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06.10.2016

02:30 Uhr

NSA-Mitarbeiter verhaftet

Der zweite Snowden?

Das FBI hat einen externen Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA festgenommen. Er soll Staatsgeheimnisse gestohlen haben. Allerdings scheinen die Behörden den Fall bisher anders zu behandeln als den Fall Edward Snowden.

Gelände der NSA in Fort Meade (Maryland, USA): Ein externer Mitarbeiter des Geheimdienstes soll geheime Dokumente mitgenommen haben. AP

National Security Agency (NSA)

Gelände der NSA in Fort Meade (Maryland, USA): Ein externer Mitarbeiter des Geheimdienstes soll geheime Dokumente mitgenommen haben.

WashingtonEin externer Mitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA ist wegen mutmaßlichen Diebstahls von Staatsgeheimnissen verhaftet worden. Das US-Justizministerium bestätigte am Mittwoch, dass gegen den 51-jährigen Harold Thomas M. ein Ermittlungsverfahren laufe. Festgenommen wurde er demnach bereits im August durch das FBI.

Zur gleichen Zeit hatte die US-Regierung auch eingestanden, dass Hacker-Werkzeuge der NSA möglicherweise ins Internet gelangt seien. Inwieweit es einen Zusammenhang zu der Festnahme gibt, war nicht klar.

Das Weiße Haus rief am Mittwoch zu Wachsamkeit im Umgang mit Staatsgeheimnissen auf. Alle Geheimnisträger müssten Informationen schützen, die die nationale Sicherheit gefährden könnten, sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Josh Earnest. Präsident Barack Obama betrachte die Lage als ziemlich erst.

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Der Fall erinnert an Edward Snowden, der ebenfalls als externer Mitarbeiter der NSA 1,5 Millionen geheime Dokumente gestohlen und sie 2013 an Journalisten weitergegeben hatte. Dadurch wurde das Ausmaß der NSA-Abhöraktionen bekannt.

M. hatte einem Zeitungsbericht zufolge als Mitarbeiter des Unternehmens Booz Allen Hamilton für die NSA gearbeitet, wurde allerdings mittlerweile entlassen. Booz Allen Hamilton hilft der NSA laut "New York Times" als privater Dienstleister bei vielen ihrer sensibelsten Cyber-Operationen. Für die Firma hatte auch Edward Snowden vor seinen Enthüllungen über die weltweiten Überwachungsprogramme der NSA gearbeitet.

Snowden, der vor einer Anklage wegen Spionage nach Russland ins Exil flüchtete, schrieb auf Twitter über seinen Kollegen: „Lese ich das richtig, dass er nicht nach dem Spionagegesetz angeklagt wurde? Unter dieser Regierung ist es bemerkenswert, dass das fehlt.“

Die "New York Times" berichtete, die Ermittler seien noch dabei, M.s Motiv zu prüfen. Es sehe aber nicht nach einem Spionagefall aus, hieß es in dem Bericht. Der gegen M. vorliegenden Strafanzeige zufolge wird ihm unautorisiertes Entfernen und Aufbewahren geheimer Materialien vorgeworfen, worauf maximal ein Jahr Haft steht, sowie Diebstahl von Regierungseigentum mit einem Höchststrafmaß von zehn Jahren. Das Justizministerium könnte allerdings sehr wohl noch zusätzliche Vorwürfe gegen M. vorbringen.

Über die Festnahme des 51-Jährigen hatte zuerst die „New York Times“ berichtet. Das US-Justizministerium bestätigte der Nachrichtenagentur AP den Fall, nannte aber nicht die Geheimdienstbehörde, für die der Mann arbeitete. Aus US-Regierungskreisen erfuhr die AP aber, dass es die NSA war.

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Unter den gestohlenen Dokumenten waren demnach sechs aus dem Jahr 2014, die sensible Geheimdienstinformationen enthalten und zum Teil die nationale Sicherheit der USA betroffen haben könnten. Sie waren den Angaben zufolge deutlich als „Geheim“ markiert.

M. habe bei einer Befragung erst geleugnet, aber schließlich doch eingestanden, dass er die Dokumente in Papier- und Digitalform in sein Haus und Auto mitgenommen habe, hieß es in der Strafanzeige. „M. sagte, er wisse, dass das, was er getan habe, falsch war.“

Seine Verteidiger James Wyda und Deborah Boardman erklärten, es gebe keinerlei Hinweise darauf, dass M. sein Land habe verraten wollen. „Er hat ehrenhaft in der US-Marine gedient und seine ganze Karriere dem Dienst an seinem Land gewidmet.“

Ein Nachbar des 51-Jährigen sagte der AP, er habe an einem Samstagnachmittag im August gerade in seinem Garten gegrillt, als er einen lauten Knall gehört habe. „Sie warfen, das nehmen wir zumindest an, eine Blendgranate ins Haus und stürmten ins Haus. Sie waren elf Stunden dort - rein und raus - und sie hatten ihn draußen in Handschellen“, sagte Greg Mickley.

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