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21.01.2010

19:55 Uhr

Obamas Vorbild

Glass-Steagall-Act von 1933

VonFrank Wiebe

Vorbild von Obamas Vorschlägen, Investment-Banking und kommerzielles Geschäft zu trennen, ist eines der berühmtesten Gesetze der USA, der Glass-Steagall-Act aus dem Jahr 1933. Benannt ist er nach seinen Initiatoren, dem Senator Carter Glass aus Virginia und dem Kongress-Abgeordneten Henry B. Steagall, beide von der Demokratischen Partei.

DÜSSELDORF. Es handelte sich um außerordentlich einflussreiche Politiker, die schon 1913 am Aufbau der Fed, der US-Notenbank, mitgewirkt hatten. Im Jahr 1932 brachten sie als Reaktion auf die tiefe Finanzkrise, die 1929 begonnen hatte, bereits ein gemeinsames Gesetz ein, das die Refinanzierung der Banken durch die Fed erleichterte.

Das Gesetz von 1933 zwang die Institute, sich entweder für das traditionelle Kredit- und Einlagengeschäft oder für das Wertpapiergeschäft zu entscheiden. So sollten Interessenkonflikte vermieden und das Geld der Kunden geschützt werden. Außerdem wurde die FDIC, die amerikanische Einlagensicherung, geschaffen, die in der heutigen Bankenkrise zahlreiche kleinere Institute aufgefangen und zum Teil auch abgewickelt hat.

60 Jahre lang maßgeblich

Die Philosophie dieses Gesetzes blieb in den USA mehr als 60 Jahre lang maßgeblich. 1956 wurde den Banken noch zusätzlich untersagt, Konkurrenten in anderen US-Bundesstaaten zu übernehmen. In den 90er-Jahren weichte der Gesetzgeber die Bestimmungen dann aber nach und nach auf. Schließlich wurden mit dem Gramm-Leach-Bliley Act von 1999 die Grenzziehungen aufgehoben. Danach war es sogar möglich, gemischte Bank- und Versicherungskonzerne zu bilden.

Allerdings bestanden in der Praxis noch einige Grenzen. Konzerne, die sich auf das Investment-Banking beschränkten, wurden weniger beaufsichtigt und unterlagen weniger strengen Kapitalvorschriften als die Geschäftsbanken. Letztere lagerten auch um diesen Nachteil auszugleichen Teile ihres Geschäfts in "Vehikel" außerhalb der Bilanz aus - eine Praxis mit unheilvollen Folgen, die in vielen Ländern, auch in Deutschland, kopiert wurde. Auf dem Höhepunkt der heutigen Finanzkrise im Herbst 2008 wurden die US-Investment-Banken dann gezwungen, sich in Geschäftsbanken zu verwandeln. Das bedeutete eine strengere Aufsicht, aber auch besseren Zugang zur Refinanzierung durch die Fed. Damals war eine Erneuerung des Trennbankensystems kein Thema, das Geschäftsmodell der Investment-Banken galt als tot. Die rasche Erholung von Goldman Sachs & Co nach der Stabilisierung des Finanzsystems hat dazu geführt, dass sich die Sichtweise um 180 Grad dreht.

Kommentare (6)

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melanie gatzke

21.01.2010, 22:28 Uhr

Sehr gut! Da geht endlich mal einer den richtigen Weg.
Dieses Glass-Steagall-Act von 1933, das ist längst überfällig. Das hätte man schon spätestens zu beginn des Jahrtausends wieder einführen sollen. Dann wäre einiges verhindert worden.
Warum kommen eigentlich unsere Leute nicht auf den Gedanken? Gesagt wurde es ihnen schon oft genug von Fachleuten. Aber, die will man ja in berlin nicht hören.

Vincent

11.02.2010, 20:14 Uhr

Obama wird dieses gesettz niemals unterstützen, da er nur ein elender lügner ist.

gerrhard

20.08.2011, 18:16 Uhr

Zitat vom 21.01.2011:“Auf dem Höhepunkt der heutigen Finanzkrise im Herbst 2008 wurden die US-Investment-Banken dann gezwungen, sich in Geschäftsbanken zu verwandeln. Das bedeutete eine strengere Aufsicht, aber auch besseren Zugang zur Refinanzierung durch die Fed. Damals war eine Erneuerung des Trennbankensystems kein Thema, das Geschäftsmodell der Investment-Banken galt als tot. Die rasche Erholung von Goldman Sachs & Co nach der Stabilisierung des Finanzsystems hat dazu geführt, dass sich die Sichtweise um 180 Grad dreht.“

20 Monate nach Erscheinen dieses Artikel, und um die Erfahrungen einer Schuldenkrise in den USA und in Europa, um die „Schulden-Rettungsschirme“ reicher, muss man den Artikel umformulieren, insbesondere was Ursache und Wirkung betrifft. Als Prämisse gilt es festzustellen:
Seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor genau 20 Jahren gibt es nicht mehr die beiden feindlichen Wirtschaftssysteme / Ideologien „Kommunismus versus Kapitalismus“. Aus dieser einfachen Welt ist inzwischen ein asymmetrischer Krieg der „Globalen Finanzwirtschaft gegen die Realwirtschaft in Form der nationalen Volkswirtschaften“ geworden. In diesem Wirtschaftskrieg hat die Global Finance das Ziel, „siphoning funds of national economies / Geld und Vermögen aus den Volkswirtschaften abzusaugen“ und dafür Schulden zu hinterlassen, an deren Zins- und Zinseszinslast die Staaten immer mehr in die Schuldenspirale, sprich Abhängigkeit geraten – und so auch das Geld der folgenden Generationen abgesaugt werden kann..
Die Protagonisten nennen sich schon öffentlich „Masters of Universe, die Gottes Werk erfüllen“. Gemeint ist vermutlich das Werk des Gott Mamons.
Mit dieser Arbeitshypothese im Sinne Karl Poppers erscheinen die Vorgänge in 2008 in einem anderen Licht:

Geniale Schachzüge von Goldman Sachs (Master of the Masters of Universe):
Die Finanzkrise 2008 ist durch das jahrelange ungezügelte Agieren der Global Finance entstanden, einige....
Forts. folgt

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