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07.12.2015

06:28 Uhr

Obamas Ansprache aus dem Oval Office

„Wir werden den IS vernichten“

VonAxel Postinett

Amerika steht vor einer neuen Phase des Terrorismus. Davon ist US-Präsident Obama überzeugt. Aber einen Bodenkrieg will er auf keinen Fall. Seine Gegner sagen: „War das jetzt alles?“

Aus dem Oval Office

Rede an die Nation: Obamas Kampfansage gegen den Terror

Aus dem Oval Office: Rede an die Nation: Obamas Kampfansage gegen den Terror

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San FranciscoAmerika steht vor einer neuen Phase des Terrorismus. Davon ist US-Präsident Obama überzeugt. Aber einen Bodenkrieg will er auf keinen Fall. Seine Gegner sagen: „War das jetzt alles?“
Es war kein leichter Auftritt. Als Barack Obama das letzte Mal direkt aus dem Oval Office, dem Machtzentrum der westlichen Welt, zu den Amerikanern gesprochen hatte, da war es 2010 und er erklärte den Irak-Krieg für beendet.

Jetzt ist es Ende 2015 und der Terror ist stärker als je zuvor, der Nahe Osten militärisch und politisch völlig destabilisiert. Von Frieden in Syrien und Irak kann keine Rede sein. Obamas außenpolitische Reputation ist dahin. Seine Kontrahenten werfen ihm Ziellosigkeit, Verharmlosung und Ineffizienz vor. Vor Wochen hatte er noch beteuert, der Islamische Staat (IS) sei „eingekapselt“ und verzeichne keine strategischen Erfolge mehr.

Jetzt musste Obama sich rechtfertigen. „Wir stehen auf der richtigen Seite der Geschichte“, versicherte er den US-Bürgern, eine Gesellschaftsordnung basierend auf der Menschenwürde. Deshalb werde man gewinnen und „IS und alle anderen, die uns angreifen wollen, zerstören“.

Erfolge, Niederlagen und Terror des IS seit Ausrufung des „Kalifats“

IS

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) ging aus einem Ableger des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak hervor. Ein Rückblick:

29. Juni 2014

Die sunnitischen Dschihadisten rufen in den von ihnen eroberten Gebieten in Syrien und im Irak ein „Kalifat“ aus. Erster „Kalif“ des neuen Gottesstaates sei Anführer Abu Bakr al-Bagdadi.

August 2014

8. August: Die USA fliegen erste Angriffe im Nordirak.

August: Die Enthauptung eines US-Journalisten schockt die Welt. In den folgenden Monaten verbreitet der IS im Internet weitere Videos mit der Ermordung zweier US-Bürger und zweier Briten.

19. September und Dezember 2014

19. September: Frankreich startet mit Hilfe arabischer Partnerländer erstmals Luftangriffe auf IS-Stellungen in Syrien.

Dezember: Kurdische Soldaten beenden mit Hilfe internationaler Luftangriffe die Belagerung des Sindschar-Gebirges nahe der IS-Hochburg Mossul. Im August waren Zehntausende Angehörige der jesidischen Volksgruppe vor den Dschihadisten in die Berge geflohen.

Januar und Februar 2015

Januar 2015: Nach monatelangen Kämpfen vertreiben kurdische Kämpfer den IS aus der nordsyrischen Stadt Kobane an der türkischen Grenze.

Februar: Ein Video zeigt, wie ein gefangener jordanischer Pilot bei lebendigem Leib verbrannt wird. Zuvor hatte die Terrormiliz bereits die Tötung zweier japanischer Geiseln zur Schau gestellt.

März und April 2015

März: Irakische Kräfte erobern die strategisch wichtige Stadt Tikrit zurück, die die Extremisten im Juni 2014 besetzt hatten.

April: IS-Kämpfer dringen in Ramadi 100 Kilometer westlich von Bagdad ein. Tausende Iraker fliehen vor dem Terror Richtung Bagdad, dürfen die Hauptstadt aber nicht betreten.

Mai und Juli 2015

Mai: Die Terrormiliz bringt Ramadi vollständig unter ihre Kontrolle. Kurden erobern IS-Gebiete in Nordsyrien.

Juni: Der IS verbreitet ein schockierendes Video über neue Hinrichtungsmethoden.

24. Juli und 6. August 2015

24. Juli: Nach einem dem IS zugeschriebenen Anschlag im türkischen Suruc fliegen türkische Kampfjets erstmals Angriffe auf IS-Stellungen in Syrien. Zudem öffnet Ankara wenig später den südtürkischen Nato-Stützpunkt Incirlik für US-Luftschläge gegen den IS.

6. August: Einer US-Bilanz zufolge hat das internationale Anti-Teror-Bündnis in einem Jahr mehr als 5900 Luftschläge gegen den IS im Irak und in Syrien geflogen. Außerdem sollen 10 000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden sein.

18. und 23. August 2015

18. August: Der IS enthauptet den früheren Chef-Archäologen der irakischen Oasenstadt Palmyra. Nach US-Angaben stirbt die Nummer zwei der Terrormiliz, Hadschi Mutas, bei einem Luftangriff im Irak.

23. August: Der IS sprengt den rund 2000 Jahre alten Tempel Baal Schamin in Palmyra. Einige Tage später zerstören die Extremisten auch den Baaltempel.

September 2015

Eine weitere Koalition bildet sich.  Russland bestätigt erstmals die Präsenz von Militärexperten in Syrien. Vorher waren Bilder russischer Soldaten in Syrien in den sozialen Netzwerken aufgetaucht. Russland und Iran unterstützen Syrien im Kampf gegen den IS, aber auch gegen andere Oppositionsgruppen.

November 2015

Nach den Anschlägen von Paris vom 13. November mit mindestens 129 Toten fliegt die französische Luftwaffe verstärkt Angriffe auf die Stadt Al-Raqqa, das inoffizielle Zentrum des vom IS kontrollierten Gebiet im Irak und Syrien. Frankreich fliegt bereits seit September 2014 Luftangriffe auf IS-Stellungen.

Er bekräftigte seine bekannten Pläne, mit gezielten Luftschlägen, Spezialeinheiten und Unterstützung lokaler Gruppen den Kampf mit Terroristen aufzunehmen. Daneben Verhandlungen über Waffenstillstand in Irak und Syrien. Einen offenen Bodenkrieg in Syrien oder Irak lehnte er dagegen weiter kategorisch ab: „Das ist genau das, was die wollen“, so der Präsident. Das Ergebnis wäre nur ein jahrelanges Sterben von amerikanischen Soldaten in fremden Ländern.

Es sind Standpunkte, die die amerikanischen Bürger aber seit Jahren hören und langsam geht ihnen die Geduld aus. Die Ansprache kam zu einem kritischen Zeitpunkt.

Ein Blick nach Frankreich zeigte Sonntagnacht, wie ernst die Lage ist. Ein gewaltiger Rechtsruck erschütterte die Politiklandschaft an der Seine nach den verheerenden Terrorattacken in Paris. Rechtspopulisten feierten bei den Regionalwahlen extreme Erfolge. Sie könnten in einigen Regionen die Regierungsmacht übernehmen. Das Paris von Amerika heißt San Bernardino. Das brutale Massaker an 14 Menschen, verübt von einem Ehepaar muslimischen Glaubens, hat den Terror in die amerikanische Provinz getragen.

Die Debatte hat seitdem ein Stadium erreicht, wie es seit 2001 nicht mehr zu spüren war. Die Hoffnung, der Terrorkrieg wird alleine in Europa ausgetragen werden, ist dahin. Nun ist das Land gespalten, verschreckt und erschüttert.

Was wir über das Attentat von San Bernardino wissen

Die Tat

Das Ehepaar Syed Farook und Tashfeen Malik eröffnete am Mittwoch, 2. Dezember, in einer Sozialeinrichtung in San Bernadino, Kalifornien, das Feuer. Farook hatte in der Einrichtung gearbeitet. 14 Menschen starben, 21 weitere wurden schwer verletzt. Nach einer Verfolgungsjagd wurde das Paar von der Polizei in ihrem gemieteten SUV erschossen. Nach Darstellung der Behörden gaben Malik und Farook am Tatort bis zu 75 Schüsse ab, sie ließen außerdem drei Rohrbomben in einem ferngesteuerten Sprengsatz zurück, der allerdings nicht funktionierte. Bei den Leichen fanden sich weitere 1600 Schuss Munition. Zwei bei der Tat verwendete Handfeuerwaffen soll Farook legal besessen haben.

Die Täter

Tashfeen Malik stammte aus Pakistan, Syed Farook wurde in den USA geboren. Kennen lernte sich das Paar über eine Online-Dating Plattform und traf sich im Sommer 2014 in Saudi-Arabien, wo Malik vor der gemeinsamen Übersiedlung in die USA zuletzt gelebt hatte. Ende Juli 2014 reiste Malik in die USA ein, das Paar heiratete einen Monat später. Seit Juli 2015 besaß Malik offenbar eine Greencard, nach Angaben der Anwälte von Farooks Familie soll sie allerdings als „fürsorgliche Hausfrau“ sehr zurückgezogen gelebt und Burka getragen haben. Farook soll regelmäßig am Schießstand trainiert haben, allein in der Wiche vor dem Attentat zwei Mal. Das Paar scheint seine Tat lange geplant zu haben, der SUV mit dem Farook und Malik vor der Polizei flohen und in dem sie schließlich erschossen wurden war gemietet, beide hatten ihre Handys entsorgt und versucht, ihre digitalen Spuren zu verwischen. Im Haus und der Garage fand die Polizei zwölf Rohrbomben und mehr als 4500 Schuss Munition. „Die beiden waren möglicherweise auf dem Weg zu weiteren Angriffen“, erklärte Polizeichef Jarrod Burguan. „Wir haben sie vorher gestellt.“ Das Paar hatte eine sechs Monate alte Tochter.

Das sagen die Medien

Der Fernsehsender CNN zitierte am Freitag mehrere Ermittler, laut denen Tashfeen Malik im Internet Kontakt zu der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) gesucht hatte. In einem Facebook-Eintrag soll Malik IS-Anführer Abu Omar al-Bagdadi ihre Gefolgschaft versprochen haben. Die „Los Angeles Times“ zitierte einen Facebook-Sprecher, laut dem das Profil mit dem entsprechenden Beitrag inzwischen gelöscht worden sei. Los Angeles' stellvertretender FBI-Direktor David Bowdich bestätigte den Facebook-Post indirekt. Er machte aber keine Angaben zu dessen Bedeutung für die Ermittlungen: „Wir haben das gesehen, was auch Sie gesehen haben.“

Das sagt die Polizei

Die US-Bundespolizei FBI untersucht die Tat inzwischen offiziell als Terrorakt. „Ab heute, auf Basis dessen was wir bis jetzt wissen, werden wir die Schießerei in San Bernardino, der 14 Menschen zum Opfer gefallen sind und 21 verwundet wurden, als einen Terrorakt behandeln“, erklärte der stellvertretende FBI-Direktor von Los Angeles, David Bowdich am Freitagnachmittag. Zunächst hatten die Ermittler vor „voreiligen Rückschlüssen“ gewarnt und auch einen persönlichen Hintergrund für die Tat nicht ausgeschlossen. Mittlerweile gehen die Ermittler davon aus, dass sich Farook und Malik im Internet radikalisierten. Angebliche Verbindungen zur Terrormiliz IS wollte das FBI, trotz Maliks Facebook-Post, hingegen nicht bestätigen. „Wir haben solche Hinweise derzeit nicht“, erklärte FBI-Direktor James Comey. Die genauen Umstände der Radikalisierung sind allerdings auch einige Tage nach der Tat nicht bekannt.

Politische Hardliner haben großen Zulauf und einen klaren Feind ausgemacht: Muslime, außerhalb und innerhalb der USA. Obama wollte noch keinen direkten Zusammenhang mit IS direkt herstellen, jedoch sei die Tat von San Bernardino klar „ein Terrorakt“ gewesen „mit dem Ziel Menschen zu töten“.

Die Täter seien den „dunklen Pfad“ der Radikalisierung gegangen, einer „pervertierten“ Auslegung des Korans folgend. Statt konzertierter Großaktionen wie 2001 gebe es in der neuen Phase des Terrorismus viele Aktionen einzelner, die auch für die Geheimdienste schwerer zu entdecken seien.
Das dürfe aber auf keinen Fall dazu führen, dass sich Amerikaner gegen Amerikaner stellten, oder ein Krieg Amerikas gegen den Islam hochstilisiert werde. Das war ein klarer Schuss gegen Politiker wie den Präsidentschaftsanwärter Donald Trump. Der fordert dazu auf, bestimmte Bevölkerungsgruppen in den USA stärker unter Beobachtung zu nehmen und anders zu behandeln.

Genauer will er noch nicht werden, aber die Richtung ist klar. Noch am Sonntag, kurz vor Obamas Rede hatte, er im Fernsehen verkündet, ein Übermaß an „politischer Korrektheit“ habe den Anschlag von San Bernardino begünstigt. Niemand habe etwas sagen wollen, um nicht unangenehm als Muslim-Feind anzuecken.

Kommentare (31)

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Account gelöscht!

07.12.2015, 07:38 Uhr

Religösen Fanatismus, der sich in den Köpfen der Menschen verankert hat und dies schon seit Jahrhunderten besiegt man nicht einfach ma soeben über Nacht und die millitärischen Mittel sind nur ein Teil des Kampfes gegen den Fanatismus. Der viel wichtigere Teil ist eine stabile Politik in den entsprechenden Ländern und die Aufklärung. Eine Aufklärungszeitalter, wie es Europa auch durchlaufen hat. Ohne diese Aufklärungszeit in Deutschland und Europa hätte auch wir heute noch einen religösen Fanatismus in Europa.

Herr Edmund Stoiber

07.12.2015, 07:56 Uhr

Den IS vernichten, das mag man, jedoch ist die Saat damit nicht zerstört!

Solange die US-Administration auf radikal-klerikale Kräfte wie die Saudis setzen, solange wird die Saat anschließend in mutierter Form anderswo auftauchen. Der religiöse Fundamentalismus ist den US-Administratoren und Parlamentariern ja auch im Kernland nicht unbekannt und wird dort fließig bedient und hofiert!

Hier könnte die LÜGENPRESSE mal aktiv werden und dieses Grundübel des gesamten Desasters bloßstellen. Aber dafür gibt es in der Journalie selbst noch viel zu viele Gottesanbeter, bei welchen die Fiktion rangmäßig noch immer über der Realität angesiedelt ist.

Kompromisslose Bildung mit intensivem interkulturellem Austausch.
Davon sind wir noch Generationen entfernt!

Herr Hans Mayer

07.12.2015, 08:09 Uhr

Der Kriegsnobelpreisträger und "Geburtshelfer" von Terroristenorganisationen überall auf der Welt hat gesprochen, da wird der IS jetzt aber Angst bekommen, besonders da die Bundeswehr jetzt mitkämpft. Das wird die IS fertig machen, die zittern sicherlich schon.
Merkel muss weg, die Grenzen geschlossen werden. Alles andere ist Blödsinn, solchen Menschen wie die Moslems welche der geistigen Entwicklung der westlichen Kultur 300 Jahre hinterher sind kann man nicht helfen, sie haben ja ihren Glauben,

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