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09.01.2012

07:38 Uhr

Obama im Vorwahlkampf

Im Hintergrund und doch weit voraus

VonAstrid Dörner

Für die republikanischen Kandidaten geht es am Dienstag in die nächste wichtige Wahl. Doch was macht US-Präsident Obama, während sich Mitt Romney und Co. gegenseitig angreifen? Er hält sich zurück und ist doch überall.

US-Präsident Barack Obama schaut dem Wahlkampftreiben bislang nur zu. AFP

US-Präsident Barack Obama schaut dem Wahlkampftreiben bislang nur zu.

Concord/New HampshireAlexia hängt schon seit Stunden am Telefon. “Sie wissen, dass am Dienstag die Vorwahlen sind?”, fragt sie höflich ihr Gegenüber am Telefon. „Es ist wirklich wichtig, dass Obamas Anhänger in die Wahllokale gehen und ihr Kreuzchen für ihn machen. Ja, auch wenn es erst die Vorwahlen sind.“ Die junge Studentin im dunkelroten Kapuzenpulli hat schon hunderte solcher Telefonate geführt.  Vor ihr liegt eine lange Liste mit potenziellen Obama-Unterstützern. Erfolgreich absolvierte Anrufe hat sie mit einem dicken schwarzen Häkchen markiert.

Mehrmals in der Woche kommt Alexia ins Hauptquartier von Obamas Demokratischer Partei nach Concord, der Hauptstadt des Bundesstaats New Hampshire. Gemeinsam mit dutzenden anderen freiwilligen Helfern sitzt sie an dem großen rechteckigen Tisch in dem stattlichen viktorianischen Gebäude, ruft Leute an oder malt Plakate. Präsident Obama steht in Pappe und in Lebensgröße in einer Ecke, als wollte er seinen Unterstützern nahe sein und sie motivieren.

So funktionieren die US-Vorwahlen

Caucus und Primary

Die Anwärter auf die Präsidentschaftskandidatur der Konservativen müssen sich in allen 50 Bundesstaaten dem Votum der Wähler stellen. Grundsätzlich gibt es zwei Arten von Vorwahlen: Im Primary-System können Bürger einen Tag lang in einem öffentlichen Wahllokal ihre Stimme abgeben. Dieser Modus gilt in der Mehrheit der 50 Staaten, die erste Primary hält New Hampshire am 10. Januar ab. In manchen Bundesstaaten dürfen nur registrierte Parteimitglieder abstimmen, in anderen sind die Vorwahlen offen für alle. Der Caucus ist dagegen eine Parteiversammlung, bei der sich Mitglieder auf Ortsebene persönlich zur Diskussion treffen und danach abstimmen. Im ersten Vorwahl-Staat Iowa gilt am Dienstag traditionell das Caucus-System. Die genauen Regeln legt jede Landespartei selbst fest.

Der Super-Dienstag und die Etappen der Vorwahlen

Nach dem Start in Iowa folgen Vorwahlen in anderen Bundesstaaten in dichtem Takt, ehe am 6. März in mehr als zehn Bundesstaaten gleichzeitig abgestimmt wird. Bei diesem so genannten Super-Dienstag kristallisiert sich oft ein klarer Favorit heraus. Bis Ende Juni treffen die restlichen Staaten ihre Entscheidung, und die Mehrheitsverhältnisse stehen fest.

Kandidatenkür auf der Convention

Der Bundesparteitag der Republikaner in Tampa, Florida, Ende August ist deshalb nur noch reine Formsache. Dorthin werden aus den Bundesstaaten Delegierte entsandt, um den Kandidaten aufs Schild zu heben. Die Zahl der Vertreter, die jeder Staat zu der so genannten Convention entsenden darf, wird durch eine komplizierte Formel festgelegt und hängt vor allem von seiner Bevölkerungsstärke ab. Die meisten Delegierten sind in ihrem Abstimmungsverhalten an die Vorwahlergebnisse aus ihrem Heimatstaat gebunden. Einige Teilnehmer wie Gouverneure oder Parteifunktionäre, die qua Amt bei der Convention vertreten sind, haben bei ihrer Entscheidung aber freie Hand.

Der Amtsinhaber hält sich im Kampf ums Weiße Haus bislang noch vornehm zurück. Er schaut zu, wie die republikanischen Kandidaten ihn angreifen, sich aber auch  gegenseitig beschimpfen. Doch er hat seine Wahlkampfstrategen längst in Stellung gebracht. „Team Obama“ läuft auf Hochtouren – im Hintergrund, aber mit einem Umfang, der die Kampagnen aller seiner Wettbewerber in den Schatten stellt.

Allein in New Hampshire hat der Präsident acht Wahlkampf-Büros. Das größte ist nahe dem Flughafen in Manchaster und hat 20 bezahlte Mitarbeiter. Mitt Romney, der derzeit aussichtsreichste Kandidat der Republikaner hat nur ein einziges Büro, ebenso wie sein größter Konkurrent Rick Santorum. Gemeinsam haben die beiden weniger feste Mitarbeiter als Obama.

Obamas oberster Wahlkampfberater, David Axelrod, hat New Hampshire zu einem der acht Bundesstaaten erklärt, in dem die Präsidentschaftswahl am 6. November entschieden wird. Doch Obamas Leute haben sich längst auch in anderen Bundesstaaten in Stellung gebracht. Es gebe 62 „getestete, trainierte und aktive Nachbarschaftsteams“ in Michigan und 71 weitere in Colorado, sagte Obamas Wahlkampfmanager Jim Messina Anfang Januar in einer Pressekonferenz. In Nevada wurden mehr als 500 000  Wähler kontaktiert, in Florida gab es über 2500 Veranstaltungen, wie etwa gebündelte Telefonaktionen und gemeinsames Plakatemalen.

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