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26.06.2015

22:26 Uhr

Obama nach Kirchenmassaker

„Die Nation teilt euren Kummer“

Mit einer bewegenden Rede hat Obama den Opfern des Massakers in Charleston gedacht. Der US-Präsident schnitt die Diskussion um die Flagge der US-Konföderierten an, berührte aber vor allem durch die Hoffnung auf Wandel.

US-Präsident Barack Obama hielt bei der Andacht für den ermordeten Pfarrer Clementa Pinckney eine Rede. Reuters

Präsident Obama

US-Präsident Barack Obama hielt bei der Andacht für den ermordeten Pfarrer Clementa Pinckney eine Rede.

CharlestonGegen Ende seiner Rede stimmt Barack Obama „Amazing Grace“ an, das Volkslied über die „erstaunliche Gnade“ Gottes in schweren Zeiten, das schon den Sklaven in den USA Kraft und Hoffnung gab. Erst zögerlich, dann begleitet von Tausenden Stimmen in der Halle in Charleston singt der erste schwarze US-Präsident die Zeilen, die übersetzt lauten: „Ich war einst verloren, aber nun bin ich gefunden, war blind, aber nun sehe ich.“

Es ist gut eine Woche nach dem Massaker an neun Afroamerikanern in einer Kirche der Höhepunkt seiner Traueransprache, die mehr wie eine Predigt wirkt. Wie ein Pastor, der sein Land wachrütteln will, zählt er die Lehren der grausamen Bluttat auf, die nun gezogen werden müssen. Dabei beruft er sich immer wieder auf Gott. „Er hat uns erlaubt zu sehen, wo wir blind waren“, ruft er unter dem Jubel der Gemeinde. Zwischendurch wischt er sich eine Träne aus den Augen.

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150 Jahre nach Abschaffung der Sklaverei ringt die amerikanische Gesellschaft mit tief verwurzeltem Rassismus. Nun konzentriert sich der Streit auf eine rotblaue Flagge. Und Obama nimmt gar das N-Wort in den Mund.

Und dann zählt er auf, was sein Land nach seiner Meinung noch immer nicht richtig sieht. „Zu lange sind wir blind gewesen gegenüber dem einzigartigen Chaos, das Waffengewalt dieser Nation zufügt“, ruft er. „Zu lang waren wir blind gegenüber dem Schmerz, den die Konföderierten-Flagge in zu vielen unserer Bürger auslöste“, meint er wegen der Kontroverse um das Symbol für die Sklaverei-Verteidiger in den Südstaaten. „Zu lang waren wir blind gegenüber der Art, wie vergangene Ungerechtigkeiten die Gegenwart weiterhin prägen“, sagt er über die anhaltende Diskriminierung von Bürgern schwarzer Hautfarbe.

Viele, die seit Jahren über Obama berichten, sprechen von einer seiner besten Reden - über die Lage der Nation, die noch lange nachwirken wird. Doch Obama weiß selbst, dass er einen schnellen Wandel der Gesellschaft nicht diktieren kann. „Niemand sollte einen Wandel der Rassenverhältnisse über Nacht erwarten“, sagte er.

Gekommen ist er für die Trauerfeier für den ermordeten Pfarrer Clementa Pinckney, der unter den neun Toten war. Der 21-jährige Dylann Roof hatte am 17. Juni bei einer Bibelstunde um sich geschossen.

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