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26.04.2012

19:41 Uhr

OECD-Studie

Gehälter in Griechenland brechen um ein Viertel ein

Die Staatskrise hinterlässt deutliche Spuren in den Geldbeuteln der Griechen. Im Jahr 2011 schrumpfte das durchschnittliche Gehalt um ein Viertel. Besserung ist vorerst nicht in Sicht.

Fleischhändler auf einem Athener Markt. dpa - picture alliance

Fleischhändler auf einem Athener Markt.

AthenIn Griechenland sind die Gehälter in der Privatwirtschaft nach OECD-Berechnungen 2011 um rund ein Viertel eingebrochen. Vollzeitbeschäftigte verdienten im vergangenen Jahr mit durchschnittlich 12.530 Euro netto weniger als die Hälfte ihrer Kollegen in Deutschland, wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag mit. Nominal belief sich der Rückgang im Vergleich zum Jahr 2010 auf gut 23 Prozent, inflationsbereinigt sogar auf über 25 Prozent.

Die Griechenland-Risiken

Rettungspaket geschnürt

Das neue Rettungspaket für Griechenland ist geschnürt. Aber auch nach der Vereinbarung der Euro-Finanzminister über weitere Milliardenhilfen gibt es noch Risiken.

Zeitplan

Eine endgültige Entscheidung der Euro-Partner und des IWF ist Anfang/Mitte März zu erwarten. Dann soll feststehen, wie das Angebot zum Schuldenerlass von den Privatgläubigern angenommen wird und ob Athen verlangte Auflagen erfüllt hat. Voraussichtlich in der zweiten Märzwoche steht auch fest, wie stark sich der Internationale Währungsfonds (IWF) beteiligt. Offen ist, wann und wie nationale Parlamente der Euro-Länder entscheiden. Der Bundestag berät am 27. Februar. Athen benötigt bis zum 20. März 14,5 Milliarden Euro, um Schulden zu begleichen und den Staatsbankrott so abzuwenden.

Schuldenschnitt

Griechenland kann nun privaten Gläubigern wie Banken, Versicherern oder Fonds ein Angebot unterbreiten - zum freiwilligen Forderungsverzicht und Umtausch alter Hellas-Staatsanleihen in neue, länger laufende Schuldtitel mit geringerer Verzinsung. Der Umtausch könnte sich etwa zwei Wochen hinziehen. Erst dann steht fest, wie viele Privatgläubiger mitmachen. Fällt die Beteiligung am Schuldenschnitt zu niedrig aus, müsste die griechische Regierung den Verzicht für alle Gläubiger erzwingen. Für den Zwangsumtausch würden nachträglich die Konditionen verändert und rückwirkend Umschuldungsklauseln (CACs) eingeführt.

Ratingagenturen

Mit der rückwirkenden Einführung dieser Klauseln könnte Griechenland einen von der Gläubigermehrheit akzeptierten Schuldenschnitt für alle Geldgeber verpflichtend machen. Die Rating-Agentur Standard & Poor's hat aber schon angekündigt, einen solchen Schritt als teilweisen Ausfall („Selective Default“/„SD“) zu werten. Das wiederum führt dazu, dass Kreditausfallversicherungen fällig werden, was die Lage in der Euro-Zone verschärfen dürfte.

Hedgefonds

Für Hedgefonds wäre eine Staatspleite lukrativer. Dann würden Kreditausfallversicherungen, mit denen sich die Fonds eingedeckt haben, fällig. Der Nominalwert griechischer Anleihen würden dann ersetzt. Aus Sicht der Fonds wäre ein erzwungener Schuldenschnitt eine Art Enteignung und damit ein Verstoß gegen die Grundrechte. Daher wurde zuletzt sogar über eine Klage der Fonds vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte spekuliert.

IWF-Anteil

Die Höhe der IWF-Beteiligung am zweiten Hilfspaket ist noch offen. Am ersten Rettungspaket von 110 Milliarden Euro hatte sich der Fonds zu einem Drittel beteiligt. Klar ist wohl, dass der IWF nicht die Privatsektorbeteiligung mitfinanziert. Das betrifft die 30 Milliarden der insgesamt 130 Milliarden Euro, mit denen der Anleiheumtausch schmackhaft gemacht werden soll. In Brüssel hofft man, dass sich der IWF an den restlichen 100 Milliarden wieder zu einem Drittel beteiligt. Dies hängt auch davon ab, ob der Euro-Rettungsschirm aufgestockt wird, wie es IWF und Europäische Zentralbank fordern.

Umsetzung

Anfang März prüft die Euro-Gruppe, ob Athen unerledigte Aufgaben aus dem ersten Rettungspaket abgearbeitet hat. Offen ist, welche Regierung nach Neuwahlen in Athen das Sagen hat. Zusagen, das Spar- und Reformprogramm auch nach Wahlen umzusetzen, liegen nur von den Sozialisten (Pasok) und den Konservativen (Nea Dimokratia) vor. Andere Parteien könnten künftig aber Teil der Regierung sein.

Das hoch verschuldete Land befindet sich seit Jahren in einer tiefen Rezession. Ein Ende des Konjunkturtiefs ist nach Ansicht der griechischen Notenbank auch 2012 nicht in Sicht. Das Bruttoinlandsprodukt werde um rund fünf Prozent sinken, sagte Zentralbankchef Giorgos Provopoulos am Mittwoch. 

Griechenland hatte im Gegenzug für ein milliardenschweres Rettungspaket von Europäischer Union (EU) und Internationalem Rettungsfonds (IWF) einen strengen Sparkurs eingeschlagen. In der Bevölkerung wächst angesichts des sinkenden Lebensstandards der Unmut über die Einschnitte. Am 6. Mai wählen die Griechen ein neues Parlament. Zuletzt waren in den Umfragen vor allem die Parteien unter Druck geraten, die sich zur Einhaltung der international vereinbarten Sparziele bekennen.

Von

rtr

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

26.04.2012, 20:05 Uhr

Die Einkommen der Griechen schrumpfen um ein Viertel, die Tourismuszahlen brechen aktuell um 45 Prozent ein, die Jugendarbeitslosigkeit steuert auf 50 Prozent zu, die Industrieproduktion bricht erneut deutlichst ein. Das ist das Ende. Und um es noch einmal ganz klar beim Namen zu nennen: Der Euro ist der fast alleinige Auslöser dieser Katastrophe! Ere verursachte und verursacht immer noch extreme Wirtschaftsungleichgewichte und unangepasste Zinsen. Der Euro ist dabei ganze Volkswirtschaften zu zerstören. Griechenland ist kein Sonderfall, Griechenland ist der Anfang. Schon kollabiert aktuell Spanien und überschattet kurzfristig den weiteren Niedergang von Portugal, Irland und weiteren Ländern.Selbst Frankreich ächst unter der Euro-Schuldenlast und der vermutlich zukünftige Präsident spricht von neuen Schulden, die zur Bewältigung (lol) der aktuellen Krise nötig seien. Nein - gar nichts ist mehr nötig - wir sind fertig - der Euro ist fertig. Nigel Farage: »Der Zusammenbruch des Euro ist nur noch eine Frage des WIE!
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Account gelöscht!

26.04.2012, 20:09 Uhr

Sorry, hier nocheinmal:

http://www.youtube.com/v/3-EKM_aWL84&hl=en_US&feature=player_embedded&version=3%22%3E%3C/param%3E%3Cparam%20name=%22allowFullScreen%22%20value=%22true%22%3E%3C/param%3E%3Cparam%20name=%22allowScriptAccess%22%20value=%22always%22%3E%3C/param%3E%3Cembed%20src=%22http://www.youtube.com/v/3-EKM_aWL84&hl=en_US&feature=player_embedded&version=3%22%20type=%22application/x-shockwave-flash%22%20allowfullscreen=%22true%22%20allowScriptAccess=%22always%22%20width=%22640%22%20height=%22360%22%3E%3C/embed%3E%3C/object

nanoflo

26.04.2012, 20:10 Uhr

Ich denke da mal an manche Branchen in Deutschland!!!
Wir haben auch Jahrzehntelang Kürzungen hinnehmen müssen während die Griechen Lohnsteigerungen von angeblich 38 % gehabt haben.
Das gleicht sich jetzt halt wieder an.

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