Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.07.2017

07:33 Uhr

Nur noch sechs statt 13 Forderungen

Blockade-Länder kommen Katar entgegen

Saudi-Arabien und die anderen Blockade-Länder scheinen Katar entgegenzukommen. Nur noch sechs der 13 Forderungen sollen erfüllt werden. Der Sender Al Jazeera soll vielleicht doch nicht schließen müssen.

Saudi-Arabien, Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten die diplomatischen Beziehungen zu Katar auf Eis gelegt. dpa

Katar

Saudi-Arabien, Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten die diplomatischen Beziehungen zu Katar auf Eis gelegt.

New YorkIm Streit mit Katar hat Saudi-Arabien das Golfemirat aufgefordert, sechs der einst 13 Forderungen zu erfüllen, um den diplomatischen Konflikt zu lösen. Darunter seien etwa die Verpflichtung, Extremismus und Terrorismus zu bekämpfen und den Nachrichtensender Al Jazeera nur gegebenenfalls zu schließen, sagte der UN-Botschafter von Saudi-Arabien bei einem Treffen mit Journalisten in New York am Dienstag. Abdallah al-Muallimi sagte, Aufstachelung zu Gewalt müsse aufhören.

„Wenn der einzige Weg dahin ist, Al Jazeera zu schließen, gut. Wenn wir es schaffen können, ohne Al Jazeera zu schließen, auch gut“, so Al-Muallimi. Die vier im Streit mit Katar liegenden Länder seien der Ansicht, dass es für das Golfemirat leicht sei, die Forderungen zu erfüllen. Beide Seiten könnten über „Taktiken“ und „Instrumente“ sprechen, um die Prinzipien durchzusetzen. Dabei seien auch Diskussionen und Kompromisse möglich.

Krise am persischen Golf: Katarer müssen künftig Visum für Ägypten beantragen

Krise am persischen Golf

Katarer müssen künftig Visum für Ägypten beantragen

Der Streit zwischen Katar und vier arabischen Nachbarn hat sich erneut verschärft. Ägypten streicht nun die visumsfreie Einreise für die Bürger des kleinen Golfstaates - mit wenigen Ausnahmen.

Saudi-Arabien, Bahrain, Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate hatten die diplomatischen Beziehungen zu Katar auf Eis gelegt und den Schritt damit begründet, das Land finanziere Terrorgruppen. Außerdem pflege es gute Verbindungen zu Iran. Unter anderem forderte das Quartett Katar auf, Al Jazeera dicht zu machen und türkische Soldaten, die auf einem Militärstützpunkt im Emirat stationiert sind, aus dem Land zu schicken.

Mit Blick darauf sagte der UN-Botschafter Saudi-Arabiens, Katars Zukunft liege bei seinen Nachbarn und nicht bei „Plätzen weit weg“, womit er sich vermutlich neben der Türkei auch auf den Iran bezog. Wenn die Türkei eine konstruktive Rolle bei der Vermittlung in dem Konflikt spielen wolle, sei sie willkommen, sagte Al-Muallimi. Doch dies ginge nicht durch Militärstützpunkte oder militärische Einmischung. Das schade lediglich dem Ruf der Türkei in der arabischen Welt.

Die UN-Botschafterin der Vereinigten Arabischen Emirate, Lana Nusseibeh, warnte, es werde schwer für Katar werden, wenn es die wesentlichen Prinzipien darüber, wie Terrorismus und Extremismus in der Region definiert würden, nicht akzeptiere. „Die Wege könnten sich für eine Weile trennen, um Dinge zu klären“, sagte sie.

Der Konflikt in Katar

Warum ist das Emirat Katar so wichtig?

Das Land hat nur rund 270.000 Staatsbürger - ist aber weltweit der größte Produzent von flüssigem Erdgas und teilt sich ein gewaltiges Unterwasser-Gasfeld mit dem Iran. Außerdem werden vom Luftstützpunkt Al-Udeid aus Angriffe der von den USA angeführten Anti-IS-Koalition gegen die Terrormiliz im Irak und in Syrien geflogen.

Die Rolle der Medien

Zudem ist in Katar das Nachrichten-Netzwerk Al-Dschasira ansässig, das in Verhandlungen mit Gruppierungen, von denen sich viele Regierungen lieber fernhalten, oft eine größere Rolle spielt. So half das Netzwerk beispielsweise dabei, Mitglieder der Herrscherfamilie aus einer Geiselnahme zu befreien. Außerdem sicherte Al-Dschasira die Freilassung von Geiseln im syrischen Bürgerkrieg.

Warum steht Katar im Konflikt mit den mächtigsten arabischen Ländern?

Spannungen zwischen Katar und Saudi-Arabien sind bereits vor zwei Wochen an die Oberfläche getreten. Katar gab an, dass die staatlich geführte Nachrichtenagentur und der offizielle Twitter-Account des Landes gehackt worden seien, um eine Falschnachricht zu verbreiten. Darin soll der katarische Emir, Scheich Tamim bin Hamad al-Thani, den Iran eine „regionale und islamistische Macht, die nicht ignoriert werden kann“ genannt haben.

Kampagne in den Medien

Medien auf der arabischen Halbinsel ignorierten das Dementi Katars und verbreiteten weiterhin den Kommentar, während Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Ägypten den Zugang zu Al-Dschasira und mit dem Netzwerk verbundenen Seiten blockierten. Saudische Medien starteten eine aggressive Kampagne, die Katar vorwarf, Terrorgruppen mit Verbindungen zu Al-Kaida und der Terrormiliz Islamischer Staat zu unterstützen - und damit die Region zu destabilisieren und Verbündeten in den Rücken zu fallen. Weitere Medien schienen sogar einen Machtwechsel in Katar zu befürworten und warfen dem Emir vor, ein Geheimtreffen mit den Kommandeur der Iranischen Revolutionsgarde, Kassem Soleimani, abgehalten zu haben.

Vorwurf der Unterstützung der Muslimbruderschaft

Die Vereinigten Arabischen Emirate schienen wegen Katars Unterstützung von Islamisten in der Golf-Region und Libyen schon länger verärgert zu sein. Saudi-Arabien und Ägypten werfen Katar zudem vor, die als Bedrohung eingestufte Muslimbruderschaft zu unterstützen. Saudi-Arabien hält Katar außerdem vor, vom Iran gestützte Terroristengruppen in seiner Provinz Katif und dem angrenzenden Bahrain sowie Rebellen im Jemen zu fördern. Auch westliche Regierungen haben Katar vorgeworfen, sunnitische Extremisten wie den Al-Kaida-Zweig in Syrien zu dulden oder sogar zu fördern. Das Land unterstützt außerdem die Hamas im Gazastreifen.

Was sind die Konsequenzen des Streits?

Die Kappung der Verbindungen könnte für Katar längerfristige wirtschaftliche Konsequenzen haben - die sich wiederum auf Millionen von Wanderarbeitern und Auswanderern übertragen würden. Ein Großteil der Nahrungsmittel für Katar kommt aus Saudi-Arabien über die einzige Festland-Grenze Katars, die Saudi-Arabien nun aber geschlossen hat.

Risiko des Konflikts

Nach Angaben des Risiko-Beratungsunternehmens Eurasia Group ist die Gefahr eines Staatsstreiches erheblich gestiegen. Eine Änderung in der Regierung Katars könnte auch Fragen über die Zukunft des US-Luftstützpunktes aufwerfen und die Hamas ihren bisher größten Gönner kosten.

USA als Schlichter

US-Außenminister Rex Tillerson rief die Parteien dazu auf, ihre Streitigkeiten beizulegen. Saudi-Arabien hat den sich im Land aufhaltenden Katarern eine Frist von 14 Tagen gegeben, um das Land zu verlassen. Zudem sollen Saudis Katar weder bereisen oder sich dort ansiedeln. Katar zog seine Truppen aus der von Saudi-Arabien angeführten Koalition im Bürgerkriegsland Jemen zurück. Ägypten und Saudi-Arabien schlossen den Luft- und Seeraum für Katar - was vor allem die Fluglinie Qatar Airways betrifft, einen der größten Passagierbeförderer der Region. Die saudische Fluglinie Ethihad Airways, FlyDubai und die größte Fluggesellschaft im Nahen Osten, Emirates, stellten Flüge nach Katar ein.

Gibt Katar nach?

Katar bestreitet seine Unterstützung für Terroristengruppen in Syrien und anderen Länder. Und das, obwohl dem Land vorgeworfen wird, sunnitische Rebellengruppen zu fördern, die die syrische Regierung des Amtes entheben wollen. Offenbar ging katarisches Geld auch an Gruppen wie die Muslimbruderschaft. Die katarischen Herrscher zeigen sich von dem Konflikt bisher jedoch unbeeindruckt. Medien des Landes verbreiteten eine Karikatur, die sich darüber lustig machte, dass der saudische König Salman Fake News verbreite.

Katar gegen Saudi-Arabien

In der vergangenen Woche hatte Katars Emir den iranischen Präsidenten Hassan Ruhani angerufen, um ihm zu Wiederwahl zu gratulieren - eine klare und offene Widerlegung saudischer Bemühungen, Katar auf Linie zu bringen. Der Emir Katars könnte sein Land aus dem Golf-Kooperationsrat zurückziehen.

Wie geht es weiter?

Bereits vor drei Jahren hatten mehrere Golfstaaten wegen Katars Unterstützung für die Muslimbruderschaft ihre Botschafter für neun Monate aus Katar abgezogen. Details des Abkommens, das den Konflikt damals löste, wurden nie offiziell bekannt - aber darunter waren Zusagen Katars, die Förderung der Bruderschaft einzustellen. Die aktuellen Forderungen an Katar sind derzeit noch verschwommen, es könnte jedoch zu einem ähnlichen Ablauf wie vor drei Jahren kommen - oder beide Seiten könnten sich noch mehr in ihre Positionen verbeißen.

Von

ap

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Ilyas Kurtbecer

19.07.2017, 10:45 Uhr

Der Terroristen Unterstützer Nr. 2 Saudi Arabien (angeführt von der Nr.1 USA) wirft einem anderen Land Terrorunterstützung vor. Wenn es nicht so ernst wäre, könnte man darüber lachen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×