Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

06.10.2011

18:55 Uhr

"Occupy Wall Street"

Obama adelt Demonstranten

VonNils Rüdel

Am Anfang war es ein Häuflein Aufrechter - jetzt werden sie sogar durch Barack Obama geadelt: Er habe Verständnis für die Wall-Street-Demonstranten, sagte der US-Präsident. Deren Kapitalismuskritik wird damit hoffähig.

Ein Anti-Banken-Demonstrant in der Nähe der New Yorker Wall Street. AFP

Ein Anti-Banken-Demonstrant in der Nähe der New Yorker Wall Street.

WashingtonUS-Präsident Barack Obama hat Verständnis für die Bewegung „Occupy Wall Street“ geäußert. „Sie drückt aus, was viele Menschen über unser Finanzsystem denken“, sagte Obama am Donnerstag bei einer Pressekonferenz über seine Job-Gesetze. Die Leute seien frustriert, dass die Finanzkrise derart harte Folgen für ihr normales Leben habe. „Die Menschen verstehen, dass nicht jeder in diesem Land die Regeln befolgt, und sehen in der Wall Street ein Beispiel dafür“.

Auf Nachfrage sagte Obama über die Bewegung, ohne sie beim Namen zu nennen, er habe „von ihr gehört und sie im Fernsehen gesehen“. Es ist das erste Mal, dass sich Obama öffentlich über „Occupy Wall Street“ geäußert hat.

Die Wut der Aktivisten, die inzwischen in fast allen größeren Städten der USA demonstrieren, richtet sich vor alle gegen die Macht der Banken. „Wir sind die 99 Prozent“, ist eines der am häufigsten zu hörenden Schlachtrufe. Am Mittwoch waren bei der bisher größten Aktion Tausende durchs New Yorker Bankenviertel gezogen. Ziel der Kritik ist aber auch Obama selbst, der nach Meinung vieler Demonstranten zu wenig gegen die Verhältnisse im Land unternehme.

Zugleich forderte Obama am Donnerstag die Banken dazu auf, sich stärker ihrem Kerngeschäft zu widmen. „Wenn du ein Banker bist, solltest du Unternehmen und Individuen helfen“, so der Präsident. Es müsse einen Wettbewerb um die besten Serviceleistungen geben, „nicht um versteckte Gebühren oder Derivate, die keiner versteht und die die Wirtschaft gefährden“.

Deshalb habe seine Regierung den Dodd-Frank-Act zur Regulierung der Finanzbranche auf den Weg gebracht. Obama kritisierte aber auch, dass einige Banken die neuen Gesetze als „Ausrede“ benutzten, um neue Gebühren zu erheben. Die größte Bank des Landes etwa, die Bank of America, will künftig fünf Dollar für die Benutzung ihrer Kontokarte erheben.

Gleichzeitig stoßen die Proteste bei den konservativen Kräften auf krasse Ablehnung. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Herman Cain, der sich zuletzt hinter Mitt Romney und Rick Perry in der Beliebtheit auf den dritten Platz vorschieben konnte, kritisierte das Verhalten der Demonstranten als „un-amerikanisch“. Die Forderung, dass jene, die es zu etwas gebracht hätten, ihr Vermögen an die Protestierer abgeben sollten, entspreche „nicht der Art und Weise, wie Amerika aufgebaut“ sei, sagte Cain auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida. Romney bezeichnete die Demonstrationen als „Klassenkampf“.

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Daddy

06.10.2011, 19:43 Uhr

Daddy .
Ich würde mich als amerikanischer Gut oder sogar Großver-
diener in Grund und Boden schämen,wenn ich weniger Steuer
bezahlen müsste als z.B eine Krankenschwester,Feuerwehrmann
oder ein Schlosser.Aber genau daran krankt Amerika!Nicht
die Banker sorgen für den benötigten breiten Konsum sondern die Normalverdiener !Begreifen das die dummen
Republikaner eigentlich nicht ? Armes Amerika .

Curtis_Newton

06.10.2011, 19:46 Uhr

"Gleichzeitig stoßen die Proteste bei den konservativen Kräften auf krasse Ablehnung. Der republikanische Präsidentschaftskandidat Herman Cain, der sich zuletzt hinter Mitt Romney und Rick Perry in der Beliebtheit auf den dritten Platz vorschieben konnte, kritisierte das Verhalten der Demonstranten als „un-amerikanisch“. Die Forderung, dass jene, die es zu etwas gebracht hätten, ihr Vermögen an die Protestierer abgeben sollten, entspreche „nicht der Art und Weise, wie Amerika aufgebaut“ sei, sagte Cain auf einer Wahlkampfveranstaltung in Florida. "

Wusste gar nicht, dass es amerikanisch ist, auf fremde Kosten spätrömisch dekadente leistungslose Systemeinkommen zusammen zu tricksen. Wenn das stimmt können wird die Vereinigten Bananenrepubliken von Amerika abschreiben. Der amerikanische Traum in der Hand von engstirnigen Eigentumsfundamentalisten wird im Kollaps enden.

VMC

06.10.2011, 19:48 Uhr

Ich kann nur hoffen, dass dieses „un-amerikanische“ auch bei uns bald Schule macht.

Ich wiederhole mich: Vor 222 Jahren lebten es die Franzosen vor. Zwar geht es denen heute auch nicht besser als uns, jedoch haben sie den Schneid, es wieder zu tun.

Irgendwer muss doch in der Lage sein, dem phlegmatischen West-Michel die Chipstüte aus der Hand zu schlagen, ihn von seiner Couch zu schmeissen, und auf die Straße zu schicken.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×