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23.01.2012

19:23 Uhr

Öl-Exporte

Das süße Öl der Mullahs

VonMathias Brüggmann, Gerd Höhler

Es soll den Iran treffen, aber für Europa selbst ist das Öl-Embargo nur schwer zu verkraften. Ein Mengenproblem beim Ersatz für Persiens Öl gibt es zwar nicht, wohl aber ein Qualitätsproblem.

Ein Ölhafen in der Stadt Tschabahar im Iran. Reuters

Ein Ölhafen in der Stadt Tschabahar im Iran.

BerlinFür Iran, den bisher zweitgrößten Produzenten der Erdöl exportierenden Staaten (Opec), ist der Wegfall der EU-Staaten als Käufer ein herber Schlag. Doch auch für einige EU-Länder ist ein Import-Embargo für persisches Rohöl nur schwer zu verkraften.

Das gilt vor allem für Griechenland, dem infolge des Öl-Embargos erhebliche Engpässe bei der Versorgung mit Rohöl drohen. Das Land bezog nach offiziellen Angaben im ersten Halbjahr 2011 14 Prozent seiner Ölimporte aus dem Iran. Neuere offizielle Zahlen liegen nicht vor, aber inzwischen dürfte der Anteil nach Schätzungen von Marktbeobachtern zwischen 20 und 30 Prozent liegen.

Der Grund der großen Abhängigkeit der Griechen von iranischem Öl ist die Schuldenkrise des Landes. Die meisten Öl-Exporteure bestehen bei Lieferungen an griechische Raffinerien auf Zahlung bei Lieferung oder sogar Vorkasse, weil sie eine drohende Insolvenz des Landes fürchten. Der Iran dagegen gewährt Griechenland nach Informationen aus Branchenkreisen großzügige Zahlungsziele. Griechenland bemüht sich deshalb in der EU um eine Ausnahmeregelung, die es dem Land ermöglichen soll, das iranische Öl so lange weiter zu beziehen, bis Alternativen gefunden sind.

Insgesamt waren die EU-Staaten laut Opec-Generalsekretär Abdullah El-Badri mit 865.000 Barrel (je 159 Liter) pro Tag die zweitgrößten Importeure iranischen Öls – hinter China und vor Indien und Japan. Die US-Energiebehörde geht indes von bisher 450.000 Barrel pro Tag oder 18 Prozent der persischen Ölexporte für Europa aus. Griechenland, Italien und Spanien sind Großkunden, aber auch Deutschland hat bisher iranisches Rohöl bezogen.

Für Iran wäre das Wegbrechen von fast einem Fünftel seiner Ölverkäufe hart, vor allem da auch Japan angekündigt hat, sich einem Boykott anzuschließen. Die Internationale Energie-Agentur (IEA) rechnet damit, dass Irans Ölförderung durch den politischen Käuferstreik bis 2016 um 890.000 Barrel pro Tag auf deutlich unter drei Millionen sinkt. Irans Ölminister Rostam Qassemi, der sich im Gespräch mit dem Handelsblatt weigerte, die genauen Fördermengen seines Landes zu nennen, bestreitet das: Teheran mache das keine Sorge, das Land verdiene, wenn der Ölpreis wegen des Embargos weltweit steige, mit geringen Exporten genauso viel Geld wie zuvor. Zudem gebe es genügend andere Kunden.

Die EU-Sanktionen gegen Iran

Verbot der Einfuhr von Mineralöl

Verbot der Einfuhr von Mineralöl spätestens ab 1. Juli. Lieferungen an Italien bleiben erlaubt, weil es sich um Begleichung iranischer Schulden handelt.

Einfrieren aller Konten

Einfrieren aller Konten der iranischen Zentralbank in Europa. „Legitime Geschäfte“ sollen jedoch in Ausnahmefällen „unter dtrikten Kontrollen“ weiter erlaubt sein.

Einreiseverbot

Einreiseverbot für 116 Personen, die das Atomprogramm fördern. Sofern sie Vermögen in der EU haben, wird dieses eingefroren. Gegen 61 Personen gibt es Einreiseverbote wegen der Unterdrückung der Opposition.

Handelsverbot

Ein Verbot, mit 441 meist iranischen Firmen und Organisationen Geschäfte zu machen. Auch deren Vermögenswerte in der EU sind eingefroren. Betroffen sind die Bereiche Bankwesen, Versicherungen, Nukleartechnik, Luftfahrt, Schifffahrt, Elektronik, Chemie, Öl- und Gasförderung.

Exportverbote für Ausrüstung und Technologie

Exportverbot für Ausrüstung und Technologie für die Öl- und Gasförderung, Verbot von Investitionen oder Krediten für diesen Bereich. Verbot von Krediten für die iranische Regierung oder deren Einrichtungen.

Exportverbot für Waffen und Telekommunikationsgeräte

Exportverbot für Waffen, Technologie oder Güter für nukleare Anlagen, Chemikalien, Elektronik, Navigationsgerät sowie bestimmte Telekommunikationsgeräte.

Kontrolle aller Geldtransfer

Kontrolle aller Geldtransfers aus der EU in den Iran. EU-Banken müssen Überweisungen melden und dürfen keine neuen Filialen im Iran eröffnen. Verbot für iranische Banken, Gemeinschaftsunternehmen in der EU zu vereinbaren. Verbot des Handels mit iranischen Anleihen.

Verschärfte Kontrolle von Frachtschiffen

Verschärfte Kontrollen von Fracht auf Schiffen der iranischen Staatsreederei. Verbot von Frachtflügen aus dem Iran in die EU.

Kommentare (31)

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Account gelöscht!

23.01.2012, 14:34 Uhr

Die Begriffe "Frieden" und "USA" sind 2 Begriffe die sich systematisch ausschließen.

freemann

23.01.2012, 14:34 Uhr


"Danke" auf Japanisch:
"DO-mo"

Diese SMS hat Frau Merkel gerade aus dem japanischen Energieministerium bekommen.
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China und Japan werden iranisches Öl kaufen

Es ist davon auszugehen, dass der Iran vor allem China und Indien zusätzliche Mengen verkaufen kann, wenn ausreichende Preisrabatte angeboten werden. Während die Embargo-Staaten also die krisenbedingt höheren Weltmarktpreise zahlen, profitieren andere Importeure, die sich nicht am Embargo beteiligen - ein klassisches Trittbrettfahrerproblem.

Außerdem ist zu befürchten, dass das Embargo wie im Fall der Irak-Sanktionen in den neunziger Jahren unterlaufen wird und Milliardenbeträge in dunkle Kanäle fließen.

Enno

23.01.2012, 14:36 Uhr

Embargo = hieß das nicht früher Handelskrieg?

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