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04.03.2014

04:41 Uhr

Ökonom Thorsten Polleit

Ukraine-Pleite hätte „weitreichende Ansteckungs-Effekte“

VonDietmar Neuerer

Auch ohne einen Krieg mit Russland droht der Ukraine eine Staatspleite. Einzig versprochene Hilfskredite haben dies nach Ansicht des Ökonomen Thorsten Polleit verhindert.

Die ausbleibenden Rabatte des Gazprom-Konzerns bringen die Ukraine in starke finanzielle Bedrängnis. AFP

Die ausbleibenden Rabatte des Gazprom-Konzerns bringen die Ukraine in starke finanzielle Bedrängnis.

BerlinNach Einschätzung des Frankfurter Ökonomen Thorsten Polleit erhöht die Ankündigung des russischen Konzerns Gazprom, der Ukraine künftig keinen Gaspreis-Rabatt mehr zu gewähren, dass Risiko eines Staatsbankrotts. „Das Zahlungsausfallrisiko ist als hoch einzustufen“, sagte der Honorarprofessor an der Frankfurt School of Finance Handelsblatt Online.

Nur der Umstand, dass dem Land Finanzhilfen in Aussicht gestellt worden seien, habe vermutlich bislang verhindert, dass die Kurse von ukrainischen Schuldtiteln nicht noch weiter abgesunken sind. Die westlichen Institutionen seien aus Sicht der Finanzmärkte im Obligo.

Ein Zahlungsausfall ukrainischer Fremdwährungsschulden hätte aus Sicht Polleits vermutlich „weitreichende Ansteckungs-Effekte“. Eine solche Situation würde vermutlich von den Marktakteuren dahingehend gedeutet werden, dass tatsächlich nicht alle schwankenden Schuldner der Welt gerettet werden können.

„Tendenziell würde eine Flucht aus schlechteren Bonitäten in vergleichsweise gute Bonitäten einsetzen, eine Entwicklung, die erhebliche Turbulenzen mit sich bringen dürfte“, warnte der Ökonom.

Polleit begründet seine Einschätzung mit der Verschuldung der Ukraine in Fremdwährung. Die Brutto-Auslandsschuld habe sich Ende Oktober 2013 auf gut 137 Milliarden US-Dollar belaufen. Auf den Staat seien dabei 77,8 Milliarden, auf Banken 21,2 Milliarden entfallen. Um die Auslandskredite bezahlen zu können, müsse die Ukraine im Außenhandel die US-Dollar plus Zins verdienen.

Die drastische Abwertung der Hrywnja etwa gegenüber dem US-Dollar seit Herbst 2013 habe nun aber die Rückzahlungsmöglichkeit deutlich verschlechtert. Immer mehr inländische Güter müssten verkauft werden, um einen US-Dollar zu verdienen.

„Eine Verteuerung der Importgüter, wie vor allem russische Gaslieferungen, würde die Güterbasis zusätzlich schmälern, die zur Bedienung von Auslandsschulden zur Verfügung stehen kann“, so Polleit.

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