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01.04.2016

05:07 Uhr

Nukleargipfel

Angst vor dem Atomterror

VonMoritz Koch

US-Experten warnen: Das Risiko einer nuklearen Katastrophe ist heute größer als im Kalten Krieg. Beim Nukleargipfel in Washington steht das Thema weit oben - aber auch die Terrorgruppe-IS steht im Mittelpunkt.

Sicherheit und Schutz

Darum geht es beim Nukleargipfel in Washington

Sicherheit und Schutz: Darum geht es beim Nukleargipfel in Washington

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WashingtonEs ist drei Minuten vor zwölf. Bei einem Blick auf die „Doomsday Clock“, mit der Atomforscher die Wahrscheinlichkeit einer globalen Katastrophe angeben, soll dem Betrachter Angst und Bange werden. „Das Risiko einer nuklearen Katastrophe ist heute größer als im Kalten Krieg“, warnt der frühere amerikanische Verteidigungsminister William Perry. „Und die Öffentlichkeit ist sich dessen überhaupt nicht bewusst.“

Was Perry alarmiert, sind nicht nur die geopolitischen Spannungen, die Modernisierung des russischen Kernwaffenarsenals, die Militarisierung des südchinesischen Meeres und die Drohgebärden Nordkoreas. Es ist vor allem die Angst vor einem nuklearen Terroranschlag. Extremisten haben ihr eigenes Kalkül, sie widersetzen sich der bewerten Logik der nuklearen Risikokontrolle. Für einen Todeskult wie den Islamischen Staat in Syrien und im Irak (IS) ist das Gleichgewicht des Schreckens bedeutungslos, die gegenseitige Vernichtungsgarantie eines Atomkriegs ist für religiöse Fanatiker keine Abschreckung, sondern ein Ansporn.

Die vielen Namen der Extremistenmiliz IS

Isil

Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ und ist vor allem im Englischen noch häufig zu hören. Sie kommt der Übersetzung des arabischen Namens recht nahe. Dort ist vom Islamischen Staat im Irak und „al-Scham“ die Rede, also Großsyrien unter den Omajaden und später den Abbasiden.

Isis

Die Kurzform von „Islamischer Staat im Irak und Syrien“.

Isig

Diese Abkürzung benutzt die Bundesanwaltschaft in ihren Pressemitteilungen. Sie steht für den „Islamischen Staat im Irak und Großsyrien“.

IS

So nennt sich die Organisation selbst seit der Ausrufung ihres Kalifats 2014. Die Abkürzung steht für „Islamischer Staat“. Kritiker lehnen diese Bezeichnung ab, weil sie den Anspruch der Miliz untermauere, einen echten Staat – und noch dazu einen islamischen – geschaffen zu haben. Manche sprechen deshalb vom „sogenannten Islamischen Staat“.

Daesch oder Daisch

Als Alternative ist in den vergangenen Monaten vermehrt die Bezeichnung Daesch oder Daisch in Mode gekommen. Dies ist die arabische Abkürzung für die Bezeichnung „Islamischer Staat im Irak und al-Scham“ (Al Daula al-Islamija fi al-Irak wa al-Scham). In den Ohren von Muttersprachlern klingt sie despektierlich, der IS selbst lehnt sie ab. Das ist ein Grund mehr für Gegner der Extremisten, sie zu verwenden.

Die US-Regierung hält das Risiko eines nuklearen Anschlags für „nicht quantifizierbar“. Ex-Pentagon-Chef Perry wird konkreter: Er fürchtet, dass „der erste atomare Terrorangriff nur noch eine Frage der Zeit ist“. Die Konsequenzen wären verheerend, „um ein vielfaches schlimmer als die Anschläge vom 11. September 2001“, glaubt Perry.
Aus diesem Grund ist der Nukleargipfel, bei dem Obama mit Staatenlenkern aus aller Welt zusammensitzt, von so großer Bedeutung. Das wichtigste Ziel der Konferenz ist die Sicherung von radioaktivem Material. Zwar wird der Gipfel von der Abwesenheit Russlands überschattet, der Konflikt um die Zukunft der Ukraine ist noch lange nicht überwunden. Und doch zählen Experten wie Perry die Verhandlungen über Nuklearsicherheit zu den wichtigsten – und vielfach übersehenen – Erfolgen der scheidenden US-Regierung.

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