. Auch andere Geheimdienste haben ein Interesse, dass solche Menschen auf irgendeine Art bestraft werden und dies öffentlich gemacht wird.

Weitere Helfer, um Skandale aufzudecken, müssen abgeschreckt werden. Deshalb müssen diese Menschen unterstützt werden. Nur durch Mithilfe weniger mutiger ist es möglich, echte Missstände aufzudecken.

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