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08.07.2014

07:07 Uhr

NSA

Der Schattenstaat

VonAxel Postinett

Der frühere US-Präsident George W. Bush hat den Geheimdienst NSA nach dem 11. September von der Kette gelassen. Nun ist er für die Politik kaum noch beherrschbar. Wie konnte das passieren? Eine Spurensuche.

Reuters

San FranciscoFassungslosigkeit machte sich bei Senator Bernie Sanders breit. Auf seine Frage, ob der US-Geheimdienst NSA auch Mitglieder des US-Kongresses ausspioniere, bekam er Anfang 2014 zur Antwort, das wisse man bei der NSA nicht. Es wäre zudem gegen das Gesetz, dies herauszufinden denn es würde die Privatsphäre des Senators verletzen. Ausschließen wollte es der NSA-Chef aber nicht. Für Sanders war damit klar: Da ist etwas außer Kontrolle. „Meiner Meinung nach“, antwortete der streitbare  Senator aus Vermont, „könnten die gesammelten Informationen einer skrupellosen Verwaltung enorme Macht über gewählte Volksvertreter geben.“

Nicht jeder Politiker ist sich der Problematik so bewusst. Eine Koalition aus 22 Bürgerrechtsvereinigungen unter Führung der Electronic Frontier Foundation (EFF) veröffentlich seit wenigen Tagen auf StandagainstSpying.org den Einsatz der Volksvertreter für Bürgerrechte im Internet. Von 100 Senatoren und 433 Kongressmitgliedern bekamen nur 45 Prozent in Punkto Einsatz für digitale Privatsphäre eine „A“-Note, die beste Schulnote, die in den USA vergeben wird. Immerhin 188 Gesetzgeber fielen bei dem Test durch. Volle 14 Prozent bekamen wegen Tatenlosigkeit gar keine Wertung. Sie haben schlicht nichts unternommen. Weder bevor Edward Snowden mit der Veröffentlichung tausender NSA-Dokumente Mitte 2013  den größten Datenskandals der USA seit Watergate aufgedeckt haben, noch davor.

Zu tun gegeben hätte es dabei genug, und das schon früh. Begonnen hatte alles am 11. September 2001. In den Büros des NSA-Hauptquartiers, so der frühere NSA-Analyst J. Kirk Wiebe gegenüber dem öffentlichen TV-Sender PBS, so etwas wie die ARD der USA,  in der Dokumentation „United States of Secrets“, liefen an diesem Tag alle TV-Geräte: „Die Informationen über das Attentat kamen aus dem Fernseher, nicht aus unseren NSA-Computern, weil wir das alles komplett verpasst hatten.“ Die mächtige NSA, nach dem 2. Weltkrieg gegründet um ein Desaster wie den Überraschungsangriff der Japaner auf Pearl Harbor in Zukunft zu verhindern, hatte restlos versagt. Ein Albtraum. Seit dem Watergate-Skandal unter Präsident Richard Nixon stand die NSA politisch unter starker Beobachtung. Die Regierung unter George W. Bush ließ sie wieder von der Kette.

Wie die NSA das Internet überwacht

Immer neue Enthüllungen

Seit Sommer 2013 kommen immer neue Details über Spionageaktivitäten von Geheimdiensten im Internet ans Licht. Sie basieren auf Dokumenten, die der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden an Journalisten übergab. Ein Überblick über die zentralen Erkenntnisse.

Prism

Prism: Der Name stand zunächst für die gesamte Affäre, umfasst aber nur einen Teil des Repertoires der NSA. Über Prism hat der Überwachungsdienst Zugriff auf Nutzerdaten großer US-Internetfirmen, darunter Google, Yahoo, Microsoft und Facebook. Ein Geheimgericht ordnet die Herausgabe der Informationen an. Das seien etwa Inhalte von Mails, Suchanfragen oder Chats, berichtete die britische Zeitung „Guardian“. Die Firmen sind zum Stillschweigen verpflichtet. Die Internetriesen streiten vor Gericht dafür, mehr Details veröffentlichen zu dürfen.

Tempora

Tempora hießt ein Programm des britischen Dienstes GCHQ. Der GCHQ arbeitet eng mit der NSA zusammen. Gemeinsam mit Australien, Neuseeland und Kanada bilden die Länder die Allianz der «Five Eyes», («Fünf Augen»), in der Informationen ausgetauscht werden. Unter dem Codenamen Tempora soll der GCHQ mehr als 200 Glasfaserkabel anzapfen, über die Daten um die Welt rasen. So habe der GCHQ Zugriff auf den Internetverkehr, der über die angezapften Kabel läuft.

Xkeyscore

Die gewaltigen Datenmengen, die die NSA sammelt, müssen irgendwie ausgewertet werden. Dazu dient die Software XKeyscore. Damit können NSA-Analysten wie Snowden die Datenberge nach Verdächtigen durchsuchen. Der deutsche Bundesnachrichtendienst setze ebenfalls eine Version von XKeyscore ein, berichtete „Der Spiegel“.

Verschlüsselung aushebeln

Wenn Daten verschlüsselt durchs Netz geschickt werden, können Geheimdienste nicht einfach so mitlesen. Doch NSA und GCHQ können Medienberichten zufolge mehrere gängige Verschlüsselungstechniken knacken oder aushebeln, darunter die oft eingesetzt SSL-Technologie. Es ist allerdings unklar, welche Techniken genau in welchem Maße für die Dienste zugänglich sind.

Anonymität aufheben

Auch das Anonymisierungsnetzwerk Tor, mit dem Nutzer ihre Spuren im Netz verwischen können, war Spionageziel der NSA. Der Geheimdienst schaffte es allerdings wohl nicht, das Netzwerk direkt zu knacken.

Überwachung ausländischer Staatschefs

Nicht nur Angela Merkels Handy geriet offenbar ins Visier der NSA. Der „Guardian“ berichtete, der Nachrichtendienst habe Telefone von 35 Spitzenpolitikern überwacht. Auch die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff und ihr mexikanischer Kollege Enrique Peña Nieto seien ausgespäht worden.

Angriff auf Google und Yahoo

Die NSA konnte laut der „Washington Post“ den Datenverkehr zwischen den Rechenzentren der beiden Internet-Riesen abgreifen. In den Rechenzentren werden Informationen aus E-Mail-Diensten, Suchanfragen oder Dokumente der Nutzer gespeichert. Inzwischen sollen die Daten auch zwischen den Rechenzentren verschlüsselt unterwegs sein.

Was nach dem Attentat passierte, beschreibt Barton Gellmann von der Washington Post so: „Vizepräsident Dick Cheney sagte CIA-President George Tenant im übertragenen Sinne ‚Mach‘ mir eine Einkaufsliste, sag mir, was ihr machen wollt, aber nicht dürft‘“. Der Grundstein war gelegt für das, was später nur noch kurz und prägnant „Das Programm“ genannt wurde. NSA und CIA reichten ihren Wunschzettel ein. Darauf die komplette Überwachung des Internetverkehrs, der über US-Server läuft und flächendeckende Sammlung von Telefondaten amerikanischer Bürger. Das alles ohne eine bislang vorgeschriebene gerichtliche Verfügung. Der neue „Patriot Act“, der der Regierung enorme Freiheiten einräumte, sollte es möglich machen.

Kommentare (7)

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Herr Uwe Hans

08.07.2014, 07:39 Uhr

Der frühere Präsident Truman erschuf die NSA 1952 primär um einen besseren Kontakt und Dialog mit Ausserirdischen herzustellen. Ihre zweite Aufgabe war weltweit alle Kommunikation abzuhören. Eine Marionette wie Obama hat da garnichts zu sagen. Der 9/11 False Flag Terror wird jetzt ! noch beträchtlich erweitert beim nächsten, noch größeren False Flag Attentat ....

Herr Thomas Brugger

08.07.2014, 08:10 Uhr

..... klingt komisch, ist aber so!!!

Frau Heide Schweizer

08.07.2014, 09:06 Uhr

Abgesehen, dass angebl. ein Deutscher beim Spionieren "geholfen" haben soll, hat die Bundesrep.Deutschland jahrzehntelang internationle Verantwortung zu uebernehmen (s.Scheckbuchpolitik) abgelehnt, jetzt lehnt ein grosser Teil der Bundesbuerger Verantwortung auch ab.
Um es mit I.Kant zu sagen:"Wer sich zum Wurm macht, soll nicht klagen, wenn er getreten wird"!

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