Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

05.01.2012

15:02 Uhr

Ölembargo geplant

EU will die Schlinge um den Iran zuziehen

Die EU erhöht den Druck auf Iran und will alle Öleinfuhren aus dem Land stoppen. Im Süden Europas stammt immerhin jede siebte Tonne aus iranischen Quellen. Aber ein Ersatzlieferant steht schon bereit.

Arbeiter auf einem Ölfeld: EU-weit ist der Anteil iranischen Öls eher gering. dapd

Arbeiter auf einem Ölfeld: EU-weit ist der Anteil iranischen Öls eher gering.

BrüsselDie Europäische Union will aus Protest gegen die iranische Atompolitik ihre Öleinfuhren aus dem Land stoppen. Eine endgültige Entscheidung darüber sei aber noch nicht gefallen, hieß es in EU-Kreisen in Brüssel . Ein Beschluss ist spätestens für Ende Januar bei einem Treffen der 27 EU-Außenminister geplant. EU-weit beträgt der Anteil iranischen Öls 4,4 Prozent, allerdings beziehen Italien, Spanien und Griechenland bis zu 14 Prozent aus dem Land. Nach Angaben aus Frankreich steht Saudi-Arabien bereit, den Ausfall des Irans als Öllieferant auszugleichen.

In den ersten drei Monaten 2011 importierte die EU insgesamt 896 Millionen Barrel Rohöl (1 Barrel: 159 Liter). Davon kamen 4,4 Prozent aus dem Iran. Im gesamten Jahr 2010 lieferte der Iran von insgesamt rund 3,7 Milliarden Barrel etwa 5,6 Prozent.

Die iranische Führung hatte zuletzt gedroht, im Fall eines internationalen Ölembargos die Straße von Hormus zu schließen. Durch die Meerenge müssen rund 40 Prozent des weltweit auf dem Seeweg transportierten Öls.

Nach Meinung Tehrans zettelt die EU mit dem geplanten Ölembargo einen Handelskrieg an. „Alle bösen Pläne der iranischen Feinde sind bislang gescheitert. Nun wollen sie uns mit einem Handelskrieg schaden“, sagte der Minister für Wirtschaft und Finanzen, Shamseddin Hosseini, am Donnerstag in Teheran. „Alle Staatsbeamten werden zu Soldaten, um sich den Plänen der Feinde entgegenzustellen“, kündigte der Minister nach Angaben der amtlichen Nachrichtenagentur Irna an.

Kremlchef Dmitri Medwedew meldete zwar ein Einlenken des iranischen Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad im Atomstreit. Dieser habe versichert, dass der Iran stufenweise wieder das Vertrauen der internationalen Gemeinschaft gewinnen wolle, teilte der Kreml am Donnerstag mit. Medwedew habe diese positive Einschätzung mit Befriedigung aufgenommen und weitere Gespräche vereinbart, hieß es auf der Internetseite des russischen Staatschefs. Ähnliche verbale Zugeständnisse hatte Irans Führung allerdings schon häufiger gemacht, seine Politik aber nicht geändert.

Daher hatten die USA zum Jahreswechsel neue Sanktionen gegen die iranische Zentralbank verhängt. Soweit ist die EU bislang nicht. Eine Ausweitung der Sanktionen gegen den iranischen Finanzsektor wird in den EU-Gremien noch diskutiert. Es geht vor allem um die Frage, wann und in welchem Umfang der Geldverkehr mit der iranischen Zentralbank eingestellt werden soll. Bisher hat die EU lediglich Sanktionen gegen einzelne iranische Geschäftsbanken verhängt.

Die Internationale Atomenergiebehörde IAEA hatte im November ein Atomwaffenprogramm des Iran dokumentiert. Daraufhin kündigte die EU eine Verschärfung der bereits bestehenden Sanktionen an. Die Führung in Teheran bestreitet die Entwicklung von Atomwaffen.

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Peer-Bilderberger

05.01.2012, 13:35 Uhr

Vor dem Militärschlag kommt die Zersetzung des Iran


In vielerlei Hinsicht hat der amerikanisch-israelische Krieg gegen den Iran schon begonnen.

Es ist nicht der Krieg, den man erwartete – eine schnelle und überraschende Attacke der Israelis auf die iranischen Nuklearanlagen gefolgt von einer US- und NATO-Bombenkampagne – sondern ein verdeckter Krieg mit ungewöhnlichen Mitteln.

Der verdeckte Krieg zeigt sich nicht nur in den eskalierenden Drohneneinsätze der Amerikaner über iranischem Gebiet und in den Explosionen in iranischen Militäreinrichtungen, sondern auch in den von Amerika unterstützten Destabilisierungs- und Zersetzungsaktionen gegen die Alliierten und Freunde des Iran, einschließlich Syrien, Russland, China, Nordkorea und Venezuela….

Diese mehrgleisige Angriffsstrategie ist eine klare Botschaft an den Iran, dass er sich in keiner Weise sicher fühlen kann, auch nicht vor Sabotageaktionen im eigenen Land. Weiterhin kann der Iran nicht auf Hilfe der Freunde hoffen, die sich selbst mit den von den Amerikanern und Israelis angezettelten Unruhen in ihren eigenen Ländern konfrontiert sehen.

Währenddessen erfinden die zonistischen Propagandisten neue Lügengeschichten, scheinbar nach dem Motto: Dümmer geht’s nümmer. Seit neuestem geht die Mär, Iran wäre mit Al-Kaida im Bunde gewesen und hätte an den 9/11 -Anschlägen mitgewirkt.

Fakt ist, dass sich der Iran in einem unerklärtem Krieg befindet, den der Westen und Israel vom Zaun gebrochen haben. Es ist ein Krieg mit Computerviren (Stuxnet), mit Propaganda, mit Finanzierung von bewaffneten Aufständen, mit verdeckten Morden und Sabotageaktionen und nicht zuletzt mit politischen Druck auf die Aliierten des Iran auf der ganzen Welt.

machtdieaugenauf

05.01.2012, 13:48 Uhr

Es ist schon eigenartig das einem Land Kriegswillen unterstellt wird welches noch nie seine Nachbarn angegriffen hat. Und darum keine Atomwaffen haben darf. Aber andere "friedliebende" Länder wie die USA oder Uk die ständig irgendwelche Kriege unter scheinheiligen Vorwänden führen nehmen dieses Recht wie selbstverständlich für sich in Anspruch. Bei soviel Scheinheiligkeit wird mir schlecht. Und unsere Mainstream Presse macht dieses miese Spiel auch noch mit. Schämt euch!

Peer

05.01.2012, 13:56 Uhr

Deutschland darf sechstes atomfähiges U-Boot an Israel liefern
Berlin (afp/IRIB) – Deutschland wird ein weiteres atomfähiges U-Boot der Delphin-Klasse an Israel liefern. Deutsche Verantwortungsträger haben am gestrigen Mittwoch die Zustimmung zum Bau eines neuen atomfähigen Unterseebootes in Deutschland gegeben.

Deutschland beteiligt sich mit 135 Millionen Euro am Bau dieses U-Bootes, dem 3. vom Dolphin-AIP-Typ, die mit Atomsprengköpfen bestückbar sind. Dieses Rüstungsgeschäft geht demnach auf eine Übereinkunft der Regierungen beider Staaten aus dem Jahr 2005 zurück, die noch in die Regierungszeit von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) fiel. Damals sei die Lieferung von zwei U-Booten sowie die Option für ein drittes Boot festgelegt worden – jeweils mit einer deutschen Kostenbeteiligung.
Israel hat den NPT-Vertrag nicht unterzeichnet und ist der einzige Atomwaffenbesitzer im Nahen Osten.
Die Meldung stimmt nicht ganz, denn bereits vor dieser Zeit wurden Dolphin-U-Boote geliefert (aus Wikipedia):
• Dolphin Indienststellung Juli 1999
• Leviathan Indienststellung Oktober 1999
• Tekuma Indienststellung Oktober 2000
Im Spätherbst 2005 wurde dann von deutscher Seite der Verkauf von zwei weiteren Booten an Israel genehmigt, die über den modernen Antrieb mit Brennstoffzellen verfügen. Die Finanzierung erfolgt zu einem Drittel durch die Bundesrepublik und zu zwei Drittel durch Israel. 2011 hat Israel ein sechstes U-Boot der Dolphin Klasse bestellt.
Finanzierung
Die ersten beiden Boote waren ein Geschenk der Bundesrepublik an Israel, während Deutschland und Israel das dritte Boot je zur Hälfte bezahlten. Bei den zwei weiteren 2005 an Israel verkauften Nachbauten subventioniert Deutschland etwa ein Drittel des Kaufpreises, maximal jedoch 333 Millionen Euro. Die ersten drei Boote kosteten jeweils rund 225 Millionen Euro, die beiden weiteren kosten je eine knappe halbe Milliarde Euro und sollen im Jahr 2012 bzw. 2013 ausgeliefert werden.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×