Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

12.04.2016

11:00 Uhr

OECD-Bericht

Kinder erleichtern die Steuerlast

VonDonata Riedel

In keinem Industrieland lohnt es sich steuerlich mehr als in Deutschland, Kinder zu bekommen. Das zeigt ein neuer Bericht der OECD, die Steuer- und Sozialabgabenlast von Arbeitnehmern in den Industriestaaten vergleicht.

Der Kinder-Bonus: Kein anderes Land belohnt Ehe und Familie steuerlich so stark wie Deutschland. dpa

Ältester Kindergarten Deutschlands

Der Kinder-Bonus: Kein anderes Land belohnt Ehe und Familie steuerlich so stark wie Deutschland.

BerlinAlleinstehende ohne Kinder tragen in Deutschland einen großen Teil der Steuer- und Abgabenlast. Das bestätigt einmal mehr die Industrieländerorganisation OECD. Als durchschnittliche Arbeitnehmer sind ihre Nettolöhne nur gut halb so hoch wie die Summe, die ihr Arbeitgeber aufwendet: Steuern und Sozialabgaben summieren sich auf 49,4 Prozent. Die OECD zählt dabei die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung mit, um Vergleichbarkeit im Verhältnis von Lohnkosten und Nettolöhnen herstellen zu können.

Erheblich besser stehen beim Nettolohn demgegenüber verheiratete Alleinverdiener mit zwei Kindern da. Ihr Nettolohn liegt nur mehr um 34 Prozent unter den Lohnkosten des Arbeitgebers. Kein anderes Land belohnt Ehe und Familie steuerlich so stark wie Deutschland.

Schäubles Haushalt: Bundesregierung hält an Schwarzer Null fest

Schäubles Haushalt

Bundesregierung hält an Schwarzer Null fest

Finanzminister Schäuble will bis 2020 rund 31 Milliarden Euro mehr ausgeben – für Arbeitsmarkt, Flüchtlinge, Rente – und trotzdem die Schwarze Null fortschreiben. Die Regierung hat seine Haushaltsplanung verabschiedet.

Für alleinstehende Arbeitnehmer ist Deutschland damit steuerlich das drittteuerste Land der Welt. Für Ehepaare mit zwei Kindern dagegen nur das zehntteuerste, gleichauf mit Spanien. Für Ehepaare mit Kindern ist dagegen Frankreich das Land mit der höchsten Steuer- und Abgabenlast. Die OECD schließt aus ihren Zahlen, dass das Steuersystem mit seiner hohen Belohnung der Einverdiener-Ehe ein Emanzipationshindernis ist: Es setzt für Frauen den Anreiz, nach der Geburt von Kindern nicht in den Beruf zurückzukehren. Verstärkt werde dies dadurch, dass Zweitverdiener-Nettolöhne hierzulande mit fast der Hälfte besonders hoch besteuert werden; nur Belgien steht hier noch schlechter da.

Einen leichten Trost hält die OECD dennoch für alleinstehende Arbeitnehmer bereit: Ihre Steuer- und Abgabenlast ist seit dem Jahr 2000 gesunken, damals lag sie noch bei 53 Prozent. Seit 2013 allerdings steigt sie wieder leicht – weil Sozialbeiträge erhöht wurden: Ein Angestellter mit durchschnittlichem Gehalt, unverheiratet und ohne Kind musste im vergangenen Jahr im Schnitt 49,4 Prozent abliefern. Im Kreis der 34 OECD-Länder rangiert Deutschland damit nach wie vor auf dem dritten Platz. Nur in Belgien und Österreich ist bei einem alleinstehenden Durchschnittsverdiener die Last höher.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×