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26.09.2016

14:52 Uhr

OECD-Studie

CO2-Ausstoß soll teurer werden

Der Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid kostet international im Schnitt 14,40 Euro. Mehr als doppelt so hoch müsste der Preis sein, fordern OECD-Experten. Nur so gäbe es für Firmen genug Anreiz für effektiven Klimaschutz.

Der Ausstoß von klimaschädlichem CO2-Gas sollte in der heutigen Zeit stärker reguliert werden – etwa durch Steuern oder Verschmutzungsrechte, so die OECD. dpa

Auspuff eines Wagens

Der Ausstoß von klimaschädlichem CO2-Gas sollte in der heutigen Zeit stärker reguliert werden – etwa durch Steuern oder Verschmutzungsrechte, so die OECD.

ParisDer Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2) ist laut einem Expertenbericht deutlich zu billig, um genug Anreize für einen effektiven Klimaschutz zu setzen. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris untersuchte, wie viel Geld 41 Industrie- und Schwellenländer von CO2-Verursachern in der Wirtschaft kassieren – entweder über Steuern oder über den Verkauf von Verschmutzungsrechten wie im EU-Emissionshandel.

Im Durchschnitt dieser Länder, die für 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen aus Energieverbrauch verantwortlich sind, kostet eine Tonne des klimaschädlichen Treibhausgases demnach 14,40 Euro. Um die realen Klimakosten abzubilden, seien selbst bei niedrigen Schätzungen aber 30 Euro pro Tonne nötig, teilte die Organisation am Montag mit. Insgesamt würden nur für 10 Prozent der CO2-Emissionen 30 Euro oder mehr pro Tonne fällig. Für 60 Prozent des Ausstoßes müssten die Verursacher sogar gar nichts bezahlen, hieß es.

Die wichtigsten Schlagworte zum Klimawandel

Globale Erwärmung

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist die Temperatur auf der Erde um gut 0,8 Grad Celsius angestiegen. Das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts (von 2001 bis 2010) war nach Angaben der Weltorganisation für Meteorologie das heißeste seit 1881 - im Durchschnitt betrug die Temperatur 14,47 Grad an der Land- und Meeresoberfläche und damit 0,47 Grad mehr als im Durchschnitt zwischen 1961 und 1990.

Anstieg des Meeresspiegels

Der Anstieg des Meeresspiegels hat sich in den vergangenen 20 Jahren beschleunigt. Laut dem IPCC-Bericht von 2007 dürfte der Meeresspiegel bis zum Endes dieses Jahrhunderts um zwischen 18 und 59 Zentimeter ansteigen. Im neuen Bericht dürfte diese Zahl angehoben werden. Studien zufolge geht der Anstieg zu rund einem Drittel darauf zurück, dass sich das Wasser bei zunehmender Wärme ausdehnt, zu einem weiteren Drittel auf das Schmelzen von Gletschern und zu etwas weniger als einem Drittel auf das Abschmelzen der Eiskappen in Grönland und der Antarktis.

Eisschmelze

Die Arktis erlebte im vergangenen Jahr eine Rekord-Eisschmelze. Laut der US-Behörde für Ozeanologie und Atmosphärenforschung (NOAA) verkleinerte sich die Eisfläche in der Arktis 2012 auf 3,41 Millionen Quadratkilometer. Das ist die kleinste Fläche seit Beginn der Satelliten-Beobachtung der Region vor 34 Jahren und 18 Prozent weniger als der bisherige Niedrigrekord aus dem Jahr 2007. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Gewässer rund um den Nordpol bis 2050 im Sommer eisfrei sein könnten.

Gletscherschwund

Bei Gebirgsgletschern wird weltweit eine starke Eisschmelze beobachtet, etwa im Himalaya-Gebirge oder in den südamerikanischen Anden. Die Gletscher der Pyrenäen zwischen Frankreich und Spanien könnten bis 2050 ganz verschwunden sein.

Extreme Wetterphänomene

In einem Sonderbericht hatte der Weltklimarat IPCC im November 2011 festgehalten, dass es im Zuge der Erderwärmung zu einer Zunahme extremer Wetterphänomene wie heftiger Regenfälle, Hitzewellen und Dürreperioden gekommen ist und diese Entwicklung anhalten wird. 2012 wurden laut eine Untersuchung etwa die Hälfte aller Extremwetterphänomene durch den Klimawandel verstärkt.

Artensterben

Unter einem weiteren Temperaturanstieg wird auch die Tier- und Pflanzenwelt leiden. Ein Anstieg zwischen 1,5 und 2,4 Grad im Vergleich zu den 20 letzten Jahren des 20. Jahrhunderts würde dafür sorgen, dass 20 bis 30 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht würden.

Zwei-Grad-Ziel

Internationales Ziel ist es, den Temperaturanstieg bis zum Ende dieses Jahrhunderts auf zwei Grad zu beschränken. Laut dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen wird der Anstieg aber zwischen drei und fünf Grad betragen, wenn es bei den bisherigen Bemühungen zur Reduzierung von Treibhausgasen bleibt.

Climategate

Im November 2009 drangen Hacker in die Computer des Klimaforschungszentrums der University of East Anglia ein, stahlen mehrere tausend Dokumente und veröffentlichten sie im Internet als angebliche Belege für wissenschaftliches Fehlverhalten der Klimaforscher. Mehrere Untersuchungen unabhängiger Institutionen konnten allerdings keine Hinweise auf ein solches Fehlverhalten nachweisen.

„CO2 durch Steuern oder Emissionshandelssysteme zu bepreisen, ist eines der wirksamsten Instrumente, um CO2-Emissionen zu reduzieren und dem Klimawandel zu begegnen“, erklärte OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Der Bericht zeige, dass schon moderate Preiserhöhungen deutliche Auswirkungen haben könnten.

Die Autoren stützten sich auf Daten aus dem Jahr 2012. Auch die großen CO2-Erzeuger USA, China und Indien werden dabei analysiert. Der Bericht betrachtet alle Steuern, die auf Energieverbrauch fällig werden, bei dem CO2 entsteht. Damit werden Benzinsteuern eingerechnet, obwohl sie nicht nur mit Klimaschutz begründet werden, sondern etwa auch Straßen finanzieren sollen.

Bei Emissionen im Straßenverkehr werden deshalb international die höchsten Preise pro Tonne CO2 notiert – hier liegen die meisten Ländern über der 30-Euro-Marke. Steuern machen daher insgesamt auch den Großteil der staatlichen Preise für CO2-Emissionen aus, der Handel mit Verschmutzungsrechten dagegen nur 5,6 Prozent.

In Deutschland ist der Ausstoß von CO2 vergleichsweise teuer: Hier wird bei fast der Hälfte der Emissionen (48 Prozent) ein Preis von 30 Euro oder mehr fällig. In Durchschnitt kostet der Ausstoß einer Tonne CO2 59 Euro. Dies fußt auf dem hohen Preis im Straßenverkehr (knapp 220 Euro pro Tonne). In allen anderen Wirtschaftsbereichen zusammen liegt Deutschland zwar ebenfalls im oberen Fünftel der Länder, bleibt aber mit gut 23 Euro pro Tonne noch unter der 30-Euro-Marke.

„Viel zu wenige Emissionen werden über den Emissionshandel erfasst“, kritisierte Eva Bulling-Schröter, Klimapolitikerin der Linken im Bundestag. Auch in Deutschland könnten Preisen noch steigen. Allerdings müssten direkte Standort-Konkurrenten wie die USA und China perspektivisch vergleichbare CO2-Preise erreichen, um Waffengleichheit herzustellen.

Von

dpa

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