Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.01.2017

20:45 Uhr

Obamas Vermächtnis

Von wegen Held der Afroamerikaner

Barack Obama war der erste afroamerikanische US-Präsident. Das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß war auch ein Brennpunkt während seiner achtjährigen Regierungszeit. Doch viele sind von seinem Handeln enttäuscht.

Die Meinungen unter den Afroamerikanern über US-Präsident Barack Obama gehen weit auseinander. AFP; Files; Francois Guillot

Obama tritt ab

Die Meinungen unter den Afroamerikanern über US-Präsident Barack Obama gehen weit auseinander.

ChicagoBarack Obama zog als eine Art lebendes Symbol ins Weiße Haus ein: der erste afroamerikanische Lenker der mächtigsten Nation der Welt. Das Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß wurde auch zu einem Brennpunkt in seiner Regierungszeit. Jetzt, nach acht Jahren, am Ende seiner Amtszeit: Wie sieht Obamas Bilanz bei diesem Thema aus? Das Vermächtnis, das er hinterlässt, ist so kompliziert wie der Präsident selbst.

Für viele war Obamas Wahl ein großer Schritt vorwärts auf dem Weg zur Verwirklichung des Traums von einer Gesellschaft, die den Rassismus überwunden hat. Eine Rekordzahl von Afroamerikanern, zusammen mit Latinos und Asiatischstämmigen, gab ihm 2008 ihre Stimme – voller Erwartung, dass seiner Botschaft der Hoffnung und des Wandels auch entsprechende Aktionen folgen.

Manche sagen, dass er dies auch getan hat. Sie verweisen darauf, dass Obama Strafrechtsreformen einleitete – mit mehr Gerechtigkeit für Minderheiten, Hunderttausende Migranten vor der Abschiebung bewahrte, eine Gesundheitsreform durchsetzte, die Millionen von Schwarzen und Latinos eine Krankenversicherung ermöglichte. Obama brachte auch ethnische Vielfalt in sein Kabinett, darunter die ersten beiden afroamerikanischen Justizminister.

Für viele lag die größte Bedeutung von Obamas Präsidentschaft aber nicht darin, was er in die Tat umsetzte: Sie lag in seiner schieren Präsenz im Oval Office. Selbst wenn er als Präsident niemals etwas für die Afroamerikaner getan hätte, „sehen wir uns allein durch die Tatsache, dass er das Weiße Haus bewohnt hat, selber in einem anderen Licht“, formuliert es Loretta Augustine-Herron. Sie arbeitete in den 198Oern an der Seite Obamas, als er Gemeindeorganisator in Chicago war.

Viele Schwarze spenden Obama auch Beifall dafür, wie ruhig er auf die vielen Demütigungen reagierte, mit denen er es als erster Präsident mit dunkler Hautfarbe zu tun hatte. Da gab es zum Beispiel die „Birther“-Bewegung, die fälschlicherweise verbreitete, Obama sei in Afrika geboren. Oder Fotos, die ihn als afrikanischen Medizinmann darstellten und rassistische Schimpfwörter. „Bei uns in Alabama gibt es ein Sprichwort, das besagt, wenn du mit einem Schwein kämpfst, vergnügt sich das Schwein und du bist derjenige, der dreckig wird“, sagt Glennon Threatt, ein Pflichtverteidiger in Birmingham. „Der Präsident hat sich nicht in den Schmutz begeben.“

Aber umgekehrt gibt es eine Reihe von Schwarzen, die von Obama mehr erwartet haben, von ihm enttäuscht sind. Sie meinen, dass er das Rassenthema nicht schnell oder stark genug angesprochen und nicht entschieden genug für eine Reform der Einwanderungsgesetze gekämpft habe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×