Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.08.2012

16:07 Uhr

Ökonomenstreit im US-Wahlkampf

Krugman knöpft sich Obama-Gegner vor

VonAstrid Dörner, Hans Christian Müller-Dröge

Der US-Wahlkampf tobt auch an den Elite-Unis der USA. Dabei liefert sich Ökonomie-Nobelpreisträger Paul Krugman einen Schlagabtausch mit Harvard-Prof Niall Ferguson. Beide geraten nicht zum ersten Mal aneinander.

Nobelpreisträger Paul Krugman steht nicht nur im Wahlkampf hinter Obama. Beide wollen mehr Staat. Reuters

Nobelpreisträger Paul Krugman steht nicht nur im Wahlkampf hinter Obama. Beide wollen mehr Staat.

New York, DüsseldorfVor vier Jahren war Niall Ferguson ein guter Verlierer. Vor der Präsidentschaftswahl im Jahr 2008 hatte der Geschichtsprofessor der US-Eliteuniversität Harvard den Republikaner John McCain unterstützt, ihn in außenpolitischen Fragen zeitweise sogar beraten. Als dann jedoch der Demokrat Barack Obama gewann, räumte Ferguson ein, dass Obama mit seiner Rhetorik, seinem coolen Auftreten und seinem „fast fehlerfreien Wahlkampf“ schlicht der bessere Kandidat gewesen sei.

Jetzt hat Ferguson genug von Obama. Der gebürtige Brite, der in Oxford studierte, macht seinem Missmut über den demokratischen Präsidenten im US-Magazin „Newsweek“ Luft. „Mach die Biege, Barack. Warum wir einen neuen Präsidenten brauchen“, heißt die Titelgeschichte, die der Historiker mit einem Faible für die Wirtschaft aufgeschrieben hat.

Es ist eine Abrechnung, ein Rundumschlag, in dem er den Präsidenten für seine Wirtschaftspolitik ebenso attackiert, wie für seine Außen- und Sicherheitspolitik, seine Gesundheitsreform und den Umgang mit dem Defizit. „Amerika“, ätzt Ferguson, „ist unter diesem Präsidenten eine Supermacht auf dem Rückzug, wenn nicht sogar im Ruhestand.“

Doch das Heft ist kaum am Kiosk, schon ist ein Streit um Fergusons Abrechnung entbrannt. Der Nobelpreisträger Paul Krugman (59) meldet sich prompt in seinem Blog zu Wort. „In Niall Fergusons Titelgeschichte gibt es mehrere Fehler und falsche Darstellungen“, schreibt der Ökonomieprofessor aus Princeton unter dem Stichwort „Unethical Commentary“ (unmoralischer Kommentar).

Krugman, der den Präsidenten in den vergangenen vier Jahren wiederholt unterstützt und verteidigt hat, fordert eine Richtigstellung von dem Magazin und giftet: „Ich schätze, die prüfen nicht die Fakten.“

Der Eklat kommt pünktlich zur heißen Phase des US-Wahlkampfes. Nächste Woche beginnt der Parteitag der Republikaner, auf dem Mitt Romney offiziell zum Präsidentschaftskandidaten gekürt werden soll. Doch der Wahlkampf spielt sich nicht mehr nur zwischen den Lagern von Obama, Romney und den parteiunabhängigen Gruppen, sogenannten Superpacs, ab. Längst haben sich Vertreter aus der „Ivy League“ der Wissenschaft aus ihren Elfenbeintürmen zu Wort gemeldet.

Das Team hinter Romney

Matt Rhoades

Romneys Wahlkampfmanager hat die Aufgabe, hinter den Kulissen für einen geschmeidigen Ablauf der Kampagne zu sorgen. Der 37-Jährige gilt als öffentlichkeitsscheuer und gewiefter Taktiker mit exzellenten Verbindungen zu konservativen Medien. Rhoades arbeitete bereits im Team des früheren US-Präsidenten George W. Bush für dessen Wiederwahl 2004. Bei Romneys erfolglosem Anlauf auf die republikanische Kandidatur 2008 fungierte er als Kommunikationsdirektor. Zwischenzeitlich war er bei der Lobbyfirma und Politikberatung DCI Group in Washington tätig.

Bob White

White gehörte in den 80er Jahren zu den Gründern der Investmentfirma Bain Capital und ist seitdem ein enger Vertrauter und Freund Romneys. Der Harvard-Absolvent war bereits bei Romneys gescheitertem Versuch dabei, dem mittlerweile verstorbenen demokratischen Senator Ted Kennedy 1994 dessen Sitz in Massachusetts abzunehmen. Auch wenn White im Wahlkampf 2012 keine offizielle politische Rolle ausfüllt, dürfte das Wort des treuen Wegbegleiters für Romney großes Gewicht haben.

Beth Myers

Die "Washington Post" beschrieb Myers kürzlich als Romneys "Büro-Ehefrau" und meinte damit die enge berufliche Beziehung, die beide verbindet. Während Romney von 2003 bis 2007 in Massachusetts als Gouverneur amtierte, war Myers seine Kabinettschefin. Vor vier Jahren nahm sie die Rolle der Wahlkampfmanagerin ein. Derzeit hat sie die Aufgabe, einen geeigneten Vize-Kandidaten für Romney auszusuchen. Ihre politischen Sporen verdiente sich Myers einst im Wahlkampfteam von Ronald Reagan im Jahr 1980.

Eric Fehrnstorm

Der gelernte Journalist ist ebenfalls einer der engsten Berater, der seit der Gouverneurszeit in Massachusetts zu Romneys innerem Kreis gehört. Zu seinem Verantwortungsbereich zählen vor allem die Wahlkampfspots. Im März leistete er sich einen Patzer, als er Romneys Kampagne mit einer Zaubertafel verglich - und damit den Eindruck erweckte, sein Chef könnte nach der Nominierung die erzkonservativen Töne aus dem Vorwahlkampf wegwischen und einfach durch moderatere Positionen ersetzen.

Peter Flaherty

Der frühere Staatsanwalt aus Boston arbeitete zunächst in Massachusetts und dann während der Präsidentschaftsbewerbung 2008 für Romney. Anschließend gründete er mit Myers und Fehrnstrom eine Politikberatung in Washington. Im Wahlkampfteam ist er dafür zuständig, Romneys Image bei der erzkonservativen und religiösen Wählerschaft aufzupolieren.

Spencer Zwick

Der erst 32-Jährige wacht über die Wahlkampfkasse von Romney, bereits vor vier Jahren war er für dessen Finanzen verantwortlich. Zwick lernte den Politiker als ehrenamtlicher Helfer bei den Olympischen Winterspielen 2002 in Salt Lake City kennen, bei denen Romney Cheforganisator war. Beide verbindet mittlerweile ein fast familiäres Band: Romney und seine Frau Ann beschreiben den Mormonen als ihren "sechsten Sohn".

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

21.08.2012, 16:52 Uhr

Krugman ist aus meiner Sicht nur peinlich.

whisky

21.08.2012, 16:56 Uhr

Vielleicht liegt das an Ihrer Sicht.

Account gelöscht!

21.08.2012, 17:03 Uhr

@whisky

"Vielleicht liegt das an Ihrer Sicht."

Dies sagte ich doch. Fuer mich ist dieser Mensch genau so wie Obama und genau so wie Bernanke und genau so wie Yellen voellig untragbar. Nun kann man sagen ich bin subjektiv. Aber all diese Personen hatten lang genug Zeit Erfolge aufzuweisen. Der einzige Erfolg sind die groessten Bubbles, welche die Welt je gesehen hat und bald bewaeltigen muss. LEIDER ist DIES nicht mehr subjektiv ;-)

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×