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23.10.2011

14:58 Uhr

Obduktionsbericht

Gaddafi starb an Schussverletzung

Die Todesursache sei "ziemlich eindeutig", sagt ein Arzt, der Gaddafis Leiche obduziert hat. Doch wer die Kugel abgegeben hat, ist bislang nicht klar. Kritiker bemängeln das Verhalten des Übergangsrats.

In diesem Kanalrohr hatte sich Gaddafi bis zuletzt versteckt. dpa

In diesem Kanalrohr hatte sich Gaddafi bis zuletzt versteckt.

MisrataLibyens früherer Machthaber Muammar Gaddafi ist nach den Worten eines Gerichtsmediziners einer Schussverletzung erlegen. Die Todesursache sei ziemlich eindeutig, sagte der an der Autopsie beteiligte Arzt.

Die neue Führung bedauerte den Tod Gaddafis Tod und erklärte sich zu einer vom UN-Menschenrechtskommissariat geforderten Untersuchung der Todesumstände bereit. Er hätte Gaddafi lieber vor Gericht gesehen, sagte der Chef des Übergangsrates, Mahmud Dschibril, der BBC.

Der Übergangsrat sollte noch im Laufe des Tages bei einer Feierstunde in der Stadt Benghasi den Krieg für beendet erklären und die endgültige „Befreiung“ des Landes verkünden. Zu dem Festakt wurden bis zu eine Million Menschen erwartet.

Gaddafi war am Donnerstag in der Nähe seiner Heimatstadt Sirte zunächst in einem Wasserrohr unter einer Straße entdeckt und lebend gefangengenommen worden. Die genauen Umstände seines Todes sind unklar. Nach Darstellung des Übergangsrates starb Gaddafi in einem Krankenwagen. Der Fahrer des Wagens sagte allerdings, Gaddafi sei bereits tot gewesen, als er den Körper in Empfang genommen habe. Dem Übergangsrat zufolge geriet Gaddafi ins Kreuzfeuer seiner Anhänger und der Regierungstruppen und wurde dabei tödlich verletzt. Es besteht aber auch der Verdacht, dass Gaddafi gelyncht wurde.

Viele Beobachter halten den Umgang der neuen Führung mit dem Tod Gaddafis für eine wichtige Bewährungsprobe. Sie bemängeln bereits, dass der Übergangsrat noch keine eindeutigen Pläne für dessen Beisetzung verkündet hat. Dies sei bereits ein Indiz dafür, dass das Land in einem führungslosen Chaos versinken könnte.

Die halbnackte Leiche Gaddafis mit Einschusswunde am Kopf wurde auch noch am Wochenende in einem Kühlraum in der Stadt Misrata zur Schau gestellt. Ob es sich bei der tödlichen Schussverletzung um die deutlich sichtbare Kopfwunde an Gaddafis Leichnam handelt, ließ der Mediziner offen. Die Autopsie sei noch nicht ganz abgeschlossen. Einige Punkte müssten noch geklärt werden, bevor der Bericht der Staatsanwaltschaft übergeben werden könne, fügte der Arzt hinzu. „Aber alles wird veröffentlicht. Nichts wird verheimlicht.

 

Von

rtr

Kommentare (1)

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gerhard

23.10.2011, 16:08 Uhr

Einige Punkte müssten noch geklärt werden, bevor der Bericht der Staatsanwaltschaft übergeben werden könne, fügte der Arzt hinzu. „Aber alles wird veröffentlicht. Nichts wird verheimlicht.
Es besteht aber auch der Verdacht, dass Gaddafi gelyncht wurde.
(Zitate)

So weit -so gut bzw. nicht so gut.
Hier wird man unwillkürlich an den Tod von Bin Laden erinnert. In einer Demokratie is die erste Regel unbedingt zu folgen. Alle Umstände müssen genutzt werden, um die Person vor ein Gericht zu stellen.

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