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26.08.2011

22:37 Uhr

Obama bricht Urlaub ab

New York legt U-Bahnen und Busse still

VonNils Rüdel

Das hat es noch nie gegeben: New York stellt ab morgen den öffentlichen Nahverkehr ein. Amerika zittert vor dem Hurrikan Irene. US-Präsident Obama brach seinen Urlaub ab und warnte: „Treffen Sie Vorkehrungen. Sofort.”

Skyline von New York. Am Samstag fahren wegen Hurrikan Irene keine U-Bahnen und Busse in der Metropole. dapd

Skyline von New York. Am Samstag fahren wegen Hurrikan Irene keine U-Bahnen und Busse in der Metropole.

WashingtonEr wollte trotz des Sturms bis Samstag bleiben, doch nun muss sich auch der mächtigste Mann der Welt beugen: Wegen des herannahenden Hurrikans Irene bricht US-Präsident Barack Obama seinen Urlaub ab und kehrt schon am heutigen Freitagabend, einen Tag früher als geplant, nach Washington zurück. Das teilte sein Sprecher am Nachmittag mit. Obama verbringt seine Ferien mit Familie auf der Insel Martha’s Vineyard vor der Küste von Massachusetts, die auf dem Weg des Wirbelsturms liegt.

Zuvor hatte der Präsident in einer Ansprache die Bewohner der Ostküste aufgefordert, den Abweisungen der Behörden zu folgen und Vorkehrungen für den Notfall zu treffen. „Ich kann  nicht genug betonen: Wenn Sie auf dem voraussichtlichen Weg des Hurrikans leben, treffen Sie Vorkehrungen. Sofort.” Niemand dürfe jetzt zögern. “ Aller Voraussicht nach wird dies ein historischer Hurrikan”, sagte der Präsident, der sich zuvor mit Heimatschutzministerin Janet Napolitano und weiteren hochrangigen Katastrophenschützern sowie Gouverneuren besprochen hatte.

Präsident Obama im Urlaub. Martha's Vineyard hat er wegen des nahenden Hurrikans aber wieder verlassen. dapd

Präsident Obama im Urlaub. Martha's Vineyard hat er wegen des nahenden Hurrikans aber wieder verlassen.

Während Irene langsam, aber unaufhaltsam auf die US-Ostküste zusteuert, treffen Millionen Menschen letzte Vorbereitungen für den Monstersturm. In New York begannen die Behörden, Krankenhäuser in niedrig gelegen Gegenden zu evakuieren. Sämtliche Bauarbeiten wurden eingestellt. Wie Bürgermeister Michael Bloomberg am Abend mitteilte, werden ab morgen Mittag keine U-Bahnen und Busse mehr fahren. Auch die Nahverkehrszüge nach Long Island und in die Ortschaften im Norden von New York werden vorübergehend stillgelegt. Einmalig in der 107-jährigen Geschichte der New Yorker U-Bahn. Anders als im Rest der USA haben viele New Yorker kein Auto und sind auf Bus, U-Bahn und Regionalzüge angewiesen.

Zuvor hatten die Behörden eine Hurrikan-Warnung ausgerufen für das Stadtgebiet, Long Island, Connecticut und Teile New Jerseys. Am Sonntagabend soll Irene nach jüngsten Berechnungen auf die Metropole treffen. Mehr als 250.000 Einwohner New Yorks müssen ihre Häuser verlassen. Nach der Anordnung von Bürgermeister Bloomberg vom Freitag werden alle tiefliegenden Gebiete in Wassernähe evakuiert. Ältere Menschen und Krankenhauspatienten in diesen Gebieten wurden bereits am Freitag in Sicherheit gebracht.

„Wir haben niemals zuvor eine verpflichtende Evakuierung angeordnet, würden es aber nicht machen, wenn der Wirbelsturm nicht sehr gefährlich werden könnte“, sagte Bloomberg.

Video

Wie sich Amerika gegen den Sturm wappnet

Video: Hurrikan „Irene”: Notstand in New York

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Auch in anderen Gebieten bereiten sich die Menschen auf das Schlimmste vor. Stromversorger stellten Notfallpläne auf, Techniker in einem Dutzend Atomkraftwerke entlang der Küste trafen Vorkehrungen. Die ersten Sturmwellen erreichten am Freitag die Inselkette Outer Banks, wo bereits tausende Einwohner und Touristen ins Landesinnere geflohen sind. Nach Angaben eines Meteorologen wurden dort zwei bis drei Meter hohe Wellen gesehen. In sechs Bundesstaaten gilt seit Freitag der Notstand. In Teilen Virginias wurden Zwangsevakuierungen angeordnet.

Hurrikan Irene nähert sich der Ostküste der USA. AFP

Hurrikan Irene nähert sich der Ostküste der USA.

Irene hat sich inzwischen etwas abgeschwächt und gilt laut National Hurricane Center als Hurrikan der Kategorie zwei. Dennoch wird der Sturm laut neuesten Berechnungen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 170 Stundenkilometern morgen über die Küste von North Carolina herfallen. Auf seinem weiteren Weg liegen dann Washington, Philadelphia, New York und Neuengland. Betroffen sind 65 Millionen Menschen.

Deshalb wird für das Wochenende ein Verkehrschaos an der Ostküste erwartet. Fluggesellschaften sagten bereits am Donnerstag mehr als 100 Flüge ab und brachten Maschinen in Sicherheit, die Eisenbahngesellschaft Amtrak kündigte an, die meisten Züge südlich der Hauptstadt Washington in den kommenden drei Tagen zu streichen.  

Die schlimmsten Hurrikane seit 1980

Katrina

Katrina verwüstete 2005 die Region um New Orleans. 1322 Menschen starben, auch später in den überfluteten Straßen. Die Schäden beliefen sich, laut Münchener Rück, auf 125 Milliarden US-Dollar, wovon 62,2 Milliarden versichert waren.

Ike

2008 fegte Hurrikan Ike über Kuba, Haiti und die USA. 170 Personen kamen ums Leben, Schäden von 38,3 Milliarden Dollar entstanden. Davon versichert: 18,5 Milliarden.

Andrew

Hurrikan Andrew suchte im Jahr 1992 den US-Bundesstaat Florida heim. Es gab 62 Tote und Schäden in Höhe von 26,5 Milliarden Dollar. Versichert waren davon 17 Milliarden.

Ivan

Im Jahr 2004 tobte Hurrikan Ivan durch die Karibik und über den USA. Schreckensbilanz: 125 Tote, 23 Milliarden Dollar Schaden, 13,8 Milliarden davon rückversichert.

Wilma

Ebenfalls die Karibik und die USA traf Wilma 2005. 42 Tote waren zu beklagen, Schäden von 22 Milliarden Dollar entstanden. 12,5 Milliarden hiervor waren rückversichert.

Rita

Auch im Jahr 2005 wütete Hurrikan Rita, allerdings über Florida. Zehn Tote, 16 Milliarden Dollar Schaden, 12,1 davon abgesichert.

Charley

Ebenfalls Florida traf Wirbelsturm Charley im Jahr 2004. 36 Menschen kamen ums Leben, die Sachschäden bezifferten sich auf 18 Milliarden Dollar. Acht Milliarden gingen zu Lasten der Versicherungen. 

Frances

Hurrikan Frances verschlug es 2004 bis nach Kanada und den Norden der USA. Es starben 50 Menschen, zwölf Milliarden Dollar Schaden wurden verursacht. Gedeckt waren 5,5 Milliarden.

Hugo

Bereits 1989 zog Hurrikan Hugo über die Karibik und Teile der USA. 116 Menschen kamen ums Leben, 9,6 Milliarden Schäden standen 5,1 Milliarden Versicherungssumme gegenüber.

Jeanne

2000 Todesopfer forderte Jeanne im Jahr 2004 und verursachte dabei Sachschäden in Höhe von 9,2 Milliarden Dollar. Fünf Milliarden waren rückversichert.

Irene gilt als bedrohlichster Wirbelsturm seit dem Hurrikan Gloria, der 1985 an der Ostküste wütete und elf Menschen das Leben kostete. Der aktuelle Sturm könnte nach Angaben von Analysten volkswirtschaftliche Schäden von bis zu 20 Milliarden Dollar verursachen.

(Mit Reuters)

Kommentare (4)

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Hysterion

26.08.2011, 21:40 Uhr

Klingt wie amerikanische Hysterie: danach wird die Welt nicht mehr sein wie voher: logisch.
Die glauben ihren Weltuntergangsfantasien: wie an das Amen in der Kirche.

Aber dass mit in JFK dafür von der Security mit Staatsauftrag an die Eier gefaßt wird: das bleibt einfach unglaublich!

Wetterfrosch

26.08.2011, 23:35 Uhr

Ich lese immer nur von den beispiellosen Evakuierungen aber woran bitte macht man denn nun die Gefährlichkeit fest? Stufe 2 hört sich nicht sonderlich bedrohlich an, wo wir aus dem Golf von Mexico Stufe 5 gewöhnt sind und 2-3 Meter hohe Wellen erschrecken auch noch nicht so...

Na wenigstens zetteln sie diesmal keinen Krieg an, um wovon auch immer abzulenken.

mike

27.08.2011, 04:45 Uhr

Super Werbe-Aktion für Obama !
Unglaublich gute Makrekting-Abteilungen haben sie ja schon unsere Freunde aus Ami-Land. Nur die Technik um den Wirbelsturm zu erzeugen haben sie wohl wieder woanders geklaut oder notfalls eingekauft (der Schrott-Dolllar machts möglich).

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