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19.05.2011

22:01 Uhr

Ökonom Sinn

Griechenlands Austritt aus der Euro-Zone kleineres Übel

Exklusiv Der Ökonom Hans-Werner Sinn hat sich für einen Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone ausgesprochen. "So turbulent der Austritt wäre, so schnell würden sich die Gemüter wieder beruhigen", schreibt der Präsident des Münchner Ifo-Instituts in einem Gastbeitrag für das Handelsblatt.

Ifo-Chef Sinn. Quelle: dapd

Ifo-Chef Sinn.

Düsseldorf

Zwar hätten ein Austritt aus der Währungsunion und eine Abwertung der griechischen Währung laut Sinn einen Run auf die Banken zur Folge, der die griechischen Banken in die Pleite treiben würde. Aber die Firmen der Realwirtschaft würden stabilisiert, weil sie sofort ihre Wettbewerbsfähigkeit wiedererlangten - und auch ihre Bankschulden abgewertet würden. "Eine Massenarbeitslosigkeit würde vermieden. Das Land käme sehr schnell wieder auf die Beine", so Sinn.

Der Ökonom hält einen Schuldenerlass in Höhe des heutigen Marktabschlags auf den Nennwert von rund 40 Prozent für notwendig. Er warnt eindringlich vor einer sogenannten internen Abwertung, die Deutschland zwischen 1929 und 1933 durchgemacht habe. Die Gewerkschaften würden militant, und die Firmen gerieten in die Überschuldung, weil ihre Aktiva an Wert verlören, während die Bankschulden blieben. "Griechenland würde wie damals Deutschland an den Rand des Bürgerkriegs getrieben" schreibt Sinn im Handelsblatt.

Kommentare (3)

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sinnlos

20.05.2011, 05:33 Uhr

Alles SINNlos, die Stimmung ist zu aufgeheizt gegen die Politikalinkorrektness. Aber, wo soll bitte in Griechenland Wachstum herkommen??? Dieses schöne Land unseres kulturellen Ursprungs von Kunst bis Philosophie müsste total zu industrialisiert werden. Alles nur wegen Kapital, Gewinn, immer-mehr??? Dann geilt sich Blackrock wieder mit Investitionen zu besonderen Konditionen am jetzt abgewerteten Schuldenturm auf, gewinnt und die vergessenen Griechen mit dem Espresso an ihrer weißen Hausmauer verlieren erneut wo es nichts mehr zu verlieren gibt! ZENTRAL - es fehlt an Industrie in diesem Land, die diesen Aufschwung ermöglichen würde. SINNvoll wäre ein eigener Urlaub dort. Abflug am Montag 09.20 ab Erding-Airport. Das Weißbier nicht vergessen. Dann sieht man weniger...

Roemi

20.05.2011, 09:30 Uhr

Schuldenschnitt, Rückkehr zur Drachme, dass ein "Volksökonom", dem profundes Fachwissen unterstellt wird, so leichtfertig die Vernichtung von hart erarbeitetem Vermögen Dritter fordern, ist schon arg bedenklich.

Zumal merkwürdigerweise eine ganz andere Option, die Euro-Austritt und Schuldenschnitt eventuell verhindern könnte, ohne dass weitere Milliardenhilfen fliessen müssten, in den Diskussionen gar keine Rolle spielt:

Wieso stellt man die Kredite an Griechenland nicht zunächst einmal zinsfrei? Bei 340 Mrd. Euro Schulden wären das bei 5% Durchschnittsverzinsung (diese Zahl ist reine Schätzung, keine recherchierte Kennzahl) eine Entlastung des griechischen Haushalts um 17 Mrd. oder 7% des BIP. Den Rest des Defizits müssten die Griechen dann selbst noch einsparen.

Ein Schuldenschnitt um 40% bringt bei oben geschätztem Durchschnittszins nur eine Entlastung von 7 Mrd., vernichtet aber 140 Mrd. EUR an Vermögen von Bürgern und Institutionen (Pensionsfonds, Versicherungen, Banken), die noch im letzten Jahr von Herrn Schäuble angebettelt wurden, Griechenland den Kredithahn nicht zuzudrehen und weitere Anleihen zu zeichnen.

Die Gläubiger jetzt im Regen stehen zu lassen und taumelnde Banken anschließend wieder mit X Mrd. Steuergeldern zu retten empfinde ich als fieses politisches Ablenkungsmanöver: Die Banken sind bei diesem Szenario wieder einmal die Bösen, obwohl es die Politik in ganz Europa/USA ist, die seit Jahrzehnten nicht mit Geld umgehen kann. Wenn Griechenland im reichen Europa einen Schuldenschnitt vornehmen muss, wer ist dann das nächste Land? Oder schwebt den Europolitikern genau das vor, dass sich am Ende jedes Euroland mal eben seiner Schulden über einen Schnitt entledigt?

ReinerD

20.05.2011, 10:31 Uhr

@Roemi
Das ist doch eine Milchmädchenrechnung:
Sie vergessen, dass bei einer durchschnittlichen Restlaufzeit der Schulden von z.B. 10 jahren (also laufzeiten zwischen 0 und 20 Jahren) jedes Jahr 17 Milliarden zurück gezahlt werden müßten. Bei einem Schuldenschnitt von 140 Milliarden wäre diese jährliche Belastung um 140 Mill. /20 jahre = 7 Mill. geringer.
Also ist die Entlastung bei 14 Milliarden/Jahr.
Und das ist nicht mal Finanzmathematik.


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