Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.10.2016

07:58 Uhr

Ökonomen zur US-Wahl

Das Risiko Trump bedroht die Weltwirtschaft

VonDietmar Neuerer

Die Finanzmärkte verfolgen den US-Wahlkampf. Der Sieg Hillary Clintons im TV-Duell wurde mit Erleichterung registriert. Doch Konkurrent Donald Trump holt auf. Ökonomen befürchten schon das Schlimmste.

Trotz seines eher schwachen Auftritts in der ersten Fernsehdebatte liegt Donald Trump in den Umfragen nur knapp hinter Hillary Clinton. AP

Donald Trump

Trotz seines eher schwachen Auftritts in der ersten Fernsehdebatte liegt Donald Trump in den Umfragen nur knapp hinter Hillary Clinton.

BerlinFührende Ökonomen in Deutschland warnen vor massiven wirtschaftlichen Verwerfungen, sollte sich ein Sieg von Donald Trump bei der US-Präsidentschaftswahl im November abzeichnen. „Wenn Donald Trump in den Umfragen aufholen sollte, könnte das zu Erschütterungen an den Finanzmärkten führen“, sagte der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, dem Handelsblatt. „Sonst sind die USA eher der sichere Hafen in Krisen, durch Trump könnten sie wie in der Finanzkrise zum Zentrum eines Finanzmarktbebens werden.“

Ähnlich äußerte sich der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. „Ja, ein Wahlsieg von Donald Trump könnte ein Risiko für die Weltmärkte darstellen“, sagte Schmieding dem Handelsblatt. „Niemand weiß, was er als Präsident wirklich machen würde.“ Während der Kongress die Innen-, Wirtschafts- und Finanzpolitik präge, habe der US-Präsident „erhebliche“ Befugnisse in der Außen- und Außenwirtschaftspolitik. „‎Sollte er beispielsweise einen Handelskrieg mit China vom Zaun brechen, könnte dies die Welthandelsordnung schwächen. Dies wäre auch eine Gefahr für die weltoffenen Handelsnationen in Europa“, betonte der Volkswirt. „Zumindest die Unsicherheit über das, was Trump tun würde, könnte zeitweilig die Märkte belasten.“

Auch der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Marcel Fratzscher, äußerte sich besorgt. „Ein Präsident Trump würde vier verlorene Jahre für die Weltwirtschaft bedeuten – in einer Zeit in der die Weltwirtschaft und Europa eine wirtschaftlich und politische starke USA benötigen“, sagte Fratzscher dem Handelsblatt. Selbst wenn ein Präsident Trump auch nur die Hälfte seiner angekündigten wirtschaftspolitischen Maßnahmen umsetzen sollte, wird die Weltwirtschaft nach Einschätzung Fratzschers „deutlich geschwächt, und es würde zu ernsten Handelskonflikten zwischen Europa und den USA kommen“.

Der Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Gustav Horn, warnte ebenfalls vor einem US-Präsidenten Trump. „Donald Trump ist  primär ein politisches, aber auch ein wirtschaftliches Risiko“, sagte Horn dem Handelsblatt. Die Gefahr bestehe dabei aber nicht in seiner  Gegnerschaft  zum Freihandelsabkommen TTIP, das ohnehin  ein „Vorhaben von zweifelhaftem demokratischen Charakter“ sei, sondern in seiner Grundhypothese, dass der  globale  Handel  Schuld an wirtschaftlichen Problemen der USA sei.  „Aus dieser Haltung heraus könnte er in der Tat  hohe Handelsschranken begründen, die  den Wohlstand  der USA selbst und den ihrer Handelspartner  mindern könnten“, erklärte Horn. 

Das sind die Trump-Wähler

Geschlecht

Trumps Wähler sind überwiegend männlich. Er gewinnt weiter vor allem bei Republikanern ohne Collegeabschluss (über 40 Prozent Zustimmung), kann sein Spektrum aber erweitern.



Motive

Mehr als die Hälfte seiner Wähler sagt, sie sei wütend auf Washington, auf die Zustände dort und auf den Stillstand. Sie ist enttäuscht von der Regierung - und von der Republikanischen Partei. Diese habe nichts aus ihren jahrelangen Mehrheiten im Senat und im Repräsentantenhaus sowie in vielen Staaten gemacht; Republikaner seien zu viele Kompromisse mit Präsident Barack Obama eingegangen.

Herkunft

Seine Wähler sind ganz überwiegend Weiße. Von ihnen geben sehr viele an, sie fühlten sich von den Veränderungen in der Bevölkerungsstruktur der USA bedroht (Nach offiziellen Angaben wird im Jahr 2044 jeder zweite US-Amerikaner einer nicht-weißen Bevölkerungsgruppe angehören.)

Bildung

Unter Trumps Wählern sind sehr viele Arbeiter. Die Fraktion der so genannten „blue collars“ (im Gegensatz zu den Angestellten mit den weißen Kragen) macht einen großen Anteil aus. Sie sehen sich seit vielen Jahren in Stich gelassen. Von einem etwaigen Aufschwung komme nichts bei ihnen an.

Politische Einstellung

Sehr viele Wähler Trumps wollten nach eigenen Angaben bisher nichts oder nichts mehr mit Politik zu tun haben. Viele gehen nun erstmals oder zum ersten Mal seit langer Zeit wieder wählen. 85 Prozent der Trump-Wähler wollen einen Präsidenten, der nicht aus dem politischen Establishment kommt, sondern von außerhalb.

Die Schuldigen

„Die Medien“ sind für die Mehrzahl der Trump-Wähler ein Teil des Problems und eines verkrusteten Systems, das sie ablehnen. Trumps Anhänger sagen, er spreche ihre Sprache, nenne die Dinge beim Namen.

Wählergruppen

Bei Wählern, die Soldaten sind oder waren, schneidet Trump im Vergleich zu den Mitbewerbern am besten ab. Bei Evangelikalen, besonders bibeltreuen Christen, kommt der mehrfach geschiedene Trump auf ähnlich gute Werte wie der Tea-Party-Favorit Ted Cruz.

Themen

Inhaltlich besonders attraktiv sind für Trumps Wähler die Themen Wirtschaft und Arbeitsplätze und die Terrorbekämpfung. Die Relevanz des Themas Einwanderung hat zumindest am „Super Tuesday“ abgenommen.

85 Prozent der Trump-Wähler sind von seinem Vorschlag begeistert, keine Muslime mehr ins Land zu lassen.

Wandel

Fast jeder Zweite sagt: Trump bringt dem Land den nötigen Wandel. In South Carolina sagten über 90 Prozent der Trump-Wähler, ihr Mann könne mit internationalen Krisen am besten umgehen. Politologen entdecken in Trumps Wählerschaft immer stärkere Züge einer obrigkeitsstaatlichen Bewegung und einer Sehnsucht nach einem starken Mann.

Ifo-Chef Fuest wies darauf hin, dass Trump kein ausgearbeitetes wirtschaftspolitisches Programm habe. „Stattdessen macht er dubiose Andeutungen, er könnte protektionistische Maßnahmen ergreifen und sogar die US-Staatsschulden nicht zurückzahlen.“ Hinzu komme „außenpolitische Abenteuerlust“.  Es sei zwar unklar, ob er seine Pläne am Ende auch umsetzen könne und würde, aber er verbreite damit Verunsicherung.  Als schädlich bezeichnete etwa IMK-Chef Horn Trumps steuerpolitische Vorschläge, die für  die US-Amerikaner eine „erneute  Welle der Umverteilung von unten nach oben“ auslösen könnte. „Auch dies wirkt  Wohlstandsmindernd“, sagte der Ökonom. 

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×