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01.06.2016

11:57 Uhr

OECD-Ausblick

Die gefesselte Weltwirtschaft

VonDonata Riedel

Acht Jahre nach der internationalen Finanzkrise kämpfen die Industrieländer noch immer mit niedrigen Wachstumsraten. Der Ausweg ist für die OECD klar: Viel Geld, Reformen – und Zusammenarbeit statt Egotrips.

„Die Wirtschaft scheint gefangen in einer Falle sich verstetigender niedriger Wachstumsraten“,  sagt die OECD-Chefvolkswirtin Catherine Mann.

In Ketten gelegt

„Die Wirtschaft scheint gefangen in einer Falle sich verstetigender niedriger Wachstumsraten“, sagt die OECD-Chefvolkswirtin Catherine Mann.

BerlinTrotz der vielen Gipfeltreffen der Regierungschefs der größten Industrie- und Schwellenländer: Im Alltag handeln Kanzlerin Angela Merkel und ihre Kollegen wieder jeder für sich und ihr Land allein. Mit negativen Folgen für alle in der Welt. Das jedenfalls meinen die Volkswirte der Industrieländer-Organisation OECD in ihrem neuen Wirtschaftsausblick.

„Acht Jahre nach der Finanzkrise ist die Erholung immer noch enttäuschend schwach“, sagt OECD-Chefvolkswirtin Catherine Mann. In diesem Jahr erwartet sie nur ein Weltwirtschaftswachstum von drei Prozent, im nächsten von immer noch schlappen 3,3 Prozent. Vor der Krise, erinnert sie, waren Raten von fünf Prozent normal. „Die Wirtschaft scheint gefangen in einer Falle sich verstetigender niedriger Wachstumsraten“, so Mann, und sie verlangt: „Die Politik muss endlich gemeinsam handeln!“

Quelle: OECD, *Prognose /

Konkret meint die OECD damit: Die Industriestaaten sollen sich gemeinsam verabreden, zusätzlich einen halben Prozentpunkt ihres Bruttoinlandsprodukts für Investitionen bereitzustellen. Bei niedrigen Zinsen sei dies finanzierbar. Allein Deutschland müsste dann knapp 15 Milliarden Euro bereitstellen.

„Es geht dabei nicht um irgendwelchen Beton, sondern um sinnvolle Investitionen, etwa in den Erhalt von Straßen, Brücken, Schienen und öffentlichen Gebäuden, neue Breitbandnetze und auch eine Verbesserung des Bildungssystems“, sagt Christian Kastrop, Direktor der OECD-Wirtschaftsabteilung. „Es ist jetzt nicht die Zeit für die schwarze Null“, stellt er sich gegen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), in dessen Finanzministerium er früher arbeitete. Aus Sicht der OECD würde das gemeinsame Wachstumsprogramm die Weltwirtschaft aus ihrer Lethargie ziehen, und davon würde dann auch die Exportnation Deutschland mittel- und langfristig mit höheren Wachstumsraten profitieren.

Top 10 des Wettbewerbs-Rankings

Platz 10

Kanada

(Quelle: IMD World Competitiveness Center)

Platz 9

Norwegen

Platz 8

Niederlande

Platz 7

Irland

Platz 6

Dänemark

Platz 5

Schweden

Platz 4

Singapur

Platz 3

USA

Platz 2

Schweiz

Platz 1

Hongkong

Die Bundesregierung hält allerdings seit Jahren nichts von schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen und lehnte das Ansinnen erst letzte Woche beim G7-Gipfels in Japan erneut ab. Schäuble verweist darauf, dass in Deutschland das Wachstum solide ist, die Arbeitslosigkeit niedrig. Zudem habe Deutschland seine Investitionsausgaben in den letzten Jahren genau in den verlangten Bereichen gesteigert.

Der Engpass für Investitionen liege momentan darin, dass es vor allem in den Kommunen zu wenige baureife Projekte gebe. Auch die OECD nennt Deutschlands Wachstum „solide“, allerdings finden ihre Volkswirte, dass bei der Ganztagsbetreuung von Kindern und besseren Bildungschancen für benachteiligte Jugendliche noch viel getan werden müsse.

Kommentare (46)

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Herr Fritz Yoski

01.06.2016, 12:09 Uhr

Wenn die Medizin (QE) nicht hilft kann es natuerlich nur an der Dosierung liegen.

Herr Tom Schmidt

01.06.2016, 12:17 Uhr

OECD und Wachstumsraten... Herr wirf Hirn vom Himmel.

Vor der Finanzkrise bestand ein großer Anteil des Wachstums in der Ausweitung der Geldmenge. Das ist dann eingebrochen und wurde Finanzkrise benannt. Das ein realwirtschaftliches Wachstum geringer ist als ein Geld-druck-Wachstum ist auch klar. Ein Problem wäre das jetzt nur, wenn die aktuell niedrigeren Wachstumsraten auch nur auf Geld-drucken beruhen würden. Wenn dem so wäre, dann müsste man damit aber aufhören (siehe Finanzkrise) und anstelle dessen Investitionen machen, ABER: mit dem Erhalt eines Straßenetzes z.B. erzielt man auch kein Riesenwachstum! Und nur nochmal zur Erinnerung: Investition heisst aus Staatssicht, dass die Ausgaben nachher ein Steueraufkommen erzeugen, dass höher ist als die Ausgaben. Dieser 2. Aspket wird immer verdrängt und man beschränkt sich auf das "Geld ausgeben". Gefordert wird Keynes... gemacht wird Henning Scherf!!! (d.h. das Geld ist weg, die Schulden noch da...)

Herr Renatus Isenberg

01.06.2016, 12:17 Uhr

Man muss den Mut haben eine falsche Entscheidung als "falsch" zu benennen und eine Umkehr einzuleiten. Die Entscheidung, den Euro einzuführen, war ein Fehler. Die Nicht- Euro Länder weisen seit Jahren ein besseres Wachstum und höheren Wohlstand aus als die Euro Länder.
Die Hartnäckigkeit, mit der Politiker sich gegenüber den Problemen des Euro blind und taub stellen, lässt darauf schliessen, dass einflussreiche Kreise mit dem EUro und der EU ein Geschäftsmodell zur privaten Bereicherung einführen konnten. Ich glaube auch, dass die königlichen Gehälter der EU Parlamentarier, die diese Parlamentarier unkontrolliert nicht nur beschliessen, sondern auch nach Belieben mehrmals erhöht haben ( während die Einkommen in den EU Ländern bei der arbeitenden Klasse sinken) von den Erfindern der EU auf keinen Fall in dieser Grösse angedacht wurden. Die Ausbeutung des europäischen Steuerzahlers durch nicht gewählte europäische Vertreter ist ein immenser Bruch des Vertrauens in die EU. Daher ist es nur ein vernünftiger lebensrettender Weg, dass England die EU verlässt.

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