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30.08.2013

20:39 Uhr

Obama und Syrien

Der Einzelkämpfer

VonNils Rüdel

Die Briten gehen von der Fahne, die Uno ist blockiert, zu Hause meutern die Abgeordneten: Ausgerechnet Bush-Kritiker und Friedensnobelpreisträger Obama sieht sich gezwungen, notfalls alleine gegen Syrien loszuschlagen.

Barack Obama vor dem Weißen Haus: „Krieg ist Hölle” AFP

Barack Obama vor dem Weißen Haus: „Krieg ist Hölle”

Düsseldorf„Krieg“, sagte Barack Obama einmal im Jahr 2010, „Krieg ist Hölle”. Seien die „Hunde des Krieges“ einmal von der Leine, so der US-Präsident, könne man nicht mehr absehen, wo das alles hinführt. Es ging in dem Interview um Irak und Afghanistan, und Obama sprach über die Fehler seines Vorgängers George W. Bush. Doch schneller als gedacht steht der aktuelle Präsident nun vor einer ähnlich folgenschweren Entscheidung: Sollen die USA ein souveränes Land angreifen oder nicht?

Der Fall liegt heute anders, in diesen Tagen geht es um Syrien und einen Machthaber, der offenbar sein eigenes Volk mit Giftgas massakriert. Und doch es ist eine historische Pointe: Obama, der Gegner des Irak-Krieges und Friedensnobelpreisträger, könnte sehr bald den Befehl für Luftschläge gegen Syrien geben. Und zwar möglicherweise unilateral, also im Alleingang. Ohne Uno-Mandat, und vor allem ohne die eng verbündeten Briten, die am Donnerstag überraschend einen Rückzieher gemacht hatten.

Obama hat im Augenblick weniger Mitstreiter als seinerzeit Bush vor dem Irak-Einmarsch im Jahr 2003, der eine Koalition von 43 „Willigen“ – darunter viele Zwergstaaten – zusammengeschmiedet hatte. Eine Begebenheit, die bereits Bushs ehemaligen Sprecher Ari Fleischer höhnen ließ: „Bushs Angriff war multilateral. Obama, der Bush einen Unilateralisten schimpfte, wird eine unilaterale Attacke gegen Syrien starten“, twitterte er.

Auf Großbritannien jedenfalls kann das Weiße Haus nicht mehr zählen. Nach einer hitzigen Debatte hatte das Unterhaus in London Premierminister David Cameron die Gefolgschaft verweigert. Mit knapper Mehrheit lehnte es das Parlament ab, dem Regierungschef die Vollmachten für einen Militärschlag zu geben. Zu sehr stehen das Volk und viele Abgeordnete offenbar noch unter dem Eindruck der bedingungslosen Gefolgschaft von Ex-Premier Tony Blair zu Bush.

Als Reaktion auf die Abstimmung ließ die US-Regierung umgehend klarstellen: Obama habe sowohl die Entscheidungsgewalt als auch die Entschlossenheit, notfalls allein zuzuschlagen. Dabei werde er sich von den Interessen Amerikas leiten lassen, sagte die Sprecherin des Nationalen Sicherheitsrates, Caitlin Hayden. Und für Syrien gelte das Interesse, dass jede Regierung Konsequenzen spüren müsse, die internationale Regeln über chemische Waffen verletze.

US-Verteidigungsminister Chuck Hagel betonte aber am Freitag noch einmal, dass Obama ein gemeinsames Vorgehen gegen Assad vorziehen würde. „Welche Entscheidung auch immer getroffen wird, sie soll auf internationaler Zusammenarbeit und Bemühung basieren“, sagte Hagel in Manila. Die Uno kann der Präsident aber schon mal vergessen: Gespräche der Botschafter der fünf Vetomächte im Sicherheitsrat blieben bisher ohne Annäherung zwischen den USA, Großbritannien und Frankreich auf der einen sowie China und Russland auf der anderen Seite. Frankreich zeigte sich bislang zurückhaltend, Deutschland wäre bei einem möglichen Militärschlag laut Außenminister Guido Westerwelle (FDP) ohnehin nicht dabei.

Kommentare (36)

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30.08.2013, 14:05 Uhr

Das ist dann ein ANGRIFFSKRIEG - OHNE JEGLICHE LEGITIMATION!
Die Obama-Admin wird damit EINDEUTIG zu KRIEGSVERBRECHERN und muß vor ein internationales Gericht gestellt werden.

Cameron mußte zugeben, daß es KEINE BEWEISE für eine Verantwortung der syrischen Regierung für die Gasattacke gibt!!!! Es gibt KEIN UN-MANDAT. Bisherige Untersuchungen früherer Vorfälle deuten eher auf die Schuld der US-Saudi-gesponserten TERRORISTEN hin!!!

Dabei ist mittlerweile sogar klar, daß die Saudis und damit letztlich die USA die Terroristen in Syrien finanzieren und KONTROLLIEREN. Der Saudi-Geheimdienstchef hat dies gegenüber Putin erklärt und ihm indirekt mit Terroranschlägen durch Tschetschenen gedroht (das stand im "Telegraph")!!!
-> Putin hat damit sogar einen legitimen Kriegsgrund gegen Saudi-Arabien, nämlich Landesverteidigung, zumal diese offenbar auch die Tschetschenen im damaligen Aufstand finanzierten. Eine Bombadierung der saudischen Ölfelder wurde schon von russischer Seite ins Gespräch gebracht.
-> das kann ein Flächenbrand bis hin zum "Austausch" von Atombomben zwischen Rußland und USA werden!!!!!!

Macht Rußland mobil für Syrien?
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/gerhard-wisnewski/5-freiwillige-nach-syrien-ruft-putin-zu-den-waffen-.html

Syrien beschuldigt jetzt die USA für die Chemiegas-Terrorangriffe schuldig zu sein:
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/anthony-gucciardi/syrien-usa-unterstuetzte-terroristen-bei-chemiewaffenangriff-naechste-terrorziele-in-europa.html

Hier eine Analyse von Wischnewski zur Gesamtlage:
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/gerhard-wisnewski/us-kriegsdrohungen-in-syrien-entscheidet-sich-das-schicksal-der-welt.html

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30.08.2013, 14:11 Uhr


Obama muß überhaupt nicht Krieg führen. Was erlaubt sich eigentlich dieses Land, immer und überall zu entscheiden, wie das Geschehen zu interpretieren ist und auf Basis dieser (meist an den Haaren herbeigezogenen Argumente) LUSTIG DRAUF LOSZUBOMBEN?

ES GIBT DEFINITIV derzeit KEINE BEWEISE - für Nichts (weder gegen die "Rebellen" noch gegen die Regierung Syriens) und bekanntlich stirbt in einem Krieg die Wahrheit zuerst. Die US-Administration will loslegen - Was wirklich geschehen ist, ist ihr EGAL, Völkerrecht und Menschenrechte genauso - und es eilt, es könnten ja zwischenzeitlich enthüllende Fakten auftauchen. Die FAKTENLAGE DERZEIT:

CAMERON (der britische Premierminister, 29.8.2013) im Parlament (also: hochoffiziell):

„Gegenwärtig gibt es keine hundertprozentige Sicherheit darüber, wer chemische Waffen eingesetzt hat“
-> das ist diplomatisch für: "wir haben keine Ahnung" (oder aber: "unsere Jungs/Al-CIA-da waren es wohl, aber das können wir nicht zugeben")

„Wir haben keine Beweise, dass die Opposition keine C-Waffen hat und dass das Regime diese eingesetzt hat.“
-> Übersetzung Diplomatisch-Deutsch: uns ist klar, daß unsere Söldner C-Waffen haben (aus Saudi-Arabien nämlich) und das Regime hat vermutlich keine C-Waffen eingesetzt (die wären ja auch dumm)

Die vorliegenden Hinweise „reichen nicht aus, um das Regime verantwortlich zu machen.“
-> leider können wir auf dieser Basis wohl nicht so einfach drauf-los-Bombadieren (das müssen schon erst mal die Amis machen - die sind ja nicht so zimperlich - oder aber wir brauchen einen weiteren False-Flag-Vorfall; diesmal ein bischen besser durchgeführt!)

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30.08.2013, 14:13 Uhr

1 Rakete kostet ca. 1.000.000,00 EUR und es soll 1-2 Tage Raketen regnen, da soll mir keiner mit Haushaltslöchern kommen.

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