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13.06.2013

12:55 Uhr

NSA verteidigt sich

„Internetüberwachung verhindert Terrorattacken“

Gegenoffensive der NSA: Die Internet-Überwachung habe Dutzende Terrorattacken verhindert, sagt der NSA-Chef. In Hongkong erzählt Informant Edward Snowden derweil, dass die USA schon seit Jahren Computer in China hacken.

Chef der National Security Agency (NSA) Keith Alexander. Die Internetüberwachung habe bereits viele Terrorattacken verhindert. AFP

Chef der National Security Agency (NSA) Keith Alexander. Die Internetüberwachung habe bereits viele Terrorattacken verhindert.

Washington/Hongkong/PekingDie US-Regierung hat ihr weltweit kritisiertes Internet-Spionageprogramm vehement verteidigt. Es habe geholfen, Dutzende Terrorattacken zu verhindern, sagte der Chef des Geheimdienst NSA, Keith Alexander. Der auf elektronische Spionage spezialisierten NSA wird vorgeworfen, das Internet nahezu flächendeckend zu überwachen. Der Informant Edward Snowden, der geheime NSA-Papiere an die Medien gab, erzählte jetzt an seinem Fluchtort Hongkong, die US-Dienste hackten sich schon seit Jahren in chinesische Computer. China, das über eine Auslieferung an die USA entscheiden müsste, äußerte sich bisher nicht zu seinem Schicksal.

Snowden zufolge hat die NSA weltweit mehr als 61 000 Hacking-Aktionen durchgeführt, darunter Hunderte gegen China. In einem Interview mit der Hongkonger Zeitung „South China Morning Post“ sagte Snowden, dass der US-Abhördienst NSA seit 2009 versucht habe, sich Zugang zu hunderten von Zielen in China und Hongkong zu verschaffen. „Wir hacken uns in die Datenübertragungsleitungen der Netzwerke, so etwas wie große Internetrouter im wesentlichen, die uns Zugang zu der Kommunikation von hunderttausenden Computern geben, ohne jeden einzelnen hacken zu müssen“, sagte Snowden.

„Vergangene Woche arbeitete die amerikanische Regierung noch zufrieden im Schatten ohne Rücksicht auf eine Zustimmung der Regierten - aber das ist jetzt vorbei“, sagte Snowden. Jede Ebene der Gesellschaft verlangt Rechenschaft und Aufsicht.“ Er habe diese Informationen veröffentlicht, um die „Scheinheiligkeit“ der US-Regierung aufzuzeigen, wenn sie behaupte, dass sie - anders als ihre Feinde - nicht auf die zivile Infrastruktur abziele.

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Edward Snowden war zwar nicht bei der National Security Agency angestellt, doch der Computertechniker konnte problemlos auf vertrauliche Informationen des US-Geheimdienstes zugreifen – dank einer Outsourcing-Initiative.

„Sie tut es nicht nur, sondern ist derart besorgt, dass dies bekannt wird, dass sie bereit ist, alle Mittel wie etwa diplomatische Einschüchterung einzusetzen, um ein Bekanntwerden dieser Informationen zu verhindern“, sagte der 29-Jährige, der sich nicht als Verräter, sondern als amerikanischer Patriot sieht. „Ich glaube an die Meinungsfreiheit“, sagte Snowden. „Ich habe aus gutem Willen gehandelt.“ Die Öffentlichkeit solle sich ihre eigene Meinung bilden.

NSA-Chef Alexander sagte am Mittwoch vor einem Senatsausschuss in Washington aus. Es war das erste Mal, dass er sich öffentlich zu den Programmen zur massiven Daten-Sammlung äußerte, seit der ehemalige Geheimdienstler Snowden sie vergangene Woche enthüllt hatte. „Dies hat geholfen, Dutzende terroristische Ereignisse zu verhindern“, sagte der General. Er versprach, eine exakte Zahl zu veröffentlichen.

Im einzelnen erwähnte der NSA-Chef jetzt bereits zwei Fälle. Einer davon sei der geplante Anschlag von drei Islamisten auf die New Yorker U-Bahn im September 2009. Das Trio war aber einen Tag vor der Aktion aufgeflogen. Alexander erwähnte außerdem David Headley, der wegen seiner Beteiligung an der Terrorattacke in Mumbai 2008 in einem US-Gefängnis sitzt. „Ich glaube, wir tun hier das Richtige, um die amerikanischen Bürger zu beschützen“, sagte Alexander.

Chinas Regierung übte grundsätzlich Kritik an Computerspionage, äußerte sich am Donnerstag aber nicht zum Fall Snowden. „Wir sind gegen alle Formen von Cyber-Attacken“, sagte die Außenamtssprecherin dazu nur allgemein. China sei selbst „eines der großen Opfer“ von Computerangriffen und befürworte Dialog mit anderen Ländern, um gemeinsam die Sicherheit im Internet zu gewährleisten.

Die USA hatten China zuletzt in immer schärferem Ton vorgeworfen, hinter massiven Cyber-Attacken im Westen zu stecken. Die chinesische Regierung hatte dies stets bestritten.

Von

dpa

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

13.06.2013, 13:14 Uhr

Lüge.

Um das alles zu verstehen muss man weit über den Tellerand schauen... Das Ziel ist eine totalitäre Weltregierung, die im Westen bereits vielfältig Form annimmt. Nie war dieses Ziel realistischer als heute mit diesen unglaublichen technischen Möglichkeiten.

Wozu? Bitte einfach die Bevölkerungsentwicklung anschauen, dann die Entwicklung der Wasserreserven etc und sich dann fragen wer der Feind ist.

Diese Form der Sicherheit, die den Leuten hier verkauft wird, gibt es nur auf Kosten der Freiheit. Aber was ist Sicherheit ohne Freiheit? Ein Leben im Gefängnis.

Account gelöscht!

13.06.2013, 13:22 Uhr

Die Debatte ist alt und IMMER AKTUELL

They who can give up essential liberty to obtain a little temporary safety deserve neither liberty nor safety. Benjamin Franklin

"When the people fear the government, there is tyranny. When the government fears the people, there is liberty." Thomas Jefferson

Account gelöscht!

13.06.2013, 13:32 Uhr

Ein Aspekt der bislang weitgehend ausgeblendet wird ist die Hardware. Wie sicher sind Router von z.B. Cisco (natürlich USA Firma). Wie sicher sind Glasfaserkabel (die kann man splitten)?
Man erinnere sich z.B. an die Unfälle, wo die Kabel nach Iran und Ägypten auf dem Meeresgrund "zufällig" durch ein dumme Fischerboote "gerissen" wurden (da muß eine Plage solcher Boote ausgebrochen sein). Gute Gelegenheit so einen Kabel-Splitter einzubauen, nicht?
Wie sicher sind Computer, Firewalls und Handy-Hardware?
Werden wir da auch "ver-appled"?

Die Jungs haben wenigsten Humor!
Skype (Microsoft), die alle Skype-Gespräche in Bild und Ton speichern, hat noch die Frechheit zu werben, "Ihre Privatsphäre ist uns wichtig". Und das ist noch nicht einmal gelogen. (gefunden als anonymer Blog-Kommentar)

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