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28.01.2010

10:19 Uhr

OECD-Bericht

Chile trotzt der Rezession

VonAlexander Busch

Das neue OECD-Mitglied Chile hat die Auswirkungen der globalen Rezession dank einer soliden Ausgangsbasis und des guten Krisenmanagements überraschend gut überstanden, stellt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung in einem Bericht fest. Allerdings mahnt die OECD das Land zu mehr sozialem Ausgleich.

Lkw in der chilenischen Kupfermine Chuquicamata: Das Metall ist das wichtigste Exportprodukt des Landes. Reuters

Lkw in der chilenischen Kupfermine Chuquicamata: Das Metall ist das wichtigste Exportprodukt des Landes.

SAO PAULO. In der für Neumitglieder üblichen gründlichen Analyse der Wirtschaft des Landes die jetzt vorgestellt wurde, empfiehlt die OECD dem neuen Mitglied zahlreiche Reformen, um die Produktivität zu steigern. Viele der Verbesserungsvorschläge zielen darauf, die Chancengleichheit zu erhöhen. Denn trotz Fortschritten bei der Armutsbekämpfung zählt Chile zu den Staaten mit den größten Einkommensgegensätzen weltweit.

So empfiehlt die OECD die sehr niedrigen Unternehmenssteuern zu erhöhen und die Steuerschlupflöcher der Wohlhabenden zu stopfen. Auch von den Steuerbefreiungen der Ausgaben für Gesundheit, Bildung Versicherung profitieren die wohlhabenden Chilenen überdurchschnittlich.

Gleichzeitig sollten die niedrigen Sozialleistungen ausgeweitet und stärker auf Bedürftige konzentriert werden. Die Arbeitslosenhilfe sei extrem niedrig und würde zu kurze Zeit gewährt. Fünf Monate erhalten Arbeitslose ein Drittel ihres Lohns. Die Beiträge seien jedoch vergleichsweise hoch. Das würde die Spaltung des Arbeitsmarktes in wenige feste und viele informelle und zeitlich beschränkte Jobs fördern.

Als entscheidend für die Erhöhung der langfristigen Produktivität Chiles sieht die OECD Investitionen in das Bildungssystem. Hier würde der Schulabschluss immer noch stärker von der sozialen Herkunft abhängen als in den anderen OECD-Ländern und der Lernerfolg sei unterdurchschnittlich.

Gutes Makro-Management

Gute Noten erhält Chile für das Makromanagement der Wirtschaft. Die Regierung ist per Gesetz dazu angehalten Überschüsse zu bilden und bei hohen Preisen für das wichtigste Exportprodukt Kupfer Rücklagen zu bilden. So konnte Chile in den Boomzeiten bis 2007 insgesamt einen Betrag, der 13 Prozent der Jahreswirtschaftsleistung entspricht in Fonds im Ausland parken.

Dadurch konnte Chile in der Krise ein massives staatliches Nachfrageprogramm anlaufen lassen und wegen der niedrigen Inflation zudem die Zinsen dauerhaft senken. „Chile kann seine unterstützenden fiskalischen und monetären Maßnahmen noch länger aufrechterhalten“ schreibt die OECD. Die Wirtschaft des Landes dürfte dieses Jahr bereits wieder um vier Prozent wachsen, 2011 sogar mit fünf Prozent, nachdem sie 2009 um knapp zwei Prozent geschrumpft war.

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