Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.03.2016

08:30 Uhr

Obama in Kuba

Castros rote Linien und eine ominöse Liste

Was bringt der Besuch von US-Präsident Obama in Kuba? Viele hoffen auf mehr Freiheit. Doch Präsident Raúl Castro will das Land nicht vom Kapitalismus überrollen lassen – und fordert, Menschenrechte nicht zu politisieren.

Als Castro Obamas Arm zum gemeinsamen Grüßen heben will, lässt der US-Präsident seine Hand nur schlapp herunterhängen. dpa

Halbherziger Gruß

Als Castro Obamas Arm zum gemeinsamen Grüßen heben will, lässt der US-Präsident seine Hand nur schlapp herunterhängen.

HavannaRaúl Castro ist unsicher, so eine Pressekonferenz ist er nicht gewohnt. Er schaut fragend zu US-Präsident Barack Obama: Wer fängt an? Er. Dann referiert Kubas Staatschef einige sozialistische Errungenschaften – und sagt an Obamas Adresse einen klaren Satz: „Alles was sich ändern sollte, ist exklusive Sache der Kubaner.“

Obama beeilt sich zu sagen: „Die Zukunft der Kubaner wird von den Kubanern entschieden, von niemandem sonst.“ Aber er betont auch: „Amerika glaubt an die Demokratie“, dazu gehöre Meinungsfreiheit.

Bemerkenswert ist Castros Disput mit einem US-Journalisten, der ihn nach politischen Gefangenen fragt. „Geben Sie mir die Liste“, sagt er, gestikulierend mit den Händen. Bekomme er so eine Liste, werde er sofort alle freilassen. Es gebe aber keine politischen Gefangenen.

Elizardo Sánchez, Sprecher der verbotenen, aber tolerierten kubanischen Kommission für Menschenrechte, könnte so eine Liste sofort liefern. „In diesem Moment haben wir mindestens 80 Namen“, sagt er. Viele Gefangene sind einfach wegen anderer vorgeblicher Vergehen wie Spionage oder Vaterlandsverrat zu langen Haftstrafen verurteilt worden. Und so schnell wird Castro die Geister nicht mehr los. Die Cuban American National Foundation (CANF) fertigt schnell auch eine Liste an, sie kommt auf 47 Namen. Aufgelistet mit Namen, Haftdauer und Gefängnis. „Wir haben die Erwartung, dass diese politischen Gefangenen, ohne Auflagen sofort freigelassen werden.“

Auch wenn Obama auf spanisch vom „día nuevo“, einem neuen Tag spricht – und Castro betont, man dürfe Menschenrechte bitte nicht politisieren. Die Begegnung auf der Weltbühne (1500 Journalisten sind in Havanna akkreditiert) zeigt massive Differenzen, die auch alles Tauwetter nicht beiseite wischen kann. Als Castro am Ende Obamas Arm packt und zu einem gemeinsamen Gruß nach oben ziehen will, lässt Obama ihn schlapp herunterhängen – bloß keine komischen Verbrüderungsbilder.

Was bedeutet der Besuch für die Menschen? Viele interessiert jetzt schon mehr das riesige, kostenlose Rolling-Stones-Konzernt in der Ciudad Deportiva, ausgerechnet am Karfreitag. Dass für die vielen Dissidenten kein rascher Wandel kommt, zeigen dutzende Festnahmen.

Ein bekannter Ort in Havanna ist das Coppelia, eine der größten Eisdielen Lateinamerikas, von Revolutionsführer Fidel Castro initiiert, jeden Tage mehrere tausend Gäste und lange Schlangen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×