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13.08.2015

12:40 Uhr

OECD-Studie

Reich und unversteuert

Eine OECD-Studie prangert die Steuersysteme an: Viel zu häufig könnten Reiche Steuern vermeiden oder hinterziehen – auch in Deutschland. Dabei gäbe es eine einfache Möglichkeit, das zu verhindern.

Nur wenige Behörden, ein Drittel der untersuchten Länder, hätten den Rat aus einer Studie von 2009 umgesetzt, und spezielle Abteilungen für Reiche eingerichtet. Deutschland ist nicht dabei. dpa

Immer mehr Reiche auf der Welt

Nur wenige Behörden, ein Drittel der untersuchten Länder, hätten den Rat aus einer Studie von 2009 umgesetzt, und spezielle Abteilungen für Reiche eingerichtet. Deutschland ist nicht dabei.

DüsseldorfDeutschland schont seine Gutverdiener. Zu diesem Schluss kommt eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Die Steuerbehörden seien nicht streng genug, mahnt die Organisation.

In der Studie „Tax Administration 2015“ vergleicht die Organisation Strukturen und Effektivität der Steuerbehörden in 56 Ländern. Das Fazit: In den meisten Industrieländern seien die Steuerbehörden nicht ausreichend auf die mehr werdenden Reichen eingerichtet. Nur wenige Behörden, ein Drittel der untersuchten Länder, hätten den Rat aus einer Studie von 2009 umgesetzt und spezielle Abteilungen für sie eingerichtet. Deutschland ist nicht dabei.

Global Wealth Report 2015: So stark wächst der Vermögensmarkt

Global

Der weltweite Vermögensmarkt wächst und wächst: Im Jahr 2014 stieg das private Geldvermögen laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) um zwölf Prozent. Schon im Vorjahr hatte es um eine ähnliche Größenordnung auf 146,8 Billionen US-Dollar zugelegt. Bis 2019 rechnet die BCG noch einmal mit einem Wachstum von 35 Prozent.

Privates Geldvermögen 2014: 164,3 Billionen US-Dollar (plus zwölf Prozent)
Erwartetes privates Geldvermögen 2019: 222,1 Billionen US-Dollar

Nordamerika

Auch in den USA und Kanada legt das private Geldvermögen stetig zu. 2014 lag das Wachstum bei fast sechs Prozent. Im Vergleich zu 2013 hat sich dieses allerdings deutlich verlangsamt: Damals legte das Vermögen um 14 Prozent zu. Bis 2019 soll es um fast ein Viertel weiter ansteigen.

Privates Geldvermögen 2014: 50,8 Billionen US-Dollar (plus 5,6 Prozent)
Erwartetes privates Geldvermögen 2019: 62,5 Billionen US-Dollar

Japan

Das langsamste Wachstum im weltweiten Vergleich verzeichnete 2014 Japan. Das Plus bei privaten Vermögenswerten lag lediglich bei 2,5 Prozent und damit noch niedriger als im Vorjahr, in dem es 3,3 Prozent waren. Bis 2019 soll es weiter wachsen.

Privates Geldvermögen 2014: 14,3 Billionen US-Dollar (plus 2,5 Prozent)
Erwartetes privates Geldvermögen 2019: 15,5 Billionen US-Dollar

Lateinamerika

In Lateinamerika zeigen die Wachstumsraten bei privatem Vermögen klar nach oben. Allein 2014 verzeichnete die Region ein Plus von elf Prozent, im Vorjahr waren es lediglich sechs Prozent gewesen. Zwar liegen die Summen im Vergleich noch in einem eher niedrigen Bereich, doch bis 2019 erwartet die BCG ein Plus von fast 80 Prozent.

Privates Geldvermögen 2014: 3,7 Billionen US-Dollar (plus elf Prozent)
Erwartetes privates Geldvermögen 2019: 6,6 Billionen US-Dollar

Naher Osten und Afrika

Im Nahen Osten und in Afrika ebbte die Zunahme an privatem Geldvermögen leicht ab. Erzielte die Region 2013 noch ein Plus von fast zwölf Prozent, waren es 2014 lediglich 9,4 Prozent. Bis 2019 soll dieses Wachstum noch einmal deutlich zulegen.

Privates Geldvermögen 2014: 5,7 Billionen US-Dollar (plus neun Prozent)
Erwartetes privates Geldvermögen 2019: 8,8 Billionen US-Dollar

Asien-Pazifik-Region (ohne Japan)

Die Asien-Pazifik-Region konnte 2014 mit dem deutlichsten Wachstum aufwarten. Um fast 30 Prozent legte das Plus im vergangenen Jahr zu. Bis 2016 wird das Wachstum noch einmal um fast 60 Prozent wachsen, prognostiziert die BCG. Dann würde das Geldvermögen sogar höher liegen als in den USA.

Privates Geldvermögen 2014: 47,3 Billionen US-Dollar (plus 29,4 Prozent)
Erwartetes privates Geldvermögen 2019: 75,1 Billionen US-Dollar

Westeuropa

Nach einem Anstieg von lediglich zwei Prozent im Jahr 2013 hat sich das Wachstum in Westeuropa 2014 mehr als verdoppelt. Auch in den kommenden Jahren rechnet die BCG mit einem weiteren Plus: Um fast ein Viertel soll das Geldvermögen in Deutschland, Frankreich und Co. bis dahin zulegen.

Privates Geldvermögen 2014: 39,6 Billionen US-Dollar (plus sieben Prozent)
Erwartetes privates Geldvermögen 2019: 49,0 Billionen US-Dollar

Osteuropa

Die Staaten in Osteuropa verzeichnen zwar zweistellige Wachstumsraten, allerdings auf einem sehr niedrigen Niveau. Zwar legte das Geldvermögen in Osteuropa 2014 um fast ein Fünftel zu, doch mit 2,9 Billionen US-Dollar ist die Summe nirgends so niedrig wie dort. Immerhin: Bis 2019 soll das Vermögen um fast 60 Prozent zulegen.

Privates Geldvermögen 2014: 2,9 Billionen US-Dollar (plus 19 Prozent)
Erwartetes privates Geldvermögen 2019: 4,6 Billionen US-Dollar

Die „High Net Worth Individuals“ sind Einzelpersonen mit einem Vermögen von mehr als einer Million Dollar. Diese seien für die Steuerbehörden eine besondere Herausforderung, weil sie häufiger Wege fänden Steuern zu hinterziehen. Das habe Auswirkungen auf die Integrität des gesamten Steuersystems, urteilt die OECD.

Deswegen fordern die Macher der Studie erneut eine Sonderabteilung für Reiche mit speziell geschulten Beamten. Zudem müsse die grenzübergreifende Zusammenarbeit der Steuerbehörden deutlich gesteigert werden.

Die Reichen werden immer mehr: Der Report „Global Wealth 2015 – Winning The Growth Game“ der Beratungsfirma Boston Consulting Group (BCG) sieht die Konzentration der Vermögen noch stärker bei den Superreichen als in den Jahren zuvor. Die Zahl der Millionäre weltweit kletterte im vergangenen Jahr nach Angaben der Beratungsfirma deutlich von 15 auf 17 Millionen. Der Anteil dieser Haushalte am gesamten Privatvermögen nahm von 40 auf 41 Prozent zu. Nach Schätzung von BCG dürfte er bis 2019 auf 46 Prozent steigen. Das rasanteste Wachstum sagen die Forscher der Spitzengruppe mit Vermögen von mehr als 100 Millionen Dollar voraus, bei der sich zuletzt bereits sechs Prozent des globalen Reichtums ballten. 

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Die meisten Millionäre und Superreichen hatten zuletzt die USA vor dem stark aufholenden China. Die höchste Millionärsdichte macht die Studie in der Schweiz aus, wo 135 von 1.000 Einwohnern mehr als eine Million Dollar auf der hohen Kante hatten. Dahinter folgen Bahrain, Katar, Singapur, Kuwait und Hongkong.

In Deutschland nahm die Zahl der Millionäre zum Vorjahr um 3,6 Prozent auf 350.000 zu, damit landete die Bundesrepublik auf Rang sieben des Rankings. Deutlich schneller - um 6,9 Prozent - wuchsen die Vermögen der Superreichen hierzulande. 679 deutsche Haushalte mit Privatvermögen von mehr als 100 Millionen Dollar zählten die BCG-Forscher. Damit rangiert Deutschland hinter den USA, China, Großbritannien und Indien auf Platz fünf.

Von

kwi

Kommentare (5)

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Herr M. M.

13.08.2015, 14:11 Uhr

Die Steuern müssen weder erhöht noch gesenkt werden,die Steuern müssen bezahlt werden.Basta!

Herr Pavlo Schwede

13.08.2015, 14:23 Uhr

Wenn Konzerne, die unzählige Gewinne erzielen Steuern zahlen würden, dann wäre es egal wie viele Millionäre ihr Geld an der Steuer vorbei Schleusen.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette 

Herr Manfred Zimmer

13.08.2015, 14:51 Uhr

"Reich und unversteuert"

Wer hat denn nun die Steuergesetze geschaffen? Waren es die kleinen Bürger wie "Uli Honeß", die in den Knast wandern oder waren es die, die es wussten sich Abgeordnete und Parteien zu kaufen?

Schließen wir die "Hoenß" aus, dass sie die Steuergesetze geschaffen hätten, die Steuerfreiheit legalisierten, dann landen wir bei der zweiten Gruppe.

Wir erkennen, dass unsere Politiker korrupt sein müssen und in der Kausa "Griechenland" versuchen sie uns auch noch zu verkaufen, dass sie "alternativlos" handeln. Selbst kleine Praktikanten wussten schon vor 30 Jahren wie es mit der griechischen Wirtschaft bestellt war. Sie brauchten keine 300 Mrd. € dort zu versenken, um aufzuwachen.

Warten wir also ab, ob sich die deutschen Bundestagsabgeordneten nun wissentlich für jedermann wiederum für die Veruntreuung von deutschen Steuermilliarden trauen. Ein Untersuchungsausschuss soltte sich mit den Vorgängen in Bundesregierung und Parlament beschäftigen. Aber wie soll das gehen, wenn über 80 % der Abgeordneten in diese Korruption eingebunden sind?

Wie hat das Volk zu agieren, wenn sie im Bundestag kaum noch vertreten werden? Wenn selbst ein Fraktionsvorsitzender Politikern mit Verantwortungsbewusstsein mit Verbannung droht, wer will dann noch von einer Bundesrepublik als demokratisches Land reden?

Man mag für Herrn Kauder Verständnis ausdrücken wollen, aber das er immer noch im Amt ist, das ist ein Skandal. Das die Medien ihn noch hofieren ist ein weiterer Skandal.

Die Bürger sind gefordert endlich Flagge zu zeigen!

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