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17.10.2011

10:10 Uhr

„Occupy Wall Street“

Die Proteste machen den Politikern Beine

VonNils Rüdel

Die Bewegung „Occupy Wall Street“ ist ein bunter Haufen ohne klare Ziele. Viele sagen, man könne die Protestler deshalb nicht ernst nehmen. Doch das ist falsch. Warum muss Kritik immer konstruktiv sein? Ein Kommentar

Ein Anhänger der „Occupy Wall Street“-Bewegung. AFP

Ein Anhänger der „Occupy Wall Street“-Bewegung.

New York, Washington, Milwaukee: „Occupy Wall Street“ hat inzwischen fast jede Stadt in Amerika besetzt, am Wochenende schwappte die Bewegung sogar bis nach Europa. Während die Amerikaner noch immer nicht so richtig wissen, was sie von den Protestlern halten sollen, haben zumindest die Kritiker eine Meinung.

Drei Arten von ihnen gibt es. Die einen machen sich lustig über einen Haufen ungeduschter Hippies, die einfach eine riesengroße Party feiern. Andere beschimpfen die Demonstranten als „Mob“, als „unamerikanisch“. Als faule und gewalttätige Neidhammel, die selbst nichts auf die Reihe bekommen. Der dritte Ansatz ist am weitesten verbreitet: Ist ja schön, dass ihr auf die Straße geht – aber ihr wisst doch noch nicht einmal, was ihr eigentlich wollt.

Es ist Woche fünf nach Beginn der Proteste, und die Forderung nach Antworten wird drängender: Gegen wen oder was sind diese Leute, die von sich behaupten, die seien die „99 Prozent“? Was ist ihre Botschaft und vor allem: Wie lauten ihre Alternativen? So lange das nicht klar sei, so der Vorwurf, könne man die Aktivisten nicht ernst nehmen.

Man kann von den Protestlern halten, was man will –  doch warum muss Kritik immer konstruktiv sein? Man muss nicht vorher ein ausgefeiltes Alternativkonzept entwerfen, wenn man gegen herrschende Zustände protestiert. Die Ungleichheit in Amerika nimmt zu, die Mittelschicht bröckelt, die Armut steigt und Millionen arbeitswillige junge Menschen finden keinen Job. Gleichzeitig hat sich eine kleine Oberschicht längst von der Krise erholt. Die Politik kann oder will keine Hoffnung stiften, selbst der einstige Hoffnungsträger Barack Obama fällt aus.

Das allein ist Grund genug für die Demonstranten, ihren Frust friedlich auf die Straßen zu tragen. Oder, wie es die „New York Times“ auf den Punkt bringt: „Der Protest ist die Botschaft“. Ausformulierte politische Konzepte können die spontan und basisdemokratisch organisierten Demonstranten, die auf Anführer oder Sprecher verzichten, gar nicht erbringen. Und das müssen sie zum jetzigen Zeitpunkt auch gar nicht.

Schon richtig. Wer die Fernsehbilder sieht, kann leicht den Eindruck gewinnen, dass hier einfach jeder mal irgendetwas auf Plakate malt und losmarschiert, auch wenn es sich zum Teil widerspricht. Nieder mit den Großkonzernen – gleichzeitig aber mehr Jobs? Die Demonstranten scheint nur eines zu einigen: das Wort „Dagegen“. Wutbürger auf Amerikanisch.

Kommentare (25)

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Lupine

17.10.2011, 10:23 Uhr

Weder bin ich ungeduscht, noch mag ich Parties.
Und ein Hippie bin ich auch nicht!
Was soll diese stereotypisierung?

Account gelöscht!

17.10.2011, 10:29 Uhr

Das ist mit Verlaub gesagt nur leeres Gerede, Herr Rüdel. Wer nicht weiß, wo die Ursachen für Mißstände liegen, betreibt lediglich eine sinnlose Hetze, im Zweifel gegen die Falschen, und ändert auch nichts an den Zuständen.

Mit ein bischen guten Willen kann man auch ohne große Vorbildung die Verantwortlichkeiten und die Zusammenhänge erkennen.

sirrobin

17.10.2011, 10:31 Uhr

Haben Sie den Artikel wirklich durchgelesen?

Falls nein: Bitte nachholen.
Falls doch: Bitte nochmal lesen. Und nochmal. Und nochmal. Bis Sie ihn verstanden haben. Und falls dies dann immernoch nicht der Fall sein sollte, dann danke ich Ihnen zumindest dafür, dass Sie es versucht haben.

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