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14.04.2012

12:06 Uhr

Öl-Förderung

USA wollen zur Ölmacht werden

VonThomas Jahn

Präsident Barack Obama will für die USA eine unabhängige Ölversorgung aufbauen. Entschlossen treibt Amerika die Erschließung neuer Energiereserven voran - trotz aller Kritik. Selbst Vorkommen in Alaska sind nicht tabu.

Barack Obamas Öl-Kurs wird von Umweltschützern vielfach kritisiert. dpa

Barack Obamas Öl-Kurs wird von Umweltschützern vielfach kritisiert.

HoustonSeit Monaten liefern sich Iran und Israel einen verbalen Schlagabtausch, der die Angst vor einem Krieg am Persischen Golf nährt. Da dieser die weltweite Ölversorgung gefährden würde, setzen die USA auf eine Strategie, die aus drei Teilen besteht.

Erstens lässt die Weltmacht ihre Unterhändler vermitteln: „Wir streben eine Lösung auf diplomatischer Ebene an“, betonte US-Präsident Barack Obama im Februar. Zweitens erhöht Washington massiv die Truppenpräsenz in der Region und hat bereits zwei Flugzeugträger im Golf stationiert.

Teil drei der Strategie findet in der Öffentlichkeit am wenigsten Beachtung und ist gleichwohl für die Zukunft der Weltwirtschaft von nicht minder großer Bedeutung. Die USA, die heute für knapp ein Viertel der weltweiten Ölnachfrage verantwortlich sind, wollen ihre Abhängigkeit von Importen aus instabilen Weltregionen reduzieren und damit auch den politischen Einfluss der betreffenden Staaten schmälern.

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„Als ich mein Amt antrat, importierte Amerika elf Millionen Barrel (ein Barrel = 159 Liter) pro Tag“, sagte Obama Ende März. „In etwas mehr als einer Dekade von heute an müssen wir die Menge um ein Drittel senken.“

Die USA sollen zur Ölmacht werden – vor allem durch die Erschließung der in heimischem Schiefergestein lagernden Vorräte. Lange galt die neue Fördertechnik, die je nach Standort 30 bis 70 Dollar pro Barrel kostet, als zu teuer, doch angesichts der derzeitigen Ölpreise von mehr als 100 Dollar pro Barrel rechnet sie sich.

Auch die Vorkommen in Alaska und der Tiefsee, die Obama aus Rücksicht auf die Umweltschützer lange schonen wollte, sind nicht länger tabu. Der demokratische Präsident folgt längst Sarah Palin, der einstigen Ikone der Konservativen, die mit dem Schlachtruf „Drill, baby, drill“ für die weitgehende Ölautarkie der USA geworben hatte.

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Dank der Erschließung der neuen Vorkommen wird die US-Ölförderung bis 2020 um fast 20 Prozent auf 6,7 Millionen Barrel pro Tag steigen, schätzt die US-Energiebehörde EIA. Andere Experten halten zehn Millionen Barrel pro Tag für möglich; dann spielten die USA in einer Liga mit Saudi-Arabien. Gehen die Pläne auf, könnten die USA nach Berechnungen des Forschungsinstituts IHS Cera ab 2020 Ölimporte im Wert von 182 Milliarden Dollar pro Jahr einsparen. Das würde helfen, das gewaltige Außenhandelsdefizit von aktuell 727 Milliarden Dollar zu senken, für das die Wirtschaftsmacht immer wieder kritisiert wird.

Kommentare (18)

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sgk_10

14.04.2012, 13:22 Uhr

Irgendwann werden auch die Amerikaneer erkennen, dass sie lieber früher als später auf erneuerbare Energieträger hätten setzen sollen, anstatt sich wegen immer größerem Ölbedarf in Kriege zu stürzen und die Umwelt zu ruinieren.

In 20 Jahren werden sie uns beneiden, wenn Energie bei uns zum Großteil erneuerbar erzeugt wird und damit sehr günstig vorhanden ist. Solarstrom kann in Dtld. heute schon für 0.11-0.15 EUR/kWh, Windstrom für 0.08-0.10 EUR/kWh erzeugt werden. Zusammen mit günstigen Speichertechnologien, die wie NaS-Batterien günstig verfügbar sind und gut regelbaren Gaskraftwerken werden wir wettbewerbsfähige günstige Energie haben. Ohne Atom und Öl.

Die Amerikaner werden hingegen ihre Ölkreuzzüge immer weiter vorantreiben müssen. Siehe Iran. Wenn jemand etwas hat, dass Du haben möchtest, dann mach ihn zum Feind.

Account gelöscht!

14.04.2012, 14:03 Uhr

Obama hat recht, da die USA nicht mehr die Kraft haben, weitere Öl-Kreuzzüge anzuzetteln. Aber das ist nur die halbe Miete, solange der pro-Kopf-Energieverbrauch in den USA doppelt so hoch ist wie in Europa, und die Entwicklung alternativer Energiequellen in den Kinderschuhen stecken bleibt.

SourceIPOrignatesInGermany

14.04.2012, 14:33 Uhr

+++ Beitrag von der Redaktion gelöscht +++

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