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13.04.2016

12:56 Uhr

OECD-Statistik

Großzügige Entwicklungshelfer

VonDonata Riedel

Die EU-Staaten geben so viel Geld für Entwicklungszusammenarbeit aus wie nie zuvor, stellt die OECD fest. Die Ausgaben stiegen 2015 kräftig um 12,7 Prozent. Dafür gibt es einen Grund.

Flüchtlinge kommen in einem Schlauchboot auf der griechischen Insel Lesbos an. Ausgaben für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten dürfen sich Geberländer auf ihre ODA gutschreiben. dpa

Hilfe für Flüchtlinge

Flüchtlinge kommen in einem Schlauchboot auf der griechischen Insel Lesbos an. Ausgaben für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten dürfen sich Geberländer auf ihre ODA gutschreiben.

BerlinDie Hilfen für syrische Bürgerkriegsflüchtlinge lassen die Entwicklungs-Ausgaben in den meisten EU-Staaten kräftig steigen. Das zeigt die neue Statistik der Industrieländer-Organisation OECD über die Offizielle Entwicklungshilfe, englisch abgekürzt ODA. Betrachtet man alle Industrieländer, stiegen die Ausgaben um sieben Prozent. Den größten Zuwachs an Großzügigkeit reicher Länder gegenüber den Armenhäusern verzeichneten dabei die EU-Staaten mit 12,7 Prozent. Allerdings: Den größten Teil des Zuwachses machten dabei Ausgaben zuhause aus: Denn Ausgaben für Flüchtlinge aus Kriegsgebieten dürfen sich die Geberländer auf ihre ODA gutschreiben. Dies führte dazu, dass Griechenland, Deutschland und die Niederlande die größten Ausgabensteigerungen erreichten. Zum einen, weil bei ihnen die meisten Flüchtlinge ankamen, zum anderen, weil sie ihre Statistiken entsprechend änderten.

So viel haben Deutsche im Jahr 2015 gespendet

Woher stammen die Zahlen?

Die Deutschen haben 2015 so viel Geld gespendet wie nie zuvor. Das zeigt die „Bilanz des Helfens“ vom Deutschen Spendenrat. Für einen enormen Spendenschub sorgte unter anderem die Flüchtlingskrise. Die Studie zum privaten Spendenaufkommen wurde von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erstellt. Sie basiert auf einer schriftlichen Befragung von 10.000 Menschen.

Wie viel haben die Deutschen gespendet?

Die Deutschen haben 5,5 Milliarden Euro gespendet – ein Rekord. Im Vergleich zu 2014 stieg das private Spendenaufkommen um fast zwölf Prozent. Wer spendete, gab im Schnitt 37 Euro aus – einen Euro mehr als im Vorjahr. Auch die Spendenhäufigkeit stieg: von durchschnittlich 6,2 auf 6,6 Zahlungen pro Spender.

Wem hilft das Geld?

Der Großteil der Spenden (rund 80 Prozent) kommt der humanitären Hilfe zugute. Hier gab es auch den stärksten Zuwachs (476 Millionen Euro). Besonders viel Geld kam im Mai nach dem Erdbeben in Nepal zusammen. Laut GfK sorgte die Ankunft Tausender Flüchtlinge ab September ebenfalls für einen Spendenschub. Darüber hinaus gaben Deutsche auch für Sport (21 Millionen Euro) und Tierschutz (10 Millionen Euro) mehr Geld aus. Weniger Spenden gingen an den Umwelt- und Naturschutz (19 Millionen Euro) sowie die Kultur- und Denkmalpflege (11 Millionen Euro).

Wer sind die Spender?

22,7 Millionen Deutsche - das ist etwa jeder Dritte (34 Prozent) - haben gemeinnützigen Organisationen oder Kirchen Geld für den guten Zweck gezahlt. Die Ältesten waren die spendenfreudigsten: In der Gruppe der Menschen ab 70 Jahren griff mehr als jeder zweite zur Geldbörse und gab im Schnitt 310 Euro aus. In der Altersgruppe bis 29 Jahre gab es nur vier Prozent Spender. Sie investierten rund 80 Euro.

Wie helfen die Deutschen in der Flüchtlingskrise?

Laut einer Zusatzbefragung der GfK befürchten 54 Prozent der Deutschen, arme Menschen könnten durch die Flüchtlinge ins Hintertreffen geraten. „Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass sich fast die Hälfte der Befragten im vergangenen Jahr für Flüchtlinge engagierte und damit letztlich zu einem neuen Spendenrekord beigetragen hat“, sagt die Geschäftsführerin des Deutschen Spendenrats, Daniela Felser. 34 Prozent der Deutschen gaben Sachspenden. 13 Prozent spendeten Geld oder engagierten sich ehrenamtlich für Flüchtlinge. Nur 1,6 Prozent spendeten Geld und Zeit.

Welche Art von Hilfe für Flüchtlinge ist jetzt gefragt?

Angesichts voller Kleiderkammern in vielen Flüchtlingsunterkünften sind Sachspenden laut Spendenrat inzwischen nicht mehr vorrangig nötig: „Die Akuthilfe haben wir geleistet. Das Nötigste ist jetzt vorhanden. Jetzt geht es um die nächste Stufe der Hilfe, nämlich um die Integration“, sagte Vorstand Hartmut Kopf. Integration sei nur mit finanzieller Unterstützung in Gang zu bringen.

In Deutschland etwa überzeugten die Haushälter Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU), die deutschen Entwicklungshilfeleistungen endlich in der internationalen Statistik besser als bisher darzustellen. „Wir halten es für richtig, auch international zu verdeutlichen, was Deutschland in der Flüchtlingskrise und für die Entwicklungszusammenarbeit insgesamt leistet", sagte Unions-Haushälter Eckhardt Rehberg (CDU) dem Handelsblatt.

Bisher nämlich meldete Deutschland inländischen Flüchtlingsausgaben zurückhaltender an die OECD. Die skandinavischen Länder hingegen, die innerhalb der Vereinten Nationen stets als Musterländer dastehen, waren schon bisher nicht so zurückhaltend: Es waren dort auch in früheren Jahren schon Flüchtlingsaufnahmekosten, die dazu beitrugen, dass Norwegen und Schweden die Uno-Anforderungen erfüllten und 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung (gemessen am Bruttonationaleinkommen) für ODA ausgaben Deutschland dagegen kam 2014 auf nur 0,42 Prozent.

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