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05.10.2011

09:42 Uhr

Occupy Wall Street

Wo geht‘s hier zur Revolution?

VonNils Rüdel

Die Bewegung „Occupy Wall Street“ hat ganz Amerika erfasst. Bald wird sich zeigen, ob aus der bunten Truppe eine politische Größe wird. Doch was wollen die Aktivisten eigentlich? Ein Besuch im Hauptquartier des Protests.

Demonstranten von „Occupy Wall Street “ ziehen als Zombies verkleidet durch die Straßen New Yorks. AFP

Demonstranten von „Occupy Wall Street ziehen als Zombies verkleidet durch die Straßen New Yorks.

New YorkMichael Miller geht jetzt alles ein bisschen ruhiger an. Vor langer Zeit, als es gegen den Vietnamkrieg und gegen Rassismus ging, da hatte er Straßen blockiert, mit Polizisten gerangelt, in Sprechchören mitgebrüllt. Heute steht der 72-jährige Arzt im Ruhestand ganz still mit seinem Transparent im New Yorker Bankenviertel und schwärmt: „Das sind diese besonderen Momente. Genauso war es früher“.

Miller, groß gewachsen, gütige Augen, die weißen Haare nach hinten gestrichen, wirkt wie eine Statue inmitten eines Gewusels aus hunderten jungen Menschen. Sie könnten Millers Enkel sein, doch er wollte unbedingt mitmachen, wie er sagt. „Ich habe zufällig mit angesehen, wie brutal die Polizei neulich zugelangt hat. Das war für mich die Zündung“. Also malte der Rentner ein Transparent, das zur Kündigung des Kontos bei der Bank of America aufruft („Du bist nicht machtlos“) und schloss sich der Bewegung „Occupy Wall Street“ an.

Jeden Tag steht er nun für ein paar Stunden auf dem Broadway vor dem kleinen Zuccotti Park, auf dem die Aktivisten seit fast drei Wochen demonstrieren, campen und essen. „Es ist höchste Zeit, dass sich die Leute gegen die Macht der Banken, den Lobbyismus, die Entmündigung zur Wehr setzen“, sagt Miller. Ob aus den losen Protestlern irgendwann eine richtige Volksbewegung werde, müsse sich zeigen. „Aber ich würde es mir wünschen“.

Diese Frage stellt sich mittlerweile das ganze Land. Ist „Occupy Wall Street“ eine kurze, spontane Erscheinung, oder ist es die Geburt einer neuen, breiten politischen Bewegung? Amerika reibt sich verwundert die Augen, es kann noch nicht so viel anfangen mit dem, was da vor drei Wochen mit einem Häuflein Protestler begann und in den vergangenen Tagen erst richtig Fahrt aufnahm.

Kommentare (15)

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watsolles

05.10.2011, 10:11 Uhr

Würde unsre unsere Generation solche Opfer auf sich nehmen und gegen Regierung und Banken protestieren? Bei der sozialen Grundversorgung bestimmt nicht. Protest ensteht nur, wenn mann auch Grund zum protestieren hat. Bei uns gibt es anscheinend keine Gründe dafür. Wonderland Germany.

bommel

05.10.2011, 10:38 Uhr

naja. wir haben ja genug andere probleme: aber meistens schauen wir rein gesellschaftlich gesehen immer noch über dem teich, was dort so für wundersame bewegungen entstehen. vielleicht könnten wir dann endlich das ruder rumreißen und den fährmann spielen.

Thomke

05.10.2011, 10:39 Uhr

Nur keine Bange, es wird auch in Deutschland losgehen: 15october.net/de

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