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11.01.2017

06:15 Uhr

Obamas Abschiedsrede

„Seid Wächter der Demokratie“

VonMoritz Koch

Bei allen politischen Erfolgen: Das Ende seiner Präsidentschaft hatte sich Obama anders vorgestellt. Doch vielleicht war deswegen seine Abschiedsrede einer seiner besten Auftritte. Eine Analyse.

Obamas letzte Rede im Video

„Es war die Ehre meines Lebens, euch zu dienen“

Obamas letzte Rede im Video: „Es war die Ehre meines Lebens, euch zu dienen“

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ChicagoZum Abschied ist Barack Obama dorthin zurückgekehrt, wo alles begann. Nach Chicago, wo er zum Sozialarbeiter, zum Professor, vom Lokalpolitiker zum Heilsbringer aufstieg. Dorthin, wo in einer kalten Novembernacht seine Wahl von einer kriegsmüden, rezessionsgeplagten Nation gefeiert wurde. Acht Jahre ist das her, Obama hat sich verändert, Stress und Schlafmangel haben ihre Spuren hinterlassen. Von seinem jugendhaften Charme ist nur sein Lächeln geblieben, die Haare sind ergraut, erste Falten zeichnen sein Gesicht. Auch Amerika hat sich verändert. Zum Guten wie zum Schlechten.

Bei all seinen politischen Erfolgen: Das Ende seiner Präsidentschaft hatte sich Obama anders vorgestellt. Der erste schwarze Präsident der USA muss das Weiße Haus an einen Mann übergeben, der seine Staatsbürgerschaft mit einer rassistischen Verschwörungstheorie in Frage gestellt hatte.

Der Wahlsieg Donald Trumps hat das liberale Amerika erschüttert. „Jetzt wissen wir, wie es sich anfühlt, keine Hoffnung zu haben“, hat Michelle Obama, die sonst so optimistische First Lady, vor ein paar Tagen gesagt.

Barack Obama aber hat sich nicht noch einmal auf die Bühne gestellt, um seinen Kummer kundzutun. Er will wachrütteln, er will aufmuntern, von der wichtigsten Prämisse seiner Politik, dem Glauben, dass Amerikas beste Tage noch bevorstehen, will er sich nicht verabschieden, auch nicht in der Ära Trump. Normalerweise verabschieden sich Präsidenten mit einer kurzen Ansprache im Weißen Haus. Obama spricht eine Stunde, 18.000 Menschen stehen vor ihm, sie jubeln und sie weinen, die Nachrichtensender berichten live.

Obamas Last-Minute-Aktionen gegen Trump

Russland

Obama verhängt Sanktionen gegen Russland wegen dessen mutmaßlicher Hackerangriffe im US-Wahlkampf. Trump will bessere Beziehungen zu Moskau und hat Zweifel an der Einschätzung der US-Geheimdienste geäußert, dass Russland hinter dem Hacking steckt.

Nahost

Obama entscheidet, kein US-Veto gegen eine UN-Resolution einzulegen, in der ein Stopp israelischer Siedlungen in Palästinensergebieten gefordert wird. Trump will eine stärkere Unterstützung Israels und hat angekündigt, dass nach dem Amtswechsel am 20. Januar „alles anders wird“.

Umweltschutz

Obama verbietet Ölbohrungen in großen Teilen der arktischen Gewässer und im Atlantik. Trump will dagegen auf alte Energien wie Kohle und Öl setzen.

Naturschutz

Obama erklärt zwei Gebiete in Utah und Nevada zu nationalen Denkmälern und stellt sie damit unter besonderen Schutz. Das Trump-Team hat sich nicht dazu geäußert, aber Kritiker meinen, dass Obamas Schritt der Wirtschaft schadet und wollen, dass Trump ihn rückgängig macht.

Muslime

Obama ordnet die Schließung eines - seit 2011 nicht mehr benutzten - nationalen Registers mit Daten hauptsächlich über muslimische und arabische Männer an. Es hätte als Grundlage für eine von Trump angekündigte Datenbank bilden können, die sich nach Äußerungen aus seinem Übergangsteam auf Muslime aus „terrorexportierenden“ Ländern konzentrieren soll.

Guantánamo

Obama will rasch noch möglichst viele Häftlinge aus dem Lager Guantánamo Bay in andere Länder entlassen. Trump will „Gitmo“ nicht nur offen lassen, sondern auch neue Gefangene dorthin schicken.

Begnadigungen

Obama hat bereits die Haftstrafen einer Rekordzahl von nicht gewalttätigen Drogenkriminellen abgemildert oder Begnadigungen gewährt. Weitere sollen bis bis zum Amtswechsel hinzukommen. Trump hat sich nicht dazu geäußert, aber sein Kandidat für den Posten des Justizministers ist gegen Nachsicht für Drogenstraffällige.

Obama erwähnt seinen Nachfolger nur beiläufig, aber er skizziert eine Vision für Amerika, die im krassen Widerspruch zu Trumps Regierungsprogramm steht. In Obamas Amerika sind Einwanderer eine Bereicherung, keine Bürde. In seinem Amerika kommt Recht vor Stärke. Er beschreibt ein Land, das sich der Realität des Klimawandels stellt, eine Nation, in der Wachstum und Wohlstand kein Nullsummenspiel sind, bei der der einen Bevölkerungsgruppe genommen und der anderen gegeben wird.

Und dann sagt er einen Satz, der nur als Warnung zu verstehen ist, als Warnung vor Trump und sein Oligarchen-Kabinett. „Wenn jede wirtschaftliche Frage als Verteilungskampf zwischen einer hartarbeitenden weißen Mittelschicht und unwürdigen Minderheiten präsentiert wird, werden Arbeitnehmer aller Herkunft sich um Reste streiten, während sich die Wohlhabenden weiter in ihre Enklaven zurückziehen.“

Barack Obamas Abschiedsrede: „Wir sind noch nicht dort, wo wir hin wollen“

Barack Obamas Abschiedsrede

„Wir sind noch nicht dort, wo wir hin wollen“

Am Ende weint der scheidende US-Präsident Barack Obama. In seiner Abschiedsrede erinnert er an seine hoffnungsvolle Wahlkampfbotschaft vom Wandel – und schwört er die Amerikaner auf ihre Anständigkeit ein.

Soweit darf es nicht kommen, das will Obama sagen. Die Präsidentschaft gibt er auf, aber sein wichtigstes Amt wird er beibehalten, ein das Amt, das er mit seinen Anhängern teilt: das Amt des Bürgers. Engagiert euch, schließt euch zusammen, kämpft. Das ruft er der Menge entgegen. Seid Wächter der Demokratie. Gerade jetzt.

Obama schließt mit einer Liebeserklärung an seine Frau und seine Töchter und einem Loblied auf seinen Vize Joe Biden und seine Mitarbeiter. Während er spricht, wischt sich der Präsident die Tränen aus den Augen.

Kommentare (24)

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Herr Holger Narrog

11.01.2017, 08:11 Uhr

Obama hat eine sehr linke, ökoreligiöse Politik betrieben. Zum Schluss hat er noch einen maximalen Schaden, Beispiel: Blockade der Keystone Pipeline, angerichtet. Ohne das im Gegensatz zu Deutschland unabhängige Parlament (Kongress) hätte er möglicherweise einen ähnlichen Amoklauf vollbracht wie die hiesige Kanzlerin. Jetzt muss der Nachfolger den Schaden aufräumen.

Beispiele: Obama hängt der destruktiven Ökoreligion mit der Weltuntergangstheorie eines "Klimawandels" an. Diese seltsame Theorie/Religion hatte nie eine Mehrheit in der Bevölkerung, oder im Kongress. So hat er hier Direktiven erlassen. Diese muss sein Nachfolger beseitigen.

Obama hat die Deportation illegaler Einwanderer verschleppt. Jetzt wird der Nachfolger diese deportieren müssen und wird wohl mit dem Kongress ein neues Eineanderungsgesetz erarbeiten.

Herr peterchen Mondfahrt

11.01.2017, 08:34 Uhr

@Herr Holger Narrog. Ich verstehe Sie nicht-was meinen Sie? Ist alles, was möglichst viel Dreck verursacht konservativ und gut, und was das verhindern will, ökoreligiös und links? Wollen Sie sagen, dass der Klimawandel nicht stattfindet, dass also die Thermometer weltweit ökoreligiös beeinflusst sind und deshalb ideologisch messen? Und sind Sie der Meinung, dass man über die Messwerte von Thermometern abstimmen kann, den Klimawandel also sozusagen abwählen kann, wenn man dafür eine Mehrheit in der Bevölkerung gewinnt? Starker Tobak, den Sie da zum besten geben...

Frau Sabrina Dresdnerin

11.01.2017, 08:59 Uhr

Den Klimawandel zu leugnen gehört zu den krudesten Verschwörungstheroien, die gern von neurechten Medien wie PI, Kopp-Verlag, compact etc. verbreitet werden und nur allzu gern von deren Anhängern aufgegriffen wird. Da werden im Zuge der Flüchtlingspolitik gern unsere Kinder vorgeschoben, die man doch schützen müsse, aber welche Welt wir ihnen hinterlassen scheint egal zu sein. Obama war der erste Präsident, der das Thema Umwelt in den politischen Fokus gerückt hat und der rein wirtschaftlichen Interessen entgegen getreten ist. Meine Hochachtung!

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